Quelle: Archiv MG - BRD OPPOSITION FRIEDENSBEWEGUNG - Von Waffen und Moral
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Bremer Hochschulzeitung Nr. 73, 02.05.1983
PROJEKT "FRIEDEN, PEACE, PAIX"
Sehr geehrter Herr Watson,
Sie legten Wert darauf und erlaubten ausdrücklich, daß wir Sie
mit folgendem Bekenntnis zitieren:
"Wenn die BRD und ich innerhalb von zwei Sekunden vernichtet
sind, dann trete ich doch für den Bestand der BRD ein."
Daß Sie unter Umständen mit Ihrem Staat baden gehen dürfen, er-
füllt Sie gar nicht mit Skepsis ihm gegenüber, der Ihnen diese
Schicksalsgemeinschaft überhaupt erst auf den Hals geladen hat?
Glauben Sie, die SS20 sind auf die BRD unter besonderer Berück-
sichtigung Ihrer werten Persönlichkeit gerichtet, weil Sie offen-
bar davon ausgehen, der Bestand dieses Staates und ihr eigener
Bestand wären dasselbe? Ist es nicht vielmehr so, daß Sie vor
Kimme und Korn herumspazieren, weil Sie das ebenso zweifelhafte
wie lebensgefährliche Vergnügen genießen, Bürger eines Landes zu
sein, das das vorgeschobene Waffenarsenal für die ehrgeizigen
Pläne ist, die letzten Seiten des Kommunismus mitzuverfassen? Ein
Blick auf die Motive der alliierten Gründerväter Ihres geschätz-
ten Vaterlandes könnte Sie hier eines Besseren belehren.
Und dann wollen Sie sich den Bestand dieses Staates getrennt von
seinen feinen Zielen vorstellen und sich für dieses Hirngespinst
auch noch einsetzen.
Sind Sie eigentlich sicher, daß Die da oben diesen kleinen feinen
persönlichen Vorbehalt Ihres alternativen Patriotismus bemerken?
Die sind übrigens nicht so bescheiden wie Sie: bloß Weiterbeste-
hen langt denen nicht, die möchten's nur in Frieden und
F r e i h e i t auf der ganzen Welt tun. Die Bitte, am Leben
bleiben zu dürfen, ist doch kein Auftakt zum Protest, sondern zu
Dankbarkeit und Bescheidenheit. Hätte Ihnen bei Ihrem letzten
Ostermarsch nicht auffallen müssen, daß Sie um ein Haar Ihrem
ehemaligen Verteidigungsminister begegnet wären?
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