Quelle: Archiv MG - BRD OPPOSITION GRUENE - Alternative - wovon und wozu
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Wochenschau
DIE GRÜNEN IM BUNDESTAG
haben ihre erste waschechte "F r a k t i o n s k r i s e". Nur
den spektakulären Auslöser, keinesfalls den G r u n d und da-
für, liefert der Abgeordnete Bastian: Wie jetzt von ihm publi-
kumswirksam klargestellt, ist der Mann tatsächlich als
G e n e r a l in die "Opposition" gegangen, weil ihm eine andere
V e r t e i d i g u n g s p o l i t i k vorschwebt als seinem
damaligen obersten Vorgesetzten Apel und den jetzt machthabenden
Christlich-Liberalen. Weil Bastian als Soldat und d e u t-
s c h e r P a t r i o t in der BRD g l a u b w ü r d i g
bleiben will, macht er jetzt "kommunistische Kader" in der Partei
verantwortlich für "Anti-Amerikanismus" und die "Völlige
Konzeptionslosigkeit" der Grünen in der "Deutschlandpolitik".
Seine Fraktion kommt am Ex-Truppenführer vor wie ein Sauhaufen,
in dem die mangelnde "Menschlichkeit im Umgang miteinander"
i h n an "effektiver parlamentarischer Arbeit" hindere. Und weil
es ihm darauf ankommt, stellt er seinen "Kollegen" das Ultimatum,
entweder für ihn oder ohne ihn weiterzumachen. Bastians
Sicherheit, daß "viele so denken" wie er, bestätigt von der
"Herrn Bastian menschlich eng verbundenen" Obermoralwachtel Petra
Kelly, verdankt sich dem Zustand einer Partei, in der die
unterschiedlichsten Ansprüche an die Welt sich nur zu dem einen
politischen Konzept zusammengetan haben, sich demokratische
Anerkennung zu verschaffen, wenn möglich im Parlament und so
lange wie möglich durch die eigene Person. Das allein steckt
hinter der Debatte ums "Rotationsprinzip", und nicht irgendwelche
"basisdemokratischen Überzeugungen". Diese werden ebenso taktisch
ins Feld geführt wie der von Bastian jetzt entdeckte Gegensatz
zwischen Parteibasis und seiner "Verantwortung den zwei Mio.
Wählern" gegenüber. Wenn die bürgerliche Öffentlichkeit hämisch
konstatiert, die parteipolitischen Realitäten hätten die
idealistischen Politamateure vom alternativen Lager eingeholt, so
stellt diese Schadenfreude die Wahrheit auf den Kopf: Das
erzbürgerliche Konzept, noch jeden Dissens zu Maßnahmen der
Staatsgewalt p o l i t i k f ä h i g zu machen, d.h.
parlamentarisch und "mehrheitsfähig", hat notwendigerweise die
Konkurrenz innerhalb der frischgebackenen Alternativ-
P a r l a m e n t a r i e r entfesselt, deren Austragung sich
jetzt natürlich all der Tricks und Heucheleien bedient, die man
aus den "etablierten Parteien" kennt. Und das mit mindestens dem-
selben guten Gewissen, im Namen des Volkes, der Nation und der
politischen Sacharbeit.
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