Quelle: Archiv MG - BRD OPPOSITION GRUENE - Alternative - wovon und wozu
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DANIEL COHN-BENDIT, EIN MULTIKULTURELLER NARZISS
IM DIENSTE BANKFURTS
Was wäre, wenn er einen Wunsch frei hätte, verriet der ehemalige
rote und nunmehr grüne Dany dem Publikum via Spiegel:
"Es ist einer meiner Lieblingstagträume, Außenminister von Oskar
Lafontaine zu werden. Ich hab ja auch einen Grund dafür. Vor 20
Jahren wurde ich aus Frankreich ausgewiesen. Ich will einmal in
meinem Leben mit dem Flugzeug in Paris landen oder mit dem
Schnellzug im Bahnhof ankommen. Da liegt ein roter Teppich, und
die Garde republicaine muß die Marseillaise für mich, Marc Daniel
Cohn-Bendit, spielen. Das ist eine kleine private Rache, deswegen
sage ich es so." (Spiegel, 12/89)
Mit solch einem Hanswurst setzen sich die ehrenwerten Mitglieder
der Bourgeoisie gern mal an den Tisch einer Talk-show und bewei-
sen damit ihre Liberalität. Zwar würde kein Nadelstreifenpoliti-
ker die persönliche Genugtuung, die ihm die Beteiligung an der
Macht verschafft, so "privat" ausdrücken - solche Ehrlichkeit
fällt in die Narrenfreiheit des Clowns. Aber warum soll man nicht
goutieren, wenn der die Hosen herunterläßt? Man bekommt ja nichts
Obszönes zu sehen, sondern nur die hochanständige Gesinnung eines
Menschen, der liebend gern mit der deutschen Macht im Rücken im
Ausland aufkreuzen und als Person die Reverenz genießen würde,
die andere Nationen dieser Macht zollen müssen.
Der grüne Dany definiert sich, wie der weiland rote, durch das,
was er liebt und was er haßt. Früher liebte er die Revolution,
worunter er das kämpferische Geltendmachen spontaneistischer Au-
tonomieideale und den abstrakten Haß gegen jede Autorität ver-
stand. Wie seine Fernsehserie und das daraus verfertigte Buch mit
dem Titel "Wir haben sie so geliebt, die Revolution" beweist, ist
das für ihn heute eine längst bewältigte Vergangenheit. Heute
liebt er: Deutschland und die bundesdeutsche Demokratie, seine
jüdische Identität und nicht zuletzt Frankfurt. Deutschland liebt
er, weil er nichts so sehr haßt wie den Kommunismus und der bun-
desdeutsche ein antikommunistischer Staat ist:
"Ich glaube, man muß die Rechten im Antikommunismus links überho-
len und zeigen, daß wir die besseren Antikommunisten sind, weil
wir eigentlich die wahren Antitotalitären sind, daß der Ursprung
von Totalitarismus der autoritäre Charakter ist, sei es national-
sozialistischer Prägung, sei es bolschewistischer Prägung. Wenn
man das sagt und danach handelt, dann kann man auch die deutsche
Geschichte diskutieren und kann versuchen, aus dem mea culpa her-
auszukommen." ("Ich lebe da, wo ich verliebt bin. Rede über das
eigene Land", abgedr. in der "Zeit", 5. Dez. 1986)
Soweit Cohn-Bendits Beitrag zum "Historiker-Streit", in dem er
Noltes Masche, das schlechte nationale Gewissen über den deut-
schen Vorgängerstaat zur Pflege am Feindbild des heutigen
Deutschland produktiv zu machen, kongenial nachstrickt. Es ist
nur konsequent, wenn so ein Dany Leute nicht mehr ausstehen kann,
die gegen den bundesdeutschen demokratischen Rechtsstaat ihr In-
teresse geltend machen. Wenn auf einer Veranstaltung ein paar
versprengte AKW-Gegner auftreten und von einem Kampf gegen das
staatliche Atomprogramm reden, dann bricht Cohn-Bendit in ein re-
gelrechtes Wutgeschrei gegen sie aus, dem man zweierlei gerade
noch entnehmen kann: Erstens entdeckt er Barbarei nie in der
Machtvollkommenheit der Politik, mit Leben und Gesundheit ihrer
Untertanen frei umzuspringen, wohl aber in jedem Versuch von un-
ten, die staatliche Handlungsfreiheit im eigenen Interesse zu be-
schneiden; zweitens macht er seine antiautoritäre Vergangenheit
