Quelle: Archiv MG - BRD OPPOSITION GRUENE - Alternative - wovon und wozu
zurück
Aus dem alternativen Parteileben
WENN GRÜNE STREITEN...
Der Streit der Grünen war noch nie ein erfreulicher Anblick. Und
zwar deshalb, weil sie ihn noch nie zu dem Zweck der Klärung ei-
nes Sachverhalts angestrengt haben, so daß sie sich auf dieser
Basis auf ein gemeinsames Programm hätten einigen oder voneinan-
der verabschieden können.
Grundkonsens: Ins Parlament!
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Wenn die Grünen seit ihrer Gründung sich in ihren konsequenzlosen
Differenzen als "Fundis" oder "Realos" ergehen, so deshalb, weil
sie sich über die Grundsätze ihrer Partei sehr einig sind, ohne
daß sie es je der Mühe für nötig befunden hätten, sich auf sie zu
verständigen. Wie alle guten Demokraten haben sie vorab per
"Konsens" entschieden, was sie mit ihrer Partei erreichen wollen.
Ihr Tun haben sie unter das äußerst dringliche und außer Frage
stehende Gebot gestellt, die Natur - und darum die Demokratie -
und darum die Grünen zu gründen. Daß Veränderung gegen den Staat
nicht geht, deshalb nur von ihm zu erwarten ist, weshalb man
sich, wenn man ihn "beeinflussen" will, seinen Regeln zu unter-
werfen hat diese Kleinigkeit steht von Anfang an fest. Mit Be-
kenntnissen zur Gewaltfreiheit und dem demokratischen Mehrheits-
prinzip haben sie sich ihrem Ziel: "Die Grünen ins Parlament"
verschrieben. Dieses banale Ziel brauchte und vertrug schon des-
halb keine Begründung, weil e wg. Höherem und gänzlich unbe-
streitbaren Werten - unter der Errettung der abendländischen
Menschheit tritt kein Grüner an - veranstaltet wurde. Wenn jedem,
der f ü r die Grünen Partei ergreift, unmittelbar einleuchtet,
daß sie g e w ä h l t werden m ü s s e n - sei es, weil er
nicht als Raucher und Reaktionär Schande auf sein Haupt häufen
will; sei es, weil er ohne ihre frechen Akzente und bunten Tupfer
die Farblosigkeit des Parteienspektrums nicht aushielte -, was
bleibt da überhaupt noch an S t r e i t p u n k t e n für die
Partei übrig?
Problem: Wie Wähler werben?
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In ihren Streitereien beschäftigen sie sich ausschließlich mit
der spannenden Frage, wie der Gewinn von Wählerstimmen am ge-
schicktesten zu bewerkstelligen bzw. wie dem Verlust der edlen
Ware am trickreichsten vorzubeugen bzw. abzuhelfen sei. Wenn au-
ßer Zweifel steht, daß der grüne Adressat als Wähler ran muß,
dann bleibt für den I n h a l t von vornherein nichts weiter
als der öde Rest t a k t i s c h e r Differenzen.
Wie kommen wir beim Wähler am besten an? - fragen sich in holder
Eintracht Fundi und Realo. Gewinnen wir an Glaubwürdigkeit, - in-
dem wir "die Machbarkeit der alten Politik anzweifeln" (Ebermann
- Arbeiterkampf, 20.10.86) oder indem wir die Regierungsfähigkeit
der neuen Politiker vor Augen führen: "Gestalten statt verwal-
ten!"?
- indem wir dem Wähler mit unserer Entschlossenheit kommen, um
"der Sache" willen Regierungsverantwortung auf uns zu laden, oder
indem wir ihn daran erinnern, daß bei uns "die Inhalte" nie zu
kurz kommen?
- indem wir ihn mit seiner Betroffenheit oder mit den zu deren
Betreuung erforderlichen Koalitionsangeboten umwerben?
