Quelle: Archiv MG - BRD OPPOSITION GRUENE - Alternative - wovon und wozu


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       Der Veranstaltungskommentar
       
       Ebermann was here:
       

FUNDI-KRITIK AN DER ATOMBEWAFFNUNG DER BRD

Wie es sich für eine ordentliche Partei gehört, werben auch die Grünen mit ihrem Partei-Promi zum Vorzeigen. Die Veranstaltung fand im Radler-Saal statt, hieß "Veranstaltung mit Thomas Eber- mann" und hatte das Thema: "Kommt die deutsche Atombombe?" Dabei erfuhr man, daß dem Grünen an den Debatten über die Pers- hing 1A etwas aufgefallen ist: "Die Grünen haben sorgfältig recherchiert und dabei herausgefun- den, daß die Begriffe 'Drittwaffenstaat', 'Drittwaffensystem' in den politischen Diskussionen des Bundestags bis dato noch nicht gefallen waren." Doch anläßlich des INF-Abkommens "wurden diese beiden Begriffe ohne Aufsehen in die Debatte eingeführt. Es wurde in der gesamten Öffentlichkeit, mit wenigen Ausnahmen, keine Kritik daran geäu- ßert, daß die BRD damit einen Anspruch auf Verfügung über die Pershing 1A Raketen geltend machte." - So weit, so gut - auch wenn es für diese Feststellung nicht des vergleichenden Studiums aller Bundestagsprotokolle bedarf. Es reicht ja, daß der Kanzler sich für mitzuständig für die Pershing 1A erklärt und, die als eigenständiger Teilnehmer am Schacher der Weltmächte um Atomwaffen ins Spiel brachte. Aber Grüne machen es sich natürlich nicht leicht... Verwunderlich war schon, daß Ebermann gar so betonte, daß die bundesdeutsche Öffentlichkeit keinen Anstoß an diesem Auftreten der BRD-Politiker nahm. Denn tatsächlich liegt dies genau auf der Linie praktischer Politik dieses Staats. Immerhin kam in der De- batte selbst heraus, daß die BRD über Atomraketen schon lange mitverfügt (weswegen die Themafrage auch etwas seltsam ist). Und die weltpolitische und weltwirtschaftliche Geltung der BRD beruht schon seit jeher auf atomaren Wuchtbrummen. Als Mitglied im "Bündnis" verfügt sie zwar nicht autonom d e u t s c h über das einschlägige Gerät, doch wäre ein im Weltmaßstab frech agierender Genscher ebenso wie ein VW do Brasil undenkbar ohne Atomwaffen der NATO im Rücken. Ganz abgesehen vom nicht weniger harten Anspruch auf ein Großdeutschland in einem freien Europa bis hin zum Ural oder einem politisch und ökono- misch so überaus erfolgreichen Osthandel, von dessen ökonomischen Wirkungen die Staaten des Ostblocks sich so schnell nicht erholen werden. Im Windschatten der NATO ist also die Welt am deutschen Wesen bereits reichlich genesen. Wenn die BRD deshalb heute gehobene Ansprüche auf Verfügung über einschlägiges militärisches Gerät anmeldet, ihr Sicherheitsbe- dürfnis mittlerweile offen an keinem geringeren Maßstab als den Machtmitteln der östlichen "Supermacht" bemißt, dann ist das ge- nau die Konsequenz der erfolgreichen imperialistischen Beziehun- gen, die sie weltweit pflegt. D.h. mit der Anmeldung eigenständi- ger Ansprüche auf Atomwaffen haben Kohl und Co. wirklich nur die bisherigen Lügen von der besonderen "Friedensliebe" der BRD, die Atomwaffen für ein "Unheil" hält, offiziell ad acta gelegt, aber nicht die Politik geändert. Als Grüner sieht Ebermann dies aber offensichtlich anders. Seine Aufklärung über das bundesdeutsche Auftreten ging deshalb auch in eine ganz andere Richtung, als einen Zusammenhang zwischen den deutschen Atomwaffen-Ansprüchen und den politischen Vorhaben dieses Staats herzustellen. Er wies stattdessen nach, daß BRD-Politiker aller Parteien schon seit Adenauer scharf auf Atomwaffen waren, deshalb auch schon immer gegen den erst 1974 widerwillig abgegebenen Atomwaffenverzicht gearbeitet haben usw. Dies ist nicht nur ärgerlich, weil Ebermann "natürlich selbst weiß, daß die Verfügung über Atomwaffen zu den Souveränitätsanliegen dieser Republik passen", so darüber aber gar nicht redet. Die Tour, den deutschen Anspruch auf Atomraketen so zu besprechen, daß man geflissentlich über die monströsen po- litischen Anliegen hinwegsieht, denen sich der Wunsch nach derart schlagkräftigen Instrumenten der Politik verdankt und stattdessen einen immer schon vorhandenen Willen deutscher Politiker nach atomaren Gerät dingfest macht, ist wieder eine einzige Verharmlo- sung. Als Grund für deutsche Atomwaffen figuriert so nämlich al- lein der ziemlich inhaltsleere Machtwille bundesdeutscher Politi- ker, also ihre moralische Verwerflichkeit. Lächerlich deshalb auch, wenn Ebermann behauptet, daß er durch seine Art Aufklärung "natürlich die deutsche Politik kritisieren will". Dies beweist nur, daß auch Linke wie er als Grüne zwischen Kritik an der Poli- tik und der faden moralischen Entlarvung ihrer Repräsentanten an ihren Sprüchen, nicht unterscheiden können oder wollen. Und das ausgerechnet auch dann noch, wenn die Politik ihre Lügen ganz of- fiziell ad acta legt. Daß grüne Politik sich tatsächlich darin erschöpft, politische Sachverhalte nur aufzugreifen, um die verantwortlichen Politiker zu blamieren, macht Ebermann vollendet mit seinen Ausführungen zu dem vor ihm im Bundestag eingebrachten Antrag, "den deutschen Atomwaffenverzicht im GG zu verankern und ihm damit Verfassungs- rang zu geben", klar. Ganz Fundi gibt Ebermann sich da einerseits abgeklärt: eigentlich sei er "gegen die Berufung auf das GG, da es eine Ansammlung abgehobener Ideale ist, denen die reale Poli- tik nicht entspricht" (ein sehr fundamentaler Irrtum). Doch Methodiker der Oppositionpartei, der er ist, mangelt es ihm zugleich nicht am Opportunismus, sich dennoch positiv auf die Verfassung zu beziehen - mit folgender Begründung: "1. Ein Atomwaffenverbot im GG könnte eine materielle Barriere schaffen (wie das plötzlich?). 2. Wir tun dies im Hinblick auf Freundinnen und Freunde, die ihr Anliegen gerne mit dem GG begründen. Es ist nichts Schlimmes, wenn man seine Aktionen in den Schein politischer Ideale stellt." Fazit: blöd ist sie schon die Aktion; sie nützt auch in der Sache kaum. Machen kann man sie aber trotzdem, denn es kommt auch für den Fundi ohnehin auf etwas anderes an, nämlich die Entlarvung der anderen Parteien an irgendwelchen, aber geschätzten Titeln der Politik. Keine Frage deshalb, daß der Fundi recht gut in seine grün-schilyrnde Partei paßt - und sogar zur großen "Wende": er glaubt zwar nicht an den Idealismus eines besseren Deutsch- land, hält ihm aber gleichwohl hoch und hat in Bezug auf die Po- litik praktisch auch nur ein Problem: moralische Erneuerung frei- lich durch grüne Repräsentanten. zurück