Quelle: Archiv MG - BRD OPPOSITION GRUENE - Alternative - wovon und wozu


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       Die GABL zum 1. Mai
       

MIT RADIKALEN SPRÜCHEN GEGEN DEN LOHN

Wo alle Welt die Moral verbrät vom Lohnverzicht, der Ar- beitsplätze schaffen soll, mag die GABL nicht abseits stehen. Al- lerdings: einfach die Sprüche von der Konkurrenzpartei SPD oder von der Gewerkschaft will die GABL nicht nachbeten. Sie hat sich eine ganz eigenständige Argumentation ausgedacht, wie man zum gleichen Ergebnis gelangt: die "Besserverdienenden" müssen ran! Das geht so: Erstmal werden das Kapital und die anderen Parteien ordentlich beschimpft: "Seit nunmehr 10 Jahren haben wir Massenarbeitslosigkeit und das, obwohl die Gewinne der Unternehmen seit vielen Jahren in un- geahnte Höhen steigen ... Zum Skandal gehört auch die enorme Um- verteilung von unten nach oben: wer schon hat, dem wird dazugege- ben und wer wenig hat, ist das Draufzahlen eh schon gewohnt ... Eine ganz schön klare Linie zieht sich da durch: Wachsen soll die Wirtschaft und mit ihr die Gewinne. Die Menschen sollen Leistung bringen - sofern sie gebraucht werden. Wer nicht gebraucht wird, muß sehen, wo er bleibt, er wird ja nicht gleich verhungern." Bis hierher nicht viel Originelles: die GABL stimmt in das allge- meine "Skandal-Skandal"-Getöse darüber ein, daß diejenigen, die eigentlich für's Beschäftigen zuständig wären, ihrer gesell- schaftspolitischen Pflicht nicht nachkommen. Und was folgt jetzt nach der Logik der GABL aus ihrem Horrorgemälde über die bösen Unternehmer bzw. CDU-Regierung und die armen Opfer von deren "El- lenbogen-Gesellschaft der Möchtegern-Aufsteiger"? Zwei Antworten schließen sich aus, weil die schon die SPD und die Gewerkschaften gepachtet haben: SPD wählen (SPD) und sich ans "Verursacherprinzip" halten (DGB). Von denen will sich die GABL ja unterscheiden. Also beantwortet sie ihre eigene Frage danach, wer denn in den letzten Jahren "etwas gegen die Arbeitslosigkeit getan" habe, folgendermaßen: "Die Sozialdemokraten etwa? ... Wenn die ein bißchen was zu sagen haben, dann hüpfen sie mit den Konservativen ins Bett ... Bleiben die Gewerkschaften. Haben mitten in der Krise für Arbeitszeit- verkürzung mit vollem Lohnausgleich gekämpft ... aber die Unge- rechtigkeit bei der Verteilung der Arbeit ... ist geblieben." Alles klar: die SPD w i l l nicht, und die Gewerkschaften k ö n n e n nicht. Sehr realistisch, diese GABL: auf die Ver- eine setzen bringt nichts - hat man ja gesehen. Und nun? Was will die GABL den "Betroffenen", deren Schicksal sie in so harten Wor- ten schildert, denn nun predigen, wenn diejenigen, die offiziell für die Arbeitslosen zuständig sind, sich unwillig oder ohnmäch- tig zeigen? Sollen die Opfer mal aufhören, sich als Opfer auf- zuführen - oder sich endgültig in ihre Lage fügen? Oder was? "Wird es da nicht Zeit, neue Wege zu denken und in Angriff zu nehmen? Wird es da nicht Zeit, auch diejenigen unter uns zu fra- gen, die ihren Videorecorder und ihren Zweitwagen haben, ob das alles so weitergehen muß wie bisher? Obwohl wir wissen (!!), daß weder wir noch unsere Löhne und Gehälter Schuld sind an der Krise." Eine interessante "Lösung" - und interessanterweise genau die, auf die SPD und DGB mit vereinten Kräften auch gekommen sind. Allerdings ein bißchen umständlich hinargumentiert: Gerade noch durfte man von der GABL erfahren, daß man sich von Staat und Kapital nichts erwarten darf, weil die sowieso immer die Kleinen benachteiligen. Und jetzt soll man genau denen, die die GABL selbst für diese Misere verantwortlich macht, ein paar Lohnstückchen überlassen - für Arbeitsplätze? Um in der Logik dieses bestechenden Vorschlags zu bleiben: Wieso sollten die geldgierigen Unternehmen das Angebot der Videorecorderbesitzer, auf ein Stückchen Lohn und Gehalt zu verzichten, nicht dankend annehmen - und ansonsten genau das weiter tun, wofür sie die GABL anfangs beschimpft: ihre Gewinne weiter steigern? Es ist einerseits schon ziemlich frech, auf der einen Seite den Betroffenen ihre Ohnmacht gegenüber der Politik des Staates und der Kalkulation des Kapitals vorzurechnen - und dann zu be- haupten, ausgerechnet durch Verzicht ließen die sich zum Arbeit- geben zwingen! Andererseits ist dieser "Vorschlag" der GABL eben- sowenig auf irgendeinen praktischen Nutzen für irgendeinen Men- schen, der ohne Lohn zurechtkommen muß, berechnet wie bei ihren salonfähigeren Konkurrenten bei der SPD. So kommt eben aus der ganzen künstlichen Aufregung der GABL doch nur dasselbe raus wie aus der ganzen "Lohnverzicht-schafft-Ar- beitsplätze"-Debatte: die Aufforderung an die "Besserverdie- nenden" - nach der Logik der GABL alle, die einen Arbeitsplatz haben! - sich wegen ihrer paar Kröten ein ordentlich schlechtes Gewissen zu machen. Und natürlich auf die GABL als Partei zu set- zen, die dies Gewissen öffentlich, illusionslos und publikums- wirksam vertritt. Das nützt den Arbeitslosen! zurück