Quelle: Archiv MG - BRD OPPOSITION GRUENE - Alternative - wovon und wozu
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Münchner Hochschulzeitung Nr. 21, 20.06.1983
Wochenschau
USA-BESUCH DER "GREEN PARTY OF WEST-GERMANY"
"Die guten Beziehungen zwischen der BRD und den USA nicht den Re-
gierungen überlassen!" Mit diesem Ideal einer "Völker-
freundschaft" die von den gemeinsamen Zwecken der NATO-Nationen
nichts wissen und sie durch viel zwischenmenschliche Harmonie
ersetzen will - so als müßte die diplomatische Heuchelei der
Politiker von unten wirklich wahrgemacht werden -, ist eine
Delegation grüner Bundestagsabgeordneter dem Kanzler in gebühren-
dem zeitlichen Abstand in die USA nachgereist und hat mit einem
alternativen Staatsbesuch gleichgesinnten Amerikanern das
b e s s e r e D e u t s c h l a n d nahegebracht. Ihr morali-
sches Ideal einer Weltpolitik, die Mensch und Natur nur Gutes
täte, fanden sie gleich doppelt bestätigt: p o s i t i v durch
"Freeze"-Anhänger, mit denen sie gemeinsam manifestierten; nega-
tiv durch eine Entdeckung, für die sie zuvor nicht erst über den
großen Teich hätten reisen müssen, die durch persönliche Anwesen-
heit "vor Ort" aber enorm an Glaubwürdigkeit gewonnen haben soll:
"Im state Department regiert ein geradezu paranoischer Anti-Kom-
munimus." (M. Beck-Oberndorf)
Wenn man schon in Bonn nicht merkt, daß selbst die dümmsten und
brutaltsten Ideologien, die politisch gelten, nicht im Wahnsinn,
sondern in imperialistischen I n t e r e s s e n ihren Grund
haben - wie sollte man das auch in Washington lernen?!
Zweifelsfrei bestätigt gefunden haben sie außerdem, was man eben-
falls auch ohne Amerikareise wissen kann: ihren
"Verdacht, daß die Aufstellung der Pershing-2-Raketen und der
SS 20 militärstrategisch nichts miteinander zu tun haben."
(ebenfalls Beck-Oberndorf)
Weshalb sie dann allerdings diplomatisch so viel miteinander zu
tun haben: das haben die grünen MdBs zu erkunden vergessen. Die
Legitimation haben sie sich beschafft, gegen die westliche Atom-
waffe zu sein - g e n a u s o wie gegen die russische: "No de-
ployment of Pershing II ... no SS 20!" stand auf ihrem Transpa-
rent, das sie vor dem Weißen Haus hochhielten. Als wüßten sie
nicht, daß der "paranoische" Antikommunist Reagan genau dasselbe
sagt - bloß w e i ß d e r, wie sehr die diplomatische Kombina-
tion dieser beiden Waffensysteme sehr einseitig seiner NATO-Welt-
herrschaft nützt! Um ihre Ehrbarkeit war es den grünen Abgesand-
ten überhaupt vor allem zu tun; so sehr, daß Petra Kelly einen
Auftritt im US-Fernsehen nicht dazu nutzte, gegen die deutsch-
amerikanische Rüstungsfreundschaft zu polemisieren, sondern am
Image der eigenen "Bewegung" zu polieren und sich als Opfer einer
weltweiten Verschwörung zu bedauern: Man werde "systematisch von
CIA und KGB unterwandert", um durch von Agenten provozierte Ge-
walttätigkeiten "diskriminiert" zu werden. Dem Verdikt der eige-
nen Rechts-Regierung - "Werkzeug des Ostens" - gibt diese Ober-
grüne mit ihrem berechnenden Verfolgungswahn recht, um sich vor
den Maßstäben eines Spranger, Zimmermann und Wörner zu
e n t s c h u l d i g e n und gleich auch noch gegen die
Obrigkeit, die mit solchen Verdächtigungen ihre ideologische
Front gegen die Friedensbewegung stärkt, ins Recht zu setzen.
Nicht nur in, sondern m i t d e r P o s e d e r
v e r f o l g t e n U n s c h u l d P o l i t i k machen zu
wollen: das ist die letzte Weisheit grüner "Opposition".
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