Quelle: Archiv MG - BRD OPPOSITION GRUENE - Alternative - wovon und wozu
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Wochenschau
ROTATION
Selbst vom Standpunkt eines bedrohten ö k o l o g i s c h e n
G l e i c h g e w i c h t s aus müßte es eigentlich scheißegal
sein, ob ein Abgeordneter X oder eine Mandatin Y für den deut-
schen Wald in die parlamentarische Bresche springt. Hauptsache,
d i e S a c h e wird korrekt vertreten. Nicht so bei den GRÜ-
NEN: Hier wird die P e r s o n z u m P r i n z i p, weshalb
bei allen inhaltlichen Punkten, für die man grünerseits gerade-
stehen will, r o t i e r t wird, wie's gerade erforderlich ist
für die Politik- bzw. Mehrheitsfähigkeit, mit hängen und Würgen,
aber nur teilweise bei den Damen und Herren Bundesparlamenta-
riern. Der Reservegeneral Bastian hat schon seit langem erklärt,
daß er der P a r t e i DIE GRÜNEN allenfalls ein Bundestagsman-
dat verdankt, sonst aber gar nichts. Und jetzt meldet sich die
Hochsensibilität von Petra Kelly bei der B a s i s d e m o-
k r a t i e ab und offeriert eine Postenerhaltungsdialektik, die
einen fast schon an legendäre Figuren wie Hermann Höcherl und
Erich Mende erinnern würde, wenn sie nicht so dummdreist-
moralisch wäre: Für Frau Kelly gibt es jetzt "taktische
Rotieren", "elende Wiederwahlopportunisten" und "Querrotierer".
Alles Schimpfwörter für ihre "politischen Freunde" bzw. Synonyma
für den Kellyschen Beschluß: "Ich bleibe im Bundestag"
(Süddeutsche Zeitung, 30.1.). Ohne Petra Kelly im Parlament
können "krebskranke Kinder" nicht in Ruhe sterben. Das muß jedem
Nachrücker einleuchten.
Ausgerechnet ein SPD-Hinterbänkler namens Scheer entdeckt in der
Rotation einen "schweren Verfassungsbruch", weil hier
"Abgeordnete mit ihrer gesamten parlamentarischen Exisitenz zu
Marionetten von Parteibeschlüssen gemacht werden." (FAZ, 31.1.)
Dieser Mann aus Baden-Württemberg, der höchstwahrscheinlich in
seiner ganzen parlamentarischen Existenz noch keinen Furz ohne
ausdrückliche Weisung seines Fraktionsvorsitzenden gelassen hat,
geifert um "die Substanz der parlamentarischen Demokratie" ange-
sichts der grünen Überlegungen zur Personalpolitik.
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