- indem wir Erfolge in der Regierung vorweisen oder uns als un-
verbrauchte und auf ihren Glaubwürdigkeitsverschleiß schwer auf-
passende Kraft in der Opposition präsentieren?
Diese Alternative ist ebenso unentscheidbar wie unehrlich.
U n e n t s c h e i d b a r, weil hier der E r f o l g das
einzige Kriterium ist, vor dem sich beide Seiten respektvoll ver-
neigen. "Der Wähler" entscheidet sich aber weder für das eine,
noch für das andere Lager, die beide ja gar nicht zur Wahl ste-
hen, sondern für die Partei. Und solange er dies mit steigenden
Prozentzahlen tut, sorgt er für gute Laune bei beiden Flügeln und
für Stolz auf die Attraktivität einer wüst diskutierenden Wähler-
vereinigung: Beide können sich nun auf den werten Wähler berufen,
wenn sie die Lüge in die Welt setzen, gerade i h r e Taktik
habe zum Erfolg geführt. Nebenbei sorgt "der Wähler", solange er
mit Stimmzuwächsen dieser Taktik d e r P a r t e i recht gibt
dafür, daß die für ihn inszenierte Alternative nicht zur Ent-
scheidung ansteht.
U n e h r l i c h sind die Differenzen, weil hier ein "und" als
ein "oder" verkauft wird. Der fingierte Streit lautet im Klar-
text: Sollen wir an die Macht kommen (um Probleme zu lösen)
o d e r Probleme lösen (wozu wir die Macht benötigen)? Fundis
und Realos sind also wie lechts und rinks schwer zu verwechsern.
Die Behauptung daß a u s s c h l i e ß l i c h ihre Linie den
Erfolg der Partei garantiere, nehmen sie im selben Atemzug mit
dem Bekenntnis zurück, daß der Erfolg der Partei sie zur Anerken-
nung der Verdienste des anderen Flügels und zur Zusammmenarbeit
mit ihm nötige. Jeder Beckmann, der der CDU Offerten macht, ver-
fügt über die Floskel zuallererst auf einer inhaltlichen Ausein-
andersetzung mit christlichen Werten bestehen zu müssen. Und je-
der Ebermann beherrscht den Trick, den Koalitionsangeboten der
Realos an die SPD mangelnden Realismus zu bescheinigen. Offen-
sichtlich haben beide Seiten, wenn sie sich in ihren taktischen
Manövern auf die Maximen der Gegenseite berufen, nicht nur nichts
gegeneinander einzuwenden. Sie w i s s e n, was sie aneinander
haben.
Der Dauerstreit ist schließlich ihre Erfindung. Er bezweckt, mit
den beiden sich aufs sinnvollste ergänzenden Abteilungen ein mög-
lichst breites "Wählerspektrum" anzusprechen, und ist auf die
zweierlei Sehnsüchte einer unzufriedenen Wählermannschaft berech-
net. Für alle, die sich an der Oppositionsrolle stören und die
Partei endlich an die Macht wünschen, gibt es die Realos. Wer
will, kann an ihnen sehen, daß die Grünen m e h r sind - als
b l o ß e Neinsager. Für alle, die sich an der Regierungsbetei-
ligung stören, weil sie sich Veränderung von der Partei erwarten,
gibt es die Fundis. Wer will, kann an ihnen sehen, daß die Grünen
m e h r sind - als b l o ß e Jasager.
Wenn das Vorweisen von Alternativen die anerkannte Tour ist, in
der sich die Partei der Wähleröffentlichkeit präsentiert, so ver-
folgt jede einzelne Richtung in diesem Streit keinen anderen
Zweck, als sich zu p r o f i l i e r e n.
