Quelle: Archiv MG - BRD OPPOSITION GRUENE - Alternative - wovon und wozu
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Wochenschau
DIE GRÜNEN
fragten sich vorletztes Wochenende in Hannover: "Wohin konzen-
trieren wir unsere Kräfte?" Auf diesem sogenannten Ideologiekon-
greß wurde in der Tat sehr ideologisch nach "Kräften" Ausschau
gehalten, mithilfe derer zur Konzentration parlamentarischer
Kraft der GRÜNEN beigetragen werden kann. Rudolf Bahro, der immer
schon vor einem "hündischen SPD-Bezug" gewarnt hat, geht es zwar
"nicht um eine Koalition mit der CDU"; er möchte aber diese Par-
tei um eine von ihm neu entdeckte "lebenskonservative Strömung"
beerben, an die sich die GRÜNEN "bis um das Jahr 2000 anpassen"
sollten, um mit "neuen (?) Ideen die konservativen Wählerschich-
ten zu erreichen". Das "Kühne" an Bahros "Vision" besteht darin,
selbst im latenten F a s c h i s m u s des westdeutschen Stamm-
tischs eine "Ahnung umgehen" zu lassen, daß "Überleben nur durch
Andersleben und einen anderen Zuschnitt der materiellen Grundla-
gen und vor allem der geistig-seelischen Verfassung unserer Zivi-
lisation zu sichern ist". Die law-and-order-Wünsche des Bürgers,
denenzufolge a l l e a n d e r e n anders leben sollen, also
so, wie er selbst sich etwas darauf zugutehält; das Staatspro-
gramm, die materiellen Grundlagen des Überlebens für die Bürger
radikal zu beschneiden; die "geistige Führung", jene demokrati-
sche Variante von Gleichschaltung - alles dies, was das deutsche
Volk regiert und so regierbar macht, will Bahro davon überzeugen,
daß es mit einem CDU-Staat sich gegen die eigenen tieferen Über-
zeugungen versündigt und zu grün konvertieren soll. Weil Bahro
mit dieser These durchaus an ideologisches Gedankengut der GRÜNEN
anknüpft, wurde er auch nicht ausgepfiffen, sondern sehr
"realpolitisch" auf die "Schwierigkeiten" seines Konzepts verwie-
sen. Trampert von der Vorstands"linken" konnte sich nicht vor-
stellen, "wie sich die GRÜNEN wandeln sollten", um CDU-Wähler
einzusacken, sehr wohl jedoch - und das war auch schon die
A l t e r n a t i v e -, im SPD-Wählerreservoir dadurch zu fi-
schen, daß man die Sozialdemokraten "durch die Radikalität un-
seres Kampfes gegen die Schweinereien des C D U-Staates" aus-
sticht. In der anschließenden Debatte, laut "Süddeutsche Zeitung"
vom 6. Juni "ohne jede Schärfe geführt", wurde langatmig darüber
verhandelt, ob man sich erfolgreicher als w a h r e Konserva-
tive oder als konsequente SPD profilieren solle.
Zu einem Verhältnis gehören allerdings immer zwei; und wie die
wirklichen Konservativen zu den GRÜNEN - ob mit oder ohne Liebes-
erklärung zu einem grünen Ideal des Konservatismus - stehen, das
hat gleich das Wochenende darauf der oberste Tier- und Umwelt-
schützer aus Bayern, Ministerpräsident F.J. Strauß, in seiner un-
mißverständlichen Art klargestellt
"Grüne haben in Parlamenten nichts verloren!"
hieß seine aktualisierte Fassung der alten parlamentarisch-demo-
kratischen Forderung an jedes "kritische Element", sich doch der
freien und geheimen Wahl des Bürgers zu stellen und dort seine
Abfuhr zu holen. Denn anders als so, daß die "demokratischen Par-
teien" das Regierungsgeschäft ungestört unter sich ausmachen dür-
fen, ist die "Souveränität" des demokratischen Wählers nicht ge-
meint. M i ß braucht er sein Stimmrecht, um f a l s c h e Fi-
guren zu wählen, so muß er verführt worden sein. Und vor dem CSU-
Bezirksparteitag Mittelfranken enthüllte Strauß, von wem: "Ohne
Fernsehen gäbe es keine Grünen!"
Ohne demokratische Öffentlichkeit gäbe es zwar wohl auch kaum
einen demokratischen Parteiführer F.J. Strauß. Weil es aber den
gibt, hat die demokratische Öffentlichkeit auch auf sein Kommando
zu hören. Denn was braucht es noch Kritik, wenn der Wähler doch
entschieden hat?
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