Quelle: Archiv MG - BRD OPPOSITION GRUENE - Alternative - wovon und wozu
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Münchner Hochschulzeitung Nr. 10, 15.02.1984
Wochenschau
DER GENERAL A.D. BASTIAN
ist aus der Bundestagsfraktion der Grünen ausgetreten, behält
aber sein Mandat. Das entspricht nicht nur den in Bonn bei allen
Parteien üblichen Bräuchen, sondern ist nicht einmal so unge-
recht, wie seine ehemaligen Fraktionskollegen jetzt jammern: Im-
merhin waren sie (und nicht zuletzt ihre Wähler!) einmal sehr be-
geistert über einen ranghohen NATO-Offizier, der grüner Opposi-
tion zum "Doppelbeschluß" die Aura von Fachkompetanz verschaffte,
ganz abgesehen von den Repräsentationsqualitäten eines grauhaari-
gen Staatsbeamten für seine neue Truppe, die nicht zuletzt mit
ihm ihre P o l i t i k f ä h i g k e i t unterstrich. Mit haar-
genau denselben Qualitäten würgt der General seiner Partei jetzt
eine "politische Katastrophe" rein, die die "Leidensfähigkeit"
(Schily & Fischer) der Fraktion auf die "Zerreißprobe" stellt:
Diesmal kriegen die Grünen nicht nur von kompetenter, sondern
auch von einer moralisch unanfechtbaren (weil aus den eigenen
Reihen stammenden) Autorität "zunehmenden Anti-Amerikanismus",
"mangelnde Menschlichkeit im Umgang miteinander" und parlaments-
politischen Dilettantismus vorgeworfen. Der General hat sich auch
nicht mit Personalzugeständnissen befriedigen lassen. Sein
A n s c h l a g zielt auf die ganze Partei und ihre "heiligen
Kühe" vom Rotationsprinzip bis zur "Priorität für die außerparla-
mentarische Arbeit an der Basis". Bastian möchte ein respektier-
ter Parlamentarier werden, und wenn ihm die Fraktion nicht dabei
hilft, versucht er es ohne sie. Mit seinem Austritt aus der Kre-
felder Initiative, bei dem ihn Petra Kelly "in alter menschlicher
Verbundenheit" begleitet, demonstriert er die Ernsthaftigkeit
seines Anliegens: Ein loyaler Fan von Bundeswehr und NATO, dem an
der momentanen Linie einiges nicht paßt. Auf dieser Linie kolpor-
tiert der "deutsche Patriot" Gert Bastian gegen die eigene Partei
alle Vorwürfe, mit denen die übrigen demokratischen Parteien die
Grünen wegen "nationaler Unzuverlässigkeit" und "kommunistischer
Unterwanderung" an den Pranger stellen. So geht mit der Stilkri-
tik des Parlamentariers Bastian die sehr generelle Zumutung des
Deutschen Bastian einher, die grüne Partei und die ganze Frie-
densbewegung müßten sich von jedem Verdacht säubern, es könnte
ihrer Opposition um noch etwas anderes gehen als um die richtige
Verteidigung Deutschlands.
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