Entsprechend ekelhaft verfahren sie denn auch in ihren Streitig-
keiten miteinander. Da jede Auseinandersetzung unter die Kautel
gestellt ist: Wir dürfen uns nicht zerstreiten, weil wir beim
Stimmenfang aufeinander angewiesen sind! - sticht an der A r t
u n d W e i s e ihrer Debatten der i n s t r u m e n t e l l e
U m g a n g der Funktionäre miteinander ins Auge. Da versucht
jeder, den anderen auf seine Linie zu bringen - und mobilisiert
seine Mannen, damit er sich nicht selber festlegen lassen muß. Da
hat keiner ein Argument für sich vorzubringen, sondern versucht
jeder, sich gegenüber der gegnerischen Fraktion per Berufung auf
höhere Instanzen ins Recht zu setzen. Da meint es auch keiner
ernst mit seinem Standpunkt, sondern jeder läßt sich seine Kom-
promißfähigkeit als Dienst an der Partei und dickes Plus im Pro-
filierungspoker anrechnen. Ein überzeugter Grüner steht eben auch
trotz abweichender Meinung zum Kurs der Partei - tja, wenn die
Mehrheit nicht wäre! - und macht so für die Partei Reklame, deren
Kurs anders ginge, als er geht, sofern man nur so selbstlose Ty-
pen wie ihn - die Mehrheit muß halt her! - machen ließe. Der
wechselseitige Opportunismusvorwurf ist so an der Tagesordnung,
ohne daß daraus irgend jemand die Konsequenz zöge - er soll ja
auch nur für die eigene moralische Lauterkeit und geschicktere
Verpackung beim Bewerkstelligen der eigenen "Übergänge" gespro-
chen haben.
...LANDEN SIE BEIM DENUNZIEREN
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Die Gemeinsamkeit der Partei hat auch bisher schon gar nicht an-
ders existiert denn als Konkurrenz zweier Linien - und vieler
"führender Köpfe" - und als I d e a l und
B e r u f u n g s i n s t a n z, den Rest der Mannschaft hinter
sich zu versammeln. Seit sich aber das die Grünen einigende Band
des Erfolgs zu verflüchtigen beginnt, belebt sich die Konkurrenz
ganz ungemein und nimmt immer gehässigere Formen an.
Die Fundis konstatieren hämisch die Entmachtung des Turnschuhmi-
nisters durch den Wähler, der in einer rotgrünen Koalition keine
Perspektive erkennen kann. Woraufhin die Realos einen Zahn zule-
gen und eigenhändig die Entmachtung der Fundis betreiben. In An-
betracht der Stimmung im Land kündigen sie den bisher gültigen
Parteikonsens auf, daß für das Wohlergehen der Partei das Zusam-
menspiel der beiden "Strömungen" erforderlich sei, die beide ihr
Recht und ihren Platz in der Partei haben. Sie machen die Fundis
für alle Stimmeneinbußen der jüngsten Zeit haftbar - und zwar
ganz o h n e deren Taktik bei der Erörterung der Schuldfrage
noch groß zu würdigen. Da sich für den eigenen Kurs nicht länger
der Erfolg zitieren läßt und sie es leid sind, sich bei jeder
Diskussion den lästigen Mißerfolgsvorwurf anhören zu müssen, set-
zen sie sich dem anderen Flügel gegenüber umstandslos ins Recht.
Mit der Denunziation der prominente Vertreter der fundamentali-
stischen Richtung rücken sie die Debatte über den erfolgverspre-
chendsten Weg aus der Niederlage in den Hintergrund. Sie diskre-
ditieren die gegnerische Linie in den Personen, die sie vertreten
- und schauen, ob sich die Partei nicht auch o h n e Diskussion
über die Absichten und Methoden der Realo-Linie ganz von selbst
auf Kurs bringen läßt.
Ausgangspunkt der jüngsten Streitereien war der letzte Parteitag
der Grünen in Duisburg. Der war zwar einerseits sehr gut vorbe-
reitet. Die Organisatoren der Bundesversammlung hatten sich dar-
auf verständigt, alle strittigen Fragen - sowohl das Verhältnis
der Partei gegenüber SPD und CDU als auch die leidige Heinrich-
Böll-Stiftung - vorsorglich auszuklammern. Nur das Müttermanifest
und die Wahl des neuen Bundesvorstands standen auf der Tagesord-
nung. Soweit nicht schlecht geplant und der Öffentlichkeit
beinahe das Bild von einem Parteitag geboten, der Einheit, Füh-
rung und garantiert deutsche Inhalte und dringende nationale Be-
dürfnisse ausstrahlt.
