Quelle: Archiv MG - BRD OPPOSITION GRUENE - Alternative - wovon und wozu


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       Fast ein grüner Herztoter in Ost-Berlin
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       Man stelle sich vor, 5 DDR-Bürger, Angehörige des Parlaments drü-
       ben, kämen  nach Bonn und würden dort in einer unangemeldeten De-
       monstration per  Transparent und  Erklärung für den Bundeskanzler
       gegen die  Verschärfung des Demonstrationsrechts protestieren und
       von der  Bundesiegierung appellativ  fordern, vor allem gegenüber
       den USA  entschieden für  Rüstungsverzicht einzutreten. Der west-
       deutsche Staatssicherheitsdienst  würde diesem  Akt ein schnelles
       Ende bereiten,  vielleicht die Beteiligten als potentielle Spione
       verhören, und  regierungsamtliche Stellen würden, wenn überhaupt,
       erklären, die  Herren sollten  lieber zurück  nach drüben  gehen,
       dort gäbe  es genug Grund für Protest, aber da dürfe man ja nicht
       einmal...
       Fünf Grüne  nehmen sich das Recht heraus, sich solches in der DDR
       (die Anführungszeichen  sind eben  immer noch nicht verschwunden)
       zu erlauben.  Sie marschieren auf den Alexanderplatz in Ostberlin
       und demonstrieren: mit einem Transparent "Schwerter zu Pflugscha-
       ren" ganz  unschuldig gegen das Vorgehen des Staates drüben gegen
       solche Anstecker  plus Anhänger; mit einem Transparent "Abiüstung
       in Ost und West / Jetzt damit anfangen" wieder so ganz unschuldig
       für Rüstungsverzicht "vor allem der Sowjetunion". Unschuldig gibt
       sich die  Sache deshalb,  weil vordergründig  so getan  wird, als
       wäre die  Aktion gleichermaßen  gegen die NATO und gegen den War-
       schauer Pakt  gerichtet. Nun,  diese Unschuld wird dann doch als-
       bald klarer  entlarvt. Nachdem der Staatssicherheitsdienst drüben
       die Demo beendet hat und Vopos die 5 Grünen mit auf die Wache ge-
       nommen haben,  dann entlassen;  dabei ein "relativ normales Poli-
       zeiverhalten für  solche gewaltfreien Aktionen" an den Tag legen,
       wie der  grüne Teilnehmer  Roland Vogt zugibt, läßt die Mitdemon-
       strantin Petra  Kelly, kaum  wieder im  Westen, die  westdeutsche
       Katze aus dem Sack.
       
       "Nach Darstellung  Petra Kellys  sind die  Beamten gegenüber  den
       beiden Frauen  'brutal und sexistisch' vorgegangen. Man hätte sie
       brutal an  Armen und  Brust angefaßt und keine Rücksicht auf ihre
       Herz- und  Kreislaufschwäche genommen. Erst als die Beamten fest-
       stellten, daß  sie es  mit 'Prominenten'zu tun hatten, hätten sie
       sich entschuldigt." (Süddeutsche Zeitung vom 13.5.)
       
       Das kommt  einem irgendwie  bekannt vor: Ja, richtig, die Herzto-
       ten,  die   sich  in   letzter  Zeit   wegen  der   Schikanen  im
       "Unrechtssystem" so  häufen und  die die  BRD zum Anlaß nahm, das
       innerdeutsche Klima abzukühlen. Wie mutig vom herzschwachen deut-
       schen Mädel  Petra, sich ins Ostberliner Zentrum des Bösen zu wa-
       gen. Gott sei Dank ist trotz aller Schikanen nichts passiert. Und
       trotzdem hat  die Kelly  - auch  ohne Herzinfarkt - bewiesen, daß
       drüben nix  Freiheit ist. Wie man aus Bonn hört, soll Bundeskanz-
       ler Kohl  in scharfer Form eine Stellungnahme von Honecker zu den
       "sexistischen" Übergriffen  seiner Vopos verlangen sowie eine Un-
       tersuchung durch  westdeutsche Beamte an Ort und Stelle. Honecker
       wird wohl in einem zehnseitigen Schreiben darlegen, daß gegenüber
       den Demonstranten  keine Unregelmäßigkeiten  vorgekommen sind.  -
       Einen Brief hat er ja schon geschrieben, an die Grünen, und ihnen
       doch tatsächlich  in allen  Punkten recht  gegeben. Und  das nur,
       weil der  Antikommunismus diesmal  nicht in  Gestalt  der  Jungen
       Union, sondern grün daherkam!

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