Quelle: Archiv MG - BRD OPPOSITION FRIEDENSBEWEGUNG - Von Waffen und Moral


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       Münchner Hochschulzeitung, 14.12.1983
       Sonderausgabe Sozialwesen
       

WAS TUN?

In Sachen Frieden Nicht mehr sagen: Wir sind für den Frieden. Denn Frieden ist das höchste Gut! Sondern: Wir sind gegen den Frieden westlicher Politik. Sie diktiert ihn aller Welt unter dem Titel "Frieden, aber nur in Freiheit". Mit dieser Bedingung gibt sie ihren Weltkriegsgrund bekannt: wer sich der Benutzung durch die westliche Freiheit entzieht, wird als Ge- fährdung des Friedens mit Krieg überzogen. Siehe Grenada, Nicara- gua, Libanon. Und jeder weiß, gegen wen es im Letzten geht: gegen die Sowjetunion. In Sachen Nachrüstung Nicht mehr sagen: Unser Protest gegen Pershing ist glaubwürdig, weil wir die SS 20 nicht vergessen. Sondern: Die Nachrüstung dient dem Weltkriegsprogramm der Westens. D a f ü r sind von oben die SS 20 zum Ärgernis erklärt worden. Wer gegen die Kritik der Nachrüstungsraketen "SS 20!" brüllt, verlangt, daß sich jedermann der Feindschaftserklärung seines Staates anschließt und die Kritik an seinen Kriegsmitteln deswe- gen unterläßt! In Sachen innerer Frieden Nicht mehr sagen: Wir sind für Frieden nach außen. Dafür eben wir im Innern durch unsere Friedfertigkeit ein Beispiel. Sondern: Den Krieg befehlen immer noch Kohl, Wörner & Co. Der innere Frie- den am Arbeitsplatz, in den geistigen Schulen der Nation ist das Mittel für die Kriegsvorbereitung der Nation. Deshalb wird er auch immer von den Kriegsherren befohlen. In Sachen Friedenswillen des Volkes Nicht mehr sagen: Das gute Volk will lieber seinen täglichen Frieden als die Rake- ten der Rüstungspolitiker. Die Nachrüstung ist daher nicht legi- tim. Sondern: Der innere Frieden, der dem Volk täglich abverlangt wird, ist al- les andere als ein Zuckerschlecken. Viel Arbeit für wenig Geld. Damit Kapital und Staat ihr Wirtschaftswunder haben. Auch für die Anschaffung von Raketen. Warum soll man lieber für "soziale Dienste" statt Raketen sein, wenn sie bloß dazu taugen, den Aus- schuß an Armut und Elend in die Ecke zu kehren, der bei dieser Sorte Wirtschaft und innerem Frieden anfällt? Soll man der Poli- tik bestreiten, daß ihre Schädigung der Leute n i c h t i m N a m e n dieser Leute geschieht (= nicht legitim)? Oder ist es nicht vielmehr richtig, dieser Politik die Freiheit zu bestrei- ten, durch ihre Indienstnahme des Volkes die Allermeisten zu Op- fern zu machen? Sicher, das wäre Klassenkampf. Na und? Wenn man schon als Frie- densbewegter mit bloß "symbolischem" Protest von Zimmermann wie ein Kommunist behandelt wird, dann kann man auch gleich einer werden. zurück