Andererseits hätten die Regisseure des Parteitags den Eklat
durchaus absehen können, den sie mit ihrer Inszenierung heraufbe-
schworen haben. Wenn man schon das grüne Bedürfnis nach Führung
unterstreichen will, dann fordert man die Frage ja geradezu her-
aus, ob die Partei auch von den R i c h t i g e n geführt wird.
Noch dazu wenn der eigene Haufen aus lauter Typen besteht, die
ihre Differenzen nicht bereinigen sondern durch Wahlen entschei-
den wollen - und dann stinksauer werden, wenn sie verlieren.
Im Verein mit dem "Spiegel" haben die führenden Realos das Ergeb-
nis des Parteitags: Kein Realo im Vorstand - unmöglich! zum Anlaß
genommen, eine Pressekampagne gegen die Fundis zu entfachen. Mit
ihren Invektiven tun sie das Ihre, einen möglichen Aufwind der
fundamentalistischen Richtung schleunigst abzubremsen und sich in
der Partei die führende Position bei der Deutung und Behandlung
der schon vorher absehbaren Hamburger Stimmenverluste zu sichern.
Grund für ihre Ausfälle gegen die Dame Ditfurth ist der blanke
K o n k u r r e n z n e i d, der einem aus jeder Zeile entgegen-
springt. Natürlich so, wie sich das für den Neid gehört: hübsch
verpackt in H e u c h e l e i. Natürlich sagt keiner: Mir paßt
das Wahlergebnis nicht, ihr habt gefälligst unsere Leute zu wäh-
len! Sie sprechen dem feindlichen Lager das Recht ab, die Partei
zu vertreten - und verpacken ihren Ärger, in dem sie auf höhere
gemeinsame und die andere Seite verpflichtende Instanzen pochen:
auf wirklich demokratisch zustandegekommene und legitimierbare
W a h l v e r f a h r e n und auf den E r f o l g, den nur ein
Realo-Vorstand der Partei beschert.
Wahlergebnisse mit fundamentalistischer Mehrheit
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sind nicht koscher!
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Vor der M e h r h e i t verbeugt sich selbstverständlich auch
ein Schily. Bloß wird man ihm die Frage gestatten müssen, ob die
Mehrheitsverhältnisse auf dem Parteitag den Wählerwillen wider-
spiegeln. Und siehe da, das Problem einmal so gestellt und den
Wähler gründlich unter die Lupe genommen, schilyt ihm doch "mit
Sicherheit" entgegen, daß
"dieses Sprechergremium nicht repräsentativ für das Meinungsspek-
trum der Wählerinnen und Wähler" (Spiegel, 11.5.) ist.
So wird die Wahl für e i g e n t l i c h ungültig erklärt, ohne
daß man sich die Mühe zu machen bräuchte, sie anzufechten. Es
wird schon was hängenbleiben, wenn die Fundis zu
"Trittbrettfahrern" (Helmut Wiesenthal - "taz", 4.5.) des Erfolgs
der Realos erklärt werden. Ihre Glaubwürdigkeit kriegt auf alle
Fälle ein paar Kratzer ab, wenn ihnen von den eigenen Leuten das
Recht bestritten wird, sich weiter auf den Wähler als Berufungs-
instanz beziehen zu dürfen. Die Frage, wieso sie sich auf dem
Parteitag mehrheitlich rumtrieben, obwohl sie dort rechtmäßiger-
weise eigentlich nichts verloren haben, beantwortet Cohn-Bendit
selbstkritisch:
"Aber es gibt eben eine Realo-Verachtung für die Ämter in der
Partei - die wollen den Glanz der Parlamente, aber nicht diese
büroratische Parteidisziplin." (Spiegel, 11.5)
Bürokraten, mit Disziplin - na, tickt's allmählich? Gegen die Un-
terwanderung durch diese grauen Parteiwühlmäuse ist so ein sonni-
ges Gemüt natürlich völlig machtlos. Es kann, vom Glanz der 1.
