Quelle: Archiv MG - BRD OPPOSITION GRUENE - Alternative - wovon und wozu
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Kleine Anfrage an die Freunde der Grünen:
"MUMMENSCHANZ" STATT PROTEST
- Habt Ihr das gewollt?
Erst stellen die Grünen F.J. Strauß als menschenverachtenden Rü-
stungslobbyisten, Pinochet-Freund und Atomkriegstreiber heraus.
Dann rufen sie zu einer Veranstaltung anläßlich des Strauß-Be-
suchs auf, die sich den Namen Protest erst gar nicht zuziehen
will. Sie ziehen stattdessen einen "Mummenschanz und Satire"
(Weser-Kurier) ab.
Erst rennen Demonstranten mit dem Schild "AIDS-Internierung!
Warum nicht gleich Dachau, ist doch ganz einfach, Herr Dr.
Strauß!" durch die Gegend. Dann stehen dieselben Leute auf einer
"Abschlußkundgebung" herum, die mit einer Komödie für zwei Perso-
nen eine Volksbelustigung der idiotischsten Sorte bietet. Kost-
probe:
"Die Veranstaltung endete mit einer Satire auf den bayerischen
Ministerpräsidenten, der in dem immer wieder von Pfeifkonzerten
unterbrochenen Spiel beim Anflug auf Bremen mit seiner Maschine
schon die von MBB geforderte längere Landebahn auf dem Neuenlan-
der Feld einkalkuliert hatte und deswegen mit dem Fallschirm ab-
springen mußte. "Strauß" fuhr dann auch noch mit einer Taxe vor,
arg derangiert und von der unsanften Landung in Bremen ge-
zeichnet." (Weser-Kurier)
Nach dem alten Sextanermotto: 'Und da ist unser Lehrer in die
Pfütze getreten. Da mußten wir alle lachen.'
Während also der gute Franz Josef kraft Amt und Würden für deut-
sche Politik um die Welt jettet, hier eine WAA verordnet, da ein
Waffengeschäft einfädelt und nebenbei noch Zeit findet, einem
waschechten Diktator gute Tips fürs Niederhalten der Massen zu
geben, biegen sich die Grünen vor Lachen, weil sie sich in ihrer
Phantasie ausmalen, wie Strauß mit einem z e r k n i t-
t e r t e n Schlips antritt, um mit Wedemeier neue Rüstungs-
aufträge für MBB zu besprechen.
Das ist komisch. Aus dem bayerischen Ä r g e r n i s F.J.
Strauß wird ein Gegenstand des A m u s e m e n t s. Erforder-
lich ist dazu nicht etwa Humor, sondern ein etwas abgebrühter
politischer Idealismus. Man muß nur den dicken Bayern auf dem
Feld des Menschlich-Allzumenschlichen als alten Trottel darstel-
len. Dann hat man zumindest sich selber bewiesen, daß der Bayer
eine für jederman kenntlich b l a m a b l e F i g u r i s t,
a l s o n i c h t s g i l t. Das ist zwar praktisch nicht
wahr, setzt aber für die Dauer der bescheuerten Satire die eigene
Moral einer sauberen, weil CSU-keimfreien Demokratie ins überle-
gene Recht. So stellt sich das gute Gefühl wie nach einem Sieg
ein, der nur in der Einbildung stattgefunden hat.
Apropos Sieg: Der Rüstungslobbyist von Bremen heißt nicht Franz
Josef, sondern Klaus. Über den lacht kaum jemand, obwohl der im
Unterschied zu Strauß nicht einmal fliegen kann. Woher kommt das?
War die Demo gegen Strauß vielleicht eine f ü r Wedemeier? Das
wäre schon wieder komisch.
Der Erfolg der Demonstration: Die "politische Kultur" gerettet!
So sehen die grünen Initiatoren selbst den Erfolg ihres Mummen-
schanz:
"Lothar Probst, Sprecher des Aktionsausschußes, sagte abschlies-
send, diese Veranstaltung sei ein großer Erfolg für diejenigen
gewesen, die mit dieser politischen Satire ein Stück Demonstrati-
onskultur in Bremen praktiziert hatte. 'Und das entgegen allen
Verheißungen und dem Herbeireden von Ausschreitungen, die von po-
litisch interessierter Seite in die Welt gesetzt wurden', sagte
Probst." (Weser-Kurier)
Woran mißt sich also der Erfolg einer Demonstration? Daran, daß
sie es schafft, dem Staat nicht als unliebsame Gegnerschaft auf-
zufallen, die eine entsprechende polizeiliche Behandlung ver-
dient. Je Kultur, desto Protest. Das werden die Minnas von den
Grünen wohl noch manchem Demonstranten einbleuen.
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