Quelle: Archiv MG - BRD OPPOSITION GRUENE - Alternative - wovon und wozu
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Die zarteste Versuchung, seit es Parlamente gibt
DAMENWAHL
"Alle reden von den Frauen", lobt die GAL ihre ansonsten schon
mal despektierlich "Altparteien" genannten Konkurrenten um die
Wählerstimmen. Die haben "die Frau" als Thema der Politik schon
längst entdeckt. So sind die Frauen zu der Ehre gekommen, daß
ganze Gesetze und Parteiprogramme auch und gerade für sie erdacht
worden sind nach Auskunft der maßgeblichen Damen und Herren Poli-
tiker. Da geht es ihnen wie allen geschädigten Opfern der demo-
kratischen Politik: deren Fortsetzung wird im Namen der Geschä-
digten betrieben. Wg. Gesundheit soll man sich für AKWs statt
verbrannter Kohle erwärmen. Das ist das Schöne an den allseits
verehrten Worten - sei es, daß der Mensch im Mittelpunkt steht,
oder die Familie, oder die Natur oder das Leben, oder die Gerech-
tigkeit, oder alles zusammmen -: Keine Mutter, kein Arbeitsloser,
kein Wald hat persönlich was davon, wenn ihnen als Titel von sei-
ten der Herrschaft Anerkennung widerfährt.
So sitzen in den Parteien die Frauen in ganzen Quoten herum, da-
mit der Untertan, der zu seiner Herrschaft keinesfalls nein sagen
kann, wenn diese ihn fragt, die freie Auswahl hat, wen er mit der
schweren Bürde, über ihn zu regieren, betrauen will. Für diese
Zustimmung zur Ermächtigung, die ihm zusteht und sonst nichts,
darf er sich Gesichtspunkte seiner Übereinstimmung mit den Par-
teien aussuchen.
Das finden die Grünen, die "dritte Kraft" mit dem "frischen Wind"
bei der Volksvertreterei, bei den anderen noch viel zu wenig ver-
wirklicht. Radikal wie sie sind, haben sie auf ihrer Liste die
Männer weggelassen. Bei der GAL wird von den Frauen nicht nur ge-
redet - hier kann man sie auch ankreuzen.
Die von der Basis hinsichtlich ihres Geschlechts ausgesuchten
Kandidatinnen repräsentieren einen grundverkehrten Einwand gegen
die Politik und die Verhältnisse, die diese herstellt - gleichbe-
rechtigt solle es dabei zugehen. Als Angebot in Sachen geschlech-
terparitätischem Lohnarbeiten oder Sozialhilfeempfangen wird das
seltener mißverstanden, in Sachen Kriegshandwerk heutzutage zwar
schon eher, beim gehobenen Staatsdienst aber immer:
"Männer haben einen wahnsinnigen Vorsprung in den Machtetagen, da
haben wir einen riesigen Nachholbedarf." (Adrienne Goehler im
Spiegel)
Gerechterweise muß ergänzt werden, daß der Wille zur Machtbetei-
ligung bei den Grünen völlig geschlechtsunspezifisch immer unge-
fähr dasselbe ist wie "Querliegen zur Gesellschaft" (Goehler),
zurecht nennt die Kandidatin ihr Programm "Regelverletzung"...
Bei soviel selbstbewußtem Bekenntnis zur Quintessenz der Unge-
rechtigkeitskritik - gleich soll es zugehen, egal wobei eigent-
lich - mag man schon fast nicht mehr nachfragen, was sie denn da
sollen, die Frauen, auf den "Machtetagen"? Es ist ja kein Geheim-
nis, worüber hanseatische Parlamentarier debattieren und abstim-
men. Wirtschaftsförderung und innere Sicherheit, Müllabfuhr und
Gebührenerhöhungen, wer wo wielange von der Polizei eingekesselt
werden darf, wieviel Radioaktivität ein Milchtrinker auszuhalten
hat - eben lauter unbekömmliche Beschlüsse, was einen Hamburger
Weltbürger sein vorzüglicher Standort kostet. Partout will die
GAL da überall "den weiblichen Blickwinkel reinbringen". Das
sieht dann auch entsprechend aus:
"Nehmen wir die Schadstoffgrenzwerte, die Giftmenge, die der so-
genannte Norm-Mensch noch abbauen kann, bevor er kaputtgeht. Der
sieht so aus: 70 Kilo schwer, 30 Jahre, 12 bis 16 Atemzüge pro
Minute, männlich und nicht schwanger." (Goehler)
Wo dieser "Blickwinkel" anfängt, ist die permanent laufende Schä-
digung der Leute längst unterstellt - gepocht wird nur auf eines,
auf das zynische Recht, in dieser Schädigung von Geschlechtsge-
nossinen repräsentiert und betreut zu werden. Wieviel besser las-
sen sich doch so alle Zumutungen ertragen, wenn man weiß, daß
Frau für Frau die Giftmenge ausrechnet, die diese bei allen
Pflichten "noch abbauen kann, bevor sie kaputtgeht". Für schwan-
gerschaftszuträgliche Giftdosen. Gesundheit!
Und das Ganze nicht nur fraulich, sondern auch noch höchst sach-
verständig:
"Wir müssen Ausschau halten nach Frauen, die ihren Sachverstand
einbringen, als Ökologinnen, Wirtschaftsfachfrauen, Haushaltsex-
pertinnen." (Goehler)
So machen sich die GALierinnen auch noch um die Lüge verdient,
ausgerechnet die Politik zeichne sich durch ganz viel
"Sachargumente" und "Kompetenz" aus! Sachverstand wird Politikern
nachgesagt, denen der Lohn immer zu hoch und die Ostgrenze zu
weit in der Mitte ist, und die deutsche AKWs als die sichersten
der Welt bezeichnen... kompetent, kompetent. Da erfüllt es schon
den nicht strafbaren Tatbestand der Verglimpfung unseres Gemein-
wesens, ausgerechnet die geschlechtsmäßige Aufteilung der Macher-
mannschaften zu bemängeln und für Parität à la Ehe: fifty/fifty
zu plädieren. Gegen die HERRschaft (Originalschreibweise) spricht
letztlich nur, daß sie so ungemütlich heißt. Eine so großartige
Sache wie die Politik verdient ein besseres Personal, da haben
die GALierinnen mit "Phantasie" und "Gefühl" (Selbstbezichtigung,
also garantiert nicht frauenfeindlich) eine Menge zu bieten. Als
wären in dieser Republik die nationalen wie die lokalen, Vorhaben
der Politik eine Frage von männlich oder weiblich, wird der
Schein gepflegt, auf die Politikerpersönlichkeit käme es unge-
heuer an. Für ein ganz inniges Verhältnis ausgerechnet zur Poli-
tik! Wenn die GAL-Frauen ihre Masse und diese spezielle Note ein-
zubringen gedenken, dann, man wird das Gefühl nicht los, könnte
man genausogut Männer wählen. Oder eben Frauen. Egal. Beim Wählen
kann man eh' nix verkehrt machen. Außer wählen. Denn beim Kreu-
zemalen sind Männer und Frauen gleich: sie erklären ihr Einver-
ständnis zum Mitmachen. Und dagegen gibt es tatsächlich einiges
einzuwenden.
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