Gewalt zehrend, nur noch mit letzter Kraft die Presse alarmieren.
Und die Wähler der Bundesversammlung ob ihrer Verfügbarkeit,
ihres pubertären Gefühlshaushalts und ihrer leichtgläubigen Ver-
antwortungslosigkeit beschimpfen:
"SPIEGEL: Immerhin wurden die drei Sprecher mit starker Mehrheit
gewählt.
SCHILY: Das ist nicht zu bestreiten. Die Grünen haben für ihren,
emotionalen Gefühlshaushalt ein Bedürfnis an Radikalität. Da sind
fundamentalistische Pose und stampfende Rhetorik mehr gefragt als
differenzierte Argumentation und Besonnenheit. So kommen biswei-
len Mehrheiten zustande." (11.5.)
Bisweilen sollen "die Grünen" aber auch vernünftige Mehrheiten
zustandebringen. Ganz ohne Verführung und Hetze. Und zwar immer
dann, wenn sie sich der Wahrheit nicht verschließen:
"Ihr wißt ja gar nicht, was ihr da gemacht habt!" (Eva Quistorp -
taz, 4.5.)
Wen dieser dunkle Deuter nicht in die Differenziertheit zurück-
rüttelt, den muß der von Waltraud Schoppe ausgestoßene Entset-
zensschrei:
"Die Wahl ist eine Katastrophe!"
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besonnen machen und zu denken geben. Ein Vorstand ohne Realos
kann und darf nicht hingenommen werden. Es sei denn, einem liegt
das Wohl der Partei und das Schicksal der Nation nicht am Herzen.
Denn hier handelt es sich nicht schlicht um eine Schlappe der Re-
alos. Unermeßlichen Schaden bereitet ein fundamentalistischer
Bundesvorstand
- der Partei und ihrem Innenleben:
"In der Ära Trampert/Ditfurth ist vielen Grünen und Nicht-Grünen
die Lust und der Mut zur Politik ausgetrieben worden." (Antje
Vollmer, taz, 30.4.)
- dem Ansehen der Partei, ihrer Glaubwürdigkeit und Wählbarkeit:
"Jo Müller hat Angst um die Kosten dieses Wahlsiegs der Linken
für die ganze Partei: 'Da können wir unheimlich Wählerstimmen
verlieren.'" (taz, 4.5.)
- und damit letztlich dem Geschick der Nation, das bei anderem
Wahlausgang anders hätte verlaufen können:
"'40 Jahre CDU' sieht der Ex-Minister nach dem Fundi-Durchmarsch
in Duisburg heraufziehen, 'das will mein Gehirn so nicht stehen
lassen'." (Spiegel, 11.5.)
Mit übler Nachrede für den Erfolg der Partei
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Der Grund des von Schily, Fischer, Cohn-Bendit und Co heraufbe-
schworenen Desasters liegt für sie auf der Hand. Er heißt Dit-
furth, ist ein Trampel und hat (nur eine linkssektiererische,
d.h.:) keine Perspektive. Also weg damit!
In ihrer Sorge um die Ausschöpfung a l l e r Möglichkeiten grü-
nen Machterwerbs sowie um die Verbesserung der eigenen Chancen
bei diesem Geschäft schreiten die Realos zur V o r s t a n d s-
k r i t i k. Anhänger des P e r s o n e n k u l t s sind sie
schon lange. Sie wissen, wie man eine Wahl für sich entscheidet:
Nur wer dem Wähler eine Person anzubieten hat, die die Qualitäten
eines Führers am glaubwürdigsten auf sich zu vereinigen und zu
präsentieren versteht, wird sein Vertrauen und seine Stimme
gewinnen. Deshalb ist ihnen die Ideologie des v e r a n t-
w o r t l i c h e n F ü h r e r s längst in Fleisch und Blut
übergegangen. Eitel, wie sie sind, hängen sie dem Dogma aller
Berufspolitiker an, die aus der Teilhabe an der Macht auf ihren
wertvollen Charakter schließen und umgekehrt die Macht als
Resultante aus ihren Fähigkeiten, Verdiensten und Leistungen zu
verkaufen pflegen.
