Quelle: Archiv MG - BRD OPPOSITION GRUENE - Alternative - wovon und wozu
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BESSERE DEUTSCHE FIND'ST DU NICHT!
Friedensbewegte und Grüne haben sich eine Demonstration vorgenom-
men. Anlaß ist eine Hauptveranstaltung des deutschen Mai im Jahre
1985, der Weltwirtschaftsgipfel. Diese sinnreiche Zusammenkunft
der mächtigen Figuren aus dem Reich der Freiheit findet heuer auf
deutschem Boden statt - für die gastgebenden Herrschaften eine
wunderbare Gelegenheit, ihre heutige Rolle in der Weltpolitik zur
Schau zu stellen. Ihre Mittel und Rechte im aktuellen Konkurrenz-
kampf, ihr "Gewicht" im leichenträchtigen internationalen Ge-
schäft, ihre Beiträge zum Fortschritt der militärischen Gewalt -
all das soll ihnen zur Ehre gereichen! Und vor dieser Ehre hat
vor allem die Wiederkehr jenes unseligen Datums zu erblassen, an
dem die Rechtsansprüche des vorletzten Deutschland endgültig zu-
schanden wurden: "W i r" - das Deutschland der 80er Jahre -
h a b e n das Recht auf Revision des Kriegsergebnisses von da-
mals, u n s e r e ökonomische wie militärische Stellung in der
Welt beweist, daß wir zu Recht unzufrieden sind. Und jede Paral-
lele zum Deutschen Reich, das damals unter Hitler schon einmal
das Resultat eines verlorenen Krieges im Namen aller höchsten
Werte korrigieren wollte, ist frei erfunden. Schon unsere frei-
heitlichen Bündnispartner bezeugen das.
Friedensbewegte und Grüne haben sich zu diesem Geschehen ihre ei-
genen Bedenken einfallen lassen. Zunächst einmal ergehen sie sich
wieder in der ergiebigen Trennung zwischen dem großen bösen Mann
aus Amerika und den mit dessen Absichten nicht so recht vereinba-
ren Anliegen der Bundesrepublik. Aber nur, um die gegenwärtige
Führung ihrer Nation der Sünde zu zeihen, sie würde sich in
"willfähriger" und "unkritischer" Partnerschaft üben. Unter einer
ausdrücklichen Würdigung des echten nationalen Interesses wollen
sich diese Alternativen zu Kritik offenbar nicht versteigen! Ein
Höchstmaß an Glaubwürdigkeit versprechen sie sich denn auch von
der Warnung, der amtierende, fehlgeleitete Nationalismus würde
die "Kriegsgefahr", erhöhen und - die "eigene Bevölkerung" ge-
fährden! Sollten sie wirklich daran glauben, daß die Wende-Regie-
rung zu ihrem Schutz "Verantwortung trägt"? Daß Rüstung nicht nur
"Friedenspolitik" heißt, sondern zum Schutz von Land und Leuten
in Latzhosen erfunden ward?
Traurig zu sehen, daß mit diesem Kompliment an die Politik, vor
der man sich zu ängstigen vorgibt, der Opportunismus nicht einmal
erschöpft ist. Um ihre schlechte Meinung über Präsident Reagan
für jeden anständigen Deutschen auch schön plausibel zu machen,
greifen Friedensbewegte und Grüne zu d e m Maßstab des bösen
schlechthin: Der gute Ronald sei schon fast so schlimm wie - die
Russen. Mit diesem Rückgriff aufs alte wie neue deutsche Feind-
bild ist den Friedensfreunden ein genialer Wurf gelungen. Daß we-
gen der störenden Russen der Krieg kalkuliert und vorbereitet
wird, ist ihnen nicht nur bekannt, sondern offenbar auch ein we-
nig recht. Wen die Russen wobei stören, scheint ihnen nicht ein-
mal halb so wichtig. Die "Unsinnigkeit" einer Atomrüstung hat es
ihnen angetan, welche mit dem Ideal von Politik als schützende
Wohltat so schwer zu vereinbaren geht.
Es scheint schon recht schwierig zu sein, den Zweck einer Politik
und ihrer Urheber zu kritisieren, wenn man als guter Deutscher
zumindest seine eigene Herrschaft zielstrebig mit Katastrophen-
schutz verwechselt. "Un-" oder "Wahnsinn" sagen ist da entschie-
den einfacher, zumal "selbst vor der militärischen Nutzung des
Weltraums" die Präsentation einer glaubwürdigen nationalen Gesin-
nung kaum von Empörung zeugt.
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