zum Argument dafür, daß e r eine Autorität ist und sein
"Fortschritt" zum grünen Realo eines doch wohl hinreichend be-
weist, nämlich die Vernunft der demokratischen Tugend, die
P o l i t i k machen zu lassen und sich an der Wahllotterie zur
Besetzung der Politiker p o s t e n zu beteiligen. Seine Wut,
die ihm bei jedem Plädoyer für Widerstand von unten sofort hoch-
kommt, verläßt ihn schlagartig, wenn er von oben angegriffen
wird. Als die CDU ihn jüngst im Frankfurter Kommunalwahlkampf als
fremdländischen Revoluzzer denunzierte, da führte er sich nicht
polemisch auf, sondern gab sich furchtbar betroffen: Er tat so,
als sei die Denunziation auf ihn a l s J u d e n gemünzt, sti-
lisierte sich also als das denkbar unschuldigste Opfer und beein-
druckte ein eigens zusammengerufenes Publikum mit einem zehnminü-
tigen öffentlichen Weinkrampf. Wie konnte man ihm d a s
a n t u n, wo er seine jüdische Identität folgendermaßen ver-
steht:
"Ich möchte mein Judentum wirklich so verstehen, daß ich den
Traum der Emanzipation der Juden, das heißt ihre gesellschaftli-
che Integration, teile..." (Ebd.)
Emanzipiation, d.h. Integration? Als ob d e r das nicht längst
geschafft hätte.
Und dann: Frankfurt am Main. Nichts schöner als Leben und Mitre-
gieren in einem Landstrich, der für die Bedürfnisse von produkti-
vem und Bankkapital sowie des Grundeigentums hergerichtet ist wie
sonst kaum ein Fleck in Europa: Denn der gibt einem grünen
"Vollblutpolitiker" (er über sich) jede Menge Gelegenheit, sich
als Instanz vorzustellen, für die es zu unser aller Besten noch
unendlich viel zu tun gibt. Dabei schlingt er um alle - die Ge-
schäftemacher, diejenigen, die wegen der Konzentration der Ge-
schäfte in Frankfurt mit ihrem Grundeigentum wuchern können, wie
die Masse der Statisten, die für alles geradezustehen haben - das
grüne Band der Sympathie:
"Die Frage ist, daß man diejenigen (Banker), die nicht borniert
sind, mobilisiert, um ihnen zu sagen: Ihr habt 'ne Chance, diesem
Image, wo 'ne Bank ist, wächst kein Gras mehr, zu widersprechen.
Bank und Gras, das paßt zusammen." (Spiegel 12/89)
Fertig ist die grüne Loyalitätserklärung an die Geldmenschen und
ihre kommunalpolitisch längst durchgesetzten Ansprüche an den
Bankenstandort Frankfurt. Fertig ist auch die rotgrüne Wende, mit
der Dany schon seit Jahren Krankfurt retten will: Etwas mehr Grün
um die Banken, und schon ist der Traum von der H e i m a t
F r a n k f u r t einen entscheidenden Schritt nähergerückt. Ge-
nau gesagt besteht dieser entscheidende Schritt noch nicht einmal
in Baum und Strauch, sondern in der Tatsache, daß Dany sich sein
nunmehr erfolgreiches Eintreten für die rotgrüne Koalition vom
neuen SPD-Bürgermeister Hauff mit einem ehrenamtlichen Magi-
stratsposten für "multikulturelle Angelegenheiten" hat honorieren
lassen. Sein Programm:
"Das heißt, die Lebensrealität der Menschen, ihre Lebenswünsche
und die Lebensmöglichkeiten müssen miteinander in Einklang ge-
bracht werden." (Spiegel 12/89)
Und zwar durch "Ansprechstellen für alle Nationalitäten", damit
die ihre Probleme aufsagen und austauschen können, denn:
"Menschen müssen irgendwie zusammengebracht werden." (Spiegel)
Von allein schaffen sie das nämlich nicht, das menschliche Ver-
stehstmich, das für den alten Sponti das höchste der Gefühle und
die wahre Heimat ausmacht. Da müssen schon ein paar amtlich orga-
nisierte spontane Straßenfeste her, mit typischen Essen und
deutsch-griechisch-türkischem Musizieren. Und vor allem muß ein
multikultureller Stadtrat her, der sich mit Haut und Haaren zum
Symbol des internationalen Artenschutzes stylt. Irgendwie.
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