Mit allen Vorurteilen über einen zum Führen berufenen Funktionär
bestens ausgerüstet, legen sie s i c h als Vorbild und Maßstab
der Angeklagten zugrunde. So steht Jutta Ditfurth als
n e g a t i v e s S p i e g e l b i l d eines demokratischen
Führers am Pranger. Weder was ihre Führungsqualitäten noch was
ihr Verantwortungsbewußtsein angeht, entspricht sie den Erwartun-
gen, die an eine Person in leitender Funktion gerichtet werden
müssen. Dabei kommen Urteile zustande, die mit Komplimenten zu
verwechseln wären, wüßte man nicht, daß Jutta Ditfurth so unop-
portunistisch gar nicht ist. Natürlich: Ganz ohne ist sie nicht.
Immerhin hat sie es verstanden, die Mehrheit der Stimmen auf sich
zu vereinigen. Also erst einmal: R e s p e k t!
"Jutta ist jetzt die Kaiserin!" (Fischer, Spiegel, 11.5.)
Das heißt umgekehrt natürlich um so mehr: A u f g e p a ß t!
Zwar k a n n sie auf der einen Seite überhaupt n i c h t
f ü h r e n. Ihr geht ja die wichtigste Voraussetzung ab: Ideen
hat sie keine, kreativ ist sie nicht. Allenfalls eine mittelmä-
ßige Bürokratin also, höchstens in untergeordneten Tätigkeitsbe-
reichen für die Partei einzusetzen:
"'Ihr großes Verdienst', so Cohn-Bendit, 'sie hat diese Partei
aufgebaut in Frankfurt und Hessen.' Aber er kann sich eine Nach-
bemerkung nicht verkneifen: 'Eine wahnsinnige, bürokratische Lei-
stung.'" (Spiegel, 11.5.).
Andererseits liegt gerade darin ihre Gefährlichkeit und Stärke.
F ü h r e n kann sie nämlich schon, aber o h n e jedes Gefühl
für V e r a n t w o r t u n g. Anstatt Leitung als D i e n s t
an der Gemeinschaft zu praktizieren, macht sie "knallharte Strö-
mungspolitik" (Schily), verfolgt also mit ihr eigennützige und
gänzlich verwerfliche Zwecke. Eine machtlüsterne "Radikal-
bolschewikin" (Cohn-Bendit) also, "dogmatisch" (Albert Sellner)
und immerzu aufs Spalten aus:
"Abgesehen von ihren verheerenden politischen Positionen, hat sie
zielstrebig Feindseligkeit und Fanatismus geschürt und der Partei
damit sehr geschadet." (Schily, Spiegel, 11.5.)
A b g e s e h e n von ihren absolut indiskutablen "politischen
Positionen" - die sind jedem "Spiegel"-Leser so vertraut, daß sie
mit e i n e m Wort erledigt sind: "verheerend!" - stellt sich
nur noch die Frage nach ihrer G e s i n n u n g und ihrem
G e i s t e s z u s t a n d. Der Fanatismus läßt auf einen Hang
zur G e w a l t schließen:
"Daß manche bei uns sagen, Gewalt, ob legal oder illegal, sei im-
mer dasselbe... Jutta Ditfurth und ihre Freunde, die sagen: Nein,
dieser Staat, das ist der böse monopolkapitalistische Staat, den
wir bekämpfen müssen." (Schily, Spiegel, 11.5.)
