Quelle: Archiv MG - BRD OPPOSITION IWF-KAMPAGNE - Für humanen Imperialismus
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"UNTERENTWICKLUNG" SCHLECHT FÜR "ENTWICKLUNG" - ODER WAS?
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'Der Nord-Süd-Konflikt'
Teufelskreis der Armut
geringe mangelhafte
Produktivität<--------Ausbildung
! ^
V !
geringe geringes
Produktion Einkommen
! --------- --------- ^
! / \ / \ !
X \ / X
geringe \ \ / / geringe
Leistung \ V V / Produktion
^ ----------->ARMUT----------- ^
! / \ !
Krankheit / \ geringes
^ / \ Wachstum
! V V ^
wenig<----geringer geringe------> geringe
Nahrung Konsum Ersparnis Investition
"Informationen zur politischen Bildung" Nr. 196. "Der Nord-Süd-
Konflikt", Seite 6. Hrsg. von der Bundeszentrale für politische
Bildung in Bonn.
So soll man sich den Grund vorstellen, warum es so unsäglich
schwierig ist, daß aus einem armen Entwicklungsland etwas anderes
wird als ein armes Entwicklungsland. All die Kreisläufe, die bei
"uns" für Reichtum und seine Vermehrung sorgen sollen, führten in
den Ländern der "Dritten Welt" dazu, daß Armut bleibt, wo Armut
ist. Nur stimmen tun solche Kreislauftheorien hinten und vorne
nicht:
- Schon die Einbildung, ein "reiches" Land, das wäre eines, wo
der Reichtum für "viel" Konsum, "viel" Nahrung, Gesundheit, die
wiederum für "viel" Leistung und "viel" Produktion sorge, was
seinerseits den Reichtum mehre usf., ist absurd. Jedem zeitungs-
lesenden Schüler könnte noch auffallen, wie wenig dieses schön-
färberische Gemälde vom Reichtum eines Landes mit der Realität zu
tun hat. Der Reichtum der Nation, von dem liest man doch täglich,
daß er am besten durch niedrige Lohnabschlüsse = wenig Konsum be-
fördert wird es ist also doch keineswegs "unser aller" Reichtum,
der sich da mehrt; die "gute Ausbildung", die soll zu Produktivi-
tät und Produktion per Pfeil führen - noch jeder Schulabsolvent
kann merken, daß seine "qualifizierte Ausbildung" nur dann zu et-
was führt, wenn sie g e b r a u c h t wird; Reichtum soll es
sein, der, weil er so groß ist, Investition und Wachstum besorgt
- dann hätte kein Stahlproduzent je ein Werk dichtgemacht, was er
aber bisweilen tut, weil er dann und nur dann investiert, wenn
sich das Geschäft l o h n t (und nicht: weil er soviel Geld
hat). Es ist also ziemlich doof, sich die Wirtschaft eines Staats
vorzustellen als die Beteiligung aller am Backen eines immer grö-
ßeren (Reichtums-)Kuchens - so als hätte dieser nationale Reich-
tum nicht im Kapital sein M a ß,
auf das es ihm ankommt, und das die Sache für die Beteiligten so
ganz unterschiedlich aussehen läßt.
- Nicht minder doof ist es daher, sich die Entwicklungsländer als
das negative Abziehbild eines solchen Kreislaufreichtums vorzu-
stellen: Was bei uns "gut" funktioniert, so "reichlich" vorhanden
ist, das soll da "schlecht" klappen und immer nur "gering" und
"mangelhaft" da sein: Wenn man sich klarmachen will, warum Ent-
wicklungsländer offensichtlich so organisiert sind, daß sie auf
Dauer Entwicklungsländer bleiben, dann gilt es doch wohl, sich
damit zu beschäftigen, was diese Staaten h a b e n und
t r e i b e n - und nicht, sich andauernd die billige Feststel-
lung abzuholen, daß sie arm sind, weil sie nicht reich sind.
- Der Grund, den diese Modellbildchen für die Zwangsläufigkeit
der Lage in diesen Staaten angeben, ist deswegen auch nur dem
Schein nach einer: Auf die Feststellung, daß Investition, Wachs-
tum, Produktion etc. in diesen Ländern z u g e r i n g sind,
als daß etwas anderes herauskommen könnte als Armut, kommt man
doch nur, wenn man gleichzeitig annimmt, diese Dinge wären
e r s t e n s auch in diesen Staaten für den "Reichtum" da, und
z w e i t e n s feststellt, daß sie es in diesen Staaten nicht
sind. So kommt eben das seltsame Resultat heraus, daß ein Ent-
wicklungsland eines ist, das eine einzige s c h l e c h t e
B e d i n g u n g für seine Entwicklung ist. Warum das so ist,
das kann eben nur Werk des "Teufels" sein - auch eine Tour, kund-
zutun, man wisse schon, w o r a n die ganze Misere liegt, ohne
dieses "woran" irgendwie anders dingfest machen zu können denn
als eine Sorte Schicksal.
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