Quelle: Archiv MG - BRD OPPOSITION GRUENE - Alternative - wovon und wozu
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"DER KREML NIMMT GRÜNE 'EXOTEN' JETZT ERNST"
berichtet die Korrespondentin der "Frankfurter Rundschau" am
14.11. über den Ablauf des jüngsten Moskau-Besuches der Grünen-
"Promis" Dithfurt, Beckmann, Schily und Kostede. Und was hat er
davon, der Kreml?
"So forderten die Grünen die UdSSR - wieder einmal - zu einseiti-
gen Abrüstungsschritten auf. Dazu gehört auch die Forderung nach
einer weiteren Verlängerung des einseitigen Moratoriums über
Atomteststops. Außerdem kritisierten sie das Junktim von Reykja-
vik: Man solle bei der Abrüstung mit der Reduzierung der Mittel-
streckenraketen beginnen, meinen die Grünen und nicht alles an
die US-Bereitschaft koppeln, auf SDI zu verzichten. Schewardnadse
und Gromyko waren da anderer Meinung, sie beharrten auf einem
Abrüstungs-Paket..." (FR)
Da geben sich also höchstrangige Sowjet-Politiker stundenlang mit
Frau Dithfurt und Herrn Kostede ab, weil sie meinen, der durch
immer neue Abrüstungsvorschläge samt gewisser Vorleistungen doku-
mentierte Friedenswille der SU habe jedenfalls auf die Repräsen-
tanten der aufstrebenden "fortschrittlichen politischen Kraft"
von der grünen Partei Eindruck gemacht. Und was kriegen sie von
denen zu hören?
Die Grünen f o r d e r n von der UdSSR: 'Weiter so - auf dem
Weg zur einseitigen Entwaffnung der Russen!'. Da fragt es sich
dann allerdings schon: Sind die Grünen wirklich 'bloß' so
b l ö d, daß sie die Politik der Sowjetunion an ihrem eigenen
Standpunkt einer "Abrüstungspartei" messen und mit diesem morali-
schen Bonus im Rücken den Russen nahelegen, sie sollten, um in
grünen Augen "glaubwürdig" zu werden, das westliche Kriegspro-
gramm 'Endlösung der Russenfrage per Aufrüstung mit SDI' doch
standhaft ignorieren und "einseitig abrüsten"? Oder sind auch
BRD-Grüne, die sich daheim mit ihren Abrüstungsvorstellungen die
ganze Zeit vor dem Maßstab "Landesverteidigung" höchst defensiv
rechtfertigen, schlichtweg A n h ä n g e r d e r w e s t-
d e u t s c h e n N a t i o n a l d o k t r i n, wonach jede
Waffe in den Händen der Russen eine zuviel ist?
Wahrscheinlich beides! Kaum sind die Realo-Fundis aus Bonn nach
Moskau eingeladen, treten sie jedenfalls an und verlangen gerade
unter Berufung auf ihren pazifistischen Gesinnungs-Ausweis von
den Russen Abrüstung, e g a l, ob die Amis und die restliche
NATO aufrüsten. Die Schily und Konsorten nehmen die politische
Aufwertung gerne mit, die die Sowjet-Regierung i h n e n ver-
schafft (in den USA hätte sie noch nicht einmal der unterste Un-
terstaatssekretär empfangen!), und beantworten die diplomatische
Geste der SU mit selbstbewußt-undiplomatischen Attacken, die zei-
gen sollen, daß auch und gerade die Moralbolzen von den Grünen
dem sowjetischen System in der Hauptsache Verachtung entgegen-
bringen: in Sachen "Menschenrechte", dem offiziellen Feind-
schafts-Titel der NATO, wollte die grüne Delegation die Bonner
Regierung offenbar noch übertrumpfen, überreichte ihren Gespräch-
spartnern gleich drei "offene Briefe" und "bat Gorbatschow um
eine Möglichkeit der Begegnung mit Friedensnobelpreisträger
Sacharow in Moskau oder Gorki". Man sieht, auch bundesdeutsche
Alternativpolitiker verstehen etwas von Public Relations und ha-
ben dafür "unsägliche" Vergleiche mit Goebbels gar nicht nötig.
Da haben sich die grünen Außenpolitiker das ausnehmend wohlwol-
lende Fazit der FR voll und ganz verdient: "Nicht jede bundes-
deutsche Delegation, die offiziell Moskau besucht, zeigt so viel
Mut."
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