Und wenn sie unbeirrbar an ihrer Sekte festhält, obwohl sie damit
sich und die Partei zur Erfolglosigkeit verurteilt, dann scheint
sie offensichtlich nicht mehr richtig zu t i c k e n:
"Sie lebt in einer geschlossenen Welt ... paranoid." (Cohn-Ben-
dit, Spiegel, 11.5.)
Das also ist die neue "politische Kultur", die Schily bei den
Grünen schmerzlich vermißt. Ein wahrhaft "freundschaftliches An-
gebot zum Dialog" (Schily).
***
Vertragt Euch doch!
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Was macht denn das sonst für einen Eindruck! - schimpfen und jam-
mern die Parteimuttis Antje und Bärbel. Und schon haben sie eine
neue "dritte Strömung" geboren. Sie sorgen sich um die
W ä h l b a r k e i t der Partei unter dem ausschließlichen und
zeitgemäßen Kriterium der E i n h e i t l i c h k e i t. Daß
Gegensätze a u s g e t r a g e n werden, kommt für sie schon
deshalb nicht in die Tüte, weil ein G e g e n s a t z etwas
ist, was es eigentlich nicht gibt, weil es ihn nicht geben darf.
Streit kann der Wähler nämlich überhaupt nicht leiden. Deshalb
soll fortan so getan werden, a l s o b die Gegensätze nicht da
wären. Wenn alle in der Partei einmal s o t ä t e n und auf
die Muttis hörten, hätten sie ihnen eine große Freude gemacht:
"Wenn ich nur für einen Augenblick des Herrgotts Gewalt hätte,
würde ich sagen: Alle sollen zurücktreten, um Neuen Platz zu ma-
chen. Und dann wollen wir einmal sehen, was dann kommt." (Antje
Vollmer, Theologin - taz, 30.4.)
Aber natürlich wissen die so dreinschlagenden Muttis, daß es un-
artige Kinder g i b t, daß ihr "Vertragt euch!" ein I d e a l
ist und man Streit zwar v e r b i e t e n kann, es aber trotz-
dem pausenlos scheppert. Deshalb sind sie auch nicht allzu un-
glücklich, wenn n i c h t alle folgsam sind, für die dritte
Strömung "Platz machen" und in ihr aufgehen. Denn was wäre eine
"Strömungsstute" -
"Die Fixierung auf Strömungen ist eng verbunden mit einer Fixie-
rung auf Strömungshengste. Frauen bilden an den Spitzen der Flü-
gel die Ausnahme." (Bärbel Rust - taz, 15.5.) -
o h n e "Verkrustungen" und "Feindbilder": Da gäbe es ja für sie
gar nichts mehr "aufzubrechen" und "aufzulockern". An irgendetwas
muß sich schließlich auch eine Frau ein Profil zulegen dürfen.
***
Wenn Grüne "inhaltlich" werden
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- Wenn Wolf Schwarz gegen Jutta Ditfurth ins Feld führt:
"Einen nach vorne weisenden Beitrag, über den sich nachzudenken
gelohnt hätte, hat sie nicht geleistet. Sie betet nur ständig die
gleiche Litanei." (Spiegel, 11.5.)
- und Rainer Trampert das Wahlergebnis auf dem Parteitag als Ent-
scheidung "gegen das inhaltsleere Gesülze" (taz, 4.5.) anpreist
- und Jutta Ditfurth laut "Spiegel" die Fraktionssitzung mit dem
Kommentar verläßt:
"Du, das Gelalle da drin, das ist ja furchtbar." (11.5.),
dann legen sie Wert darauf, sich in ihrer wechselseitigen Gering-
schätzung zu überbieten. Alle sprechen sich von der Aufgabe los,
die Worte ihrer Parteigenossen überhaupt noch zur Kenntnis zu
nehmen. Kritik im Umgang miteinander scheidet aus. An ihre Stelle
tritt V e r a c h t u n g. Die Politiker der anderen Parteien
haben gelernt, daß man die im Interesse eines guten Eindrucks
nicht äußern darf. Oder wenigstens geschickt. Hier sind die Grü-
nen noch schwer alternativ.
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