Quelle: Archiv MG - BRD OPPOSITION GRUENE - Alternative - wovon und wozu
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Wochenschau
DER GRÜNE
Bundestagsabgeordnete Dirk Schneider hat letzte Woche sehr kri-
tisch und überhaupt nicht mehr alternativ ausgesprochen, was der
BRD an ausreisewilligen DDR-Bürgern nicht paßt: Als "Dissidenten"
sollen sie "dissidieren", d.h. im Lager des Feindes als subversi-
ves Element ihre Pflicht tun, mit einem Wort:
g e f ä l l i g s t d r ü b e n b l e i b e n! Schneider: "Es
ist schlecht, wenn der DDR durch die Ausreise vieler tausend Bür-
ger unruhige Geister verloren gehen und damit auch die Möglich-
keit sinkt, die DDR-Gesellschaft zu erneuern."
Vom innerdeutschen Staatssekretär Hennig (CDU) kam postwendend
die Replik: Daß eine Fraktion, in der etwa ein Drittel
Kommunisten säßen, einen solchen Rat erteile, wundere ihn nicht.
Hennig will die Rübergemachten nicht missen - als Kronzeugen
dafür, daß an der DDR nichts zu verbessern ist. Und deswegen an
der BRD erst recht nichts.
P.S. Mittlerweile haben die grünen Abgeordneten Joschka Fischer
und Jo Müller in einer Pressemitteilung ihrem Fraktionskollegen
Schneider eine kritische, gleichwohl kongeniale Antwort erteilt.
Es gehe nicht an, "die Ausreisewilligen als Luxusflüchtlinge zu
diskriminieren". Denn - so diese beiden Alternativen Wahnsinns-
knaben, die 'Luxusflüchtling' also ganz im Sinne des deutschen
Asylrechts für ein böses Schimpfwort halten -: "Das Engagement
für demokratische Freiheitsrechte ist unabhängig von der Ökonomi-
schen Situation zu beurteilen". Na fein, dann haben es jetzt auch
die grünen Freiheitskämpfer geschnallt, daß man Freiheit nicht
mit Lebensstandard verwechseln darf, als (Rechts-)Titel aber jede
politische Hetze gegen den Osten rechtfertigt.
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