Quelle: Archiv MG - BRD OPPOSITION GRUENE - Alternative - wovon und wozu


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       Münchner Hochschulzeitung Nr. 7, 16.01.1985
       
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DIE GRÜNEN - ALTERNATIVE WOVON UND WOZU?

1 Einerseits will niemand bestreiten, daß hier die P r o b l e m e u n s e r e r Z e i t angesprochen werden sollen: Natur & Frie- den. Dagegen kann doch niemand sein. Deswegen gibt's hier endlich mal eine O p p o s i t i o n in dieser Republik, die sowohl f u n d a m e n t a l ist als auch k o n s t r u k t i v. An- dererseits sind selbstverständlich a l l e Demokraten für die Natur und für den Frieden. Erstere steht längst in den Programmen auch der etablierten Parteien, und für den Frieden in Freiheit sorgt die NATO. Deshalb wird Mißtrauen laut, ob Leute, die für Selbstverständlichkeiten eines jeden anständigen Bürgers gleich eine B e w e g u n g gründen am Ende nicht doch eine a n d e- r e Republik wählen. Was sind sie nun, die GRÜNEN? Eine a l t e r n a t i v e Partei, die endlich ernst macht mit einer volksverbundenen und zukunftsorientierten Politik? Oder lauter Systemveränderer mit "grün" als Tarnung für "rot"? 2 Einerseits gibt jeder verantwortungabewußte Demokrat zu, daß die Politiker einiges dazu getan haben, sich das u n e i n g e- s c h r ä n k t e Vertrauen der Bürger zu verscherzen. Mehr Anstand & Moral im Staat! Dagegen kann niemand sein. So ist eine Opposition in dieser Republik, die noch unverbraucht ist, noch nicht k o r r u m p i e r t d u r c h d i e M a c h t, durchaus eine Bereicherung für unsere Demokratie. Andererseits macht der m o r a l i s c h e R i g o r i s m u s einer Basis- bewegung ohne Sinn für das p o l i t i s c h M a c h b a r e den demokratischen Interessenausgleich unmöglich. Immerhin gibt es einen Rechtsstaat und einen Instanzenweg, der für Entscheidungen und Willensbildung sorgt. Deshalb wird zur Vorsicht gemahnt, und gar manche Kampagne der GRÜNEN findet sich im Verfsssungsschutzbericht wieder. 3 Einerseits zeigen die GRÜNEN endlich P o l i t i k f ä h i g- k e i t, wenn sie sich an Wahlen beteiligen, in die Parlamente einziehen und sich der V e r a n t w o r t u n g stellen. Andererseits soll das so manches Bundesland und vielleicht auch einmal die BRD selbst u n r e g i e r b a r machen, weil sich die neuen Mitmachthaber weigern (könnten), einer der beiden Regierungsparteien zu den notwendigen Stimmen zu verhelfen. Deshalb werden die GRÜNEN auch mal mit den Nazis verglichen, und Oskar Lafontaine fordert ihre Bereitschaft zur "Drecksarbeit" als letzten Beweis ihrer demokratischen Unbedenklichkeit. 4 Und die GRÜNEN? Vom Wähler zur neuen "dritten Kraft" erklärt, diskutieren sie, ob sie sollen oder nicht: Einerseits f ü r a l l e s eine Alternative bieten, denn dafür ist man ja Partei und parlamentarisch; andererseits überall einen a l t e r n a- t i v e n Standpunkt vertreten, denn deshalb ist man gegen die anderen Parteien angetreten. Ob das der bundesdeutschen Republik gerade noch gefehlt hat? Diskussion auf dem Teach-In der MG am Mitwoch 16. Jan.. 17 Uhr Audimax zurück