Quelle: Archiv MG - BRD OPPOSITION FRIEDENSBEWEGUNG - Von Waffen und Moral


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       Zum Kongreß  "Naturwissenschaftler warnen vor chemischen und bio-
       logischen Waffen"
       

WIE DIE WARNER VOM DIENST SICH ZUR NATO HINARBEITEN

Jetzt warnen sie wieder - die "Naturwissenschaftler in Verantwor- tung für den Frieden". Unverdrossen werfen sie ihr Prestige als renommierter B e r u f s s t a n d "für den Frieden" in die Waagschale - so seriösen und um die Gesellschaft v e r d i e n- t e n Leuten, meinen sie anscheinend, kann man doch ihr "ver- antwortungsvolles" Anliegen in Sachen "Nachrüstung" usw. nicht verweigern. Natürlich kann man doch - vor allem, wenn man dem noch renommier- teren Berufsstand der P o l i t i k e r angehört und s e i n e "Verantwortung" (= Zuständigkeit von Amts wegen!) von niemandem bestritten sieht. Am wenigsten von den "kritischen Naturwissen- schaftlern" - Die w o l l e n nämlich aus der Auskunft, die Parlamentsbeschlüsse für Pershing II und Cruise missiles, für Tornados und Leos und noch viel mehr "konventionelles" Tötungsge- rät samt Bedienungspersonal erteilen, nichts lernen. Die Auskunft heißt: "Frieden in Freiheit" made in Germany ist ohne totale Auf- rüstung nicht zu haben; und ist doch wohl Grund genug, der deut- schen Weltpolitik der 80er Jahre ohne jedes Wenn und Aber die Gegnerschaft anzusagen. "Naturwissenschaftler für den Frieden" denken da nicht so destruktiv und unfriedfertig, sondern laden sich lieber als "Referenten der AG 5: Militärische Einschätzung von chemischen und biologischen Waffen" den Herrn Markus Berger ein, ausgewiesen als "MdB, Mitglied des Verteidigungsausschusses, Vorsitzender des Bundesfachausschusses Sicherheitspolitik der CDU" - schwerlich, um den Mann auszupfeifen. Schon eher, um ihn als Mit-Fachmann in puncto "Verteidigung" un- serer so überaus liebenswerten BRD zu empfangen, sodann "verschiedene Wege" zum gleichen Ziel "Friedenspolitik" zu kon- statieren und sich schließlich die m o r a l i s c h e Ü b e r l e g e n h e i t der eigenen "Vorschläge zum Abbau che- mischer und biologischer Waffen" gegenüber der CDU zu versichern. Denn dies und sonst nichts ist der Grund für die Auswahl des diesmaligen Kongreßthemas; wie sonst käme man auf das feinsinnige S o r t i e r e n d e s K r i e g s g e r ä t s in moralisch schlecht beleumundete "schmutzige Waffen" und - ja, welche denn? Saubere?? Das Sortieren jedenfalles hat es den "verantwor- tungsvollen" Naturwissenschaftlern angetan, auch beim Personal des Krieges: beim Einsatz von B- und C- Waffen "wäre die Zivilbevölkerung um ein vielfaches stärker betroffen als die Sol- daten". Und da stünde ja die ordentliche Kriegskunst sozusagen auf dem Kopf, nicht wahr? Soldaten, na, die sind ja fürs Krieg- führen da, aber mehr Zivilisten "betroffen" als Soldaten - das ist wohl eine neue Sorte 'Perversion des Denkens', oder wie?! Ganz schön abgebrüht, heutige Friedensmenschen. Darüber hinaus haben sie noch drei Einwände - nicht gegen das NATO-Kriegspro- gramm, sondern - gegen eine spezielle Waffengattung anzumelden. Und die sind dementsprechend. Chemische und biologische Waffen -------------------------------- 1. Mißbrauch der Wissenschaft ----------------------------- "Deutschland hat 1915 den chemischen Krieg begonnen. An der Ent- wicklung von Nervenkampfstoffen waren deutsche Wissenschaftler maßgeblich beteiligt. Wir müssen uns heute als Wissenschaftler dafür einsetzen, daß" (denjenigen, die ungestört Kriegsvorberei- tungen treffen, das Handwerk gelegt wird? Nein - "als Wissen- schaftler" hat man andere Sorgen:)" ein neuerlicher Mißbrauch der Wissenschaft verhindert wird." Daß die harte Wahrheit "deutscher Friedens- und Freiheitspolitik" die erfolgreiche Vorbereitung eines diesmal siegreichen Welt- kriegs gegen die Feinde der Freiheit im Osten ist, davon haben offensichtlich auch die Initiatoren des Kongresses einen Schim- mer. Doch was fällt ihnen dagegen ein! Der moralisch einwandfreie Ruf ihres Berufsstandes könnte in Mißkredit geraten, wenn sich die Politik der gediegenen Resultate ihrer Forschungen im Krieg bedient. Eine saubere Bedenklichkeit! Daß die Führer der Nation, wenn man sie läßt, frei über ihr Men- schen- und sonstiges Material nach Maßgabe ihrer weltpolitischen Absichten verfügen - dagegen wollen die Herren Naturwirte nicht hetzen. Aber wenn schon die zuständigen Herren mit Krieg kalku- lieren, will ein westdeutscher Untertan mit dem Dienstgrad Wis- senschaftler doch vorab seine Integrität beteuert haben. Vor wem eigentlich?! Und daß die Berufung ausgerechnet auf das D e u t s c h t u m von Wissenschaftlern ein Mittel gegen das nationale Rüstungspro- gramm sein soll, das glaubt ihr doch selber nicht! Gerade g u t e d e u t s c h e S t a a t s b ü r g e r mit dem Beruf Naturwissenschaftler und Ingenieur haben doch 1915, 1939 und seit der Wiederbewaffnung der BRD 1954 ihre politischen Auftraggeber zu deren vollen Zufriedenheit bedient, so daß diese idyllische Republik ausreichend über exquisites Vernichtungsmaterial ver- fügt. Der Einsatz chemischer und biologischer Waffen, die ja auch mal von "kompetenter" Seite erfunden worden sein müssen, soll mo- ralisch bedenklicher stimmen als der von Fregatten, Tornados, Leos usw.? Wer gegen eine Großmacht BRD nichts einwenden will - und die ist eben nur mit einer perfekten Ausrüstung an Gewaltmit- teln zu haben, - der soll sich doch auch seine paar Skrupel gegen bestimmte Vernichtungsmittel gleich sparen! 2. Untaugliche Mittel für den Endsieg ------------------------------------- "Der massive Einsatz von Giftwaffen konnte den Kriegsverlauf (des 1. Weltkriegs) aber nicht beeinflussen, sondern forderte nur (!) hohe Opfer auf allen Seiten... Ihr (der chemischen Waffen) Wert als Repressalie ist weiterhin dadurch eingeschränkt, daß vorbe- reitete Truppen relativ gut zu schützen sind... Machen wir uns klar, daß man militärisch kein allzu großes Risiko eingeht, wenn man die chemischen Waffen aus Mitteleuropa abzieht, gleichzeitig aber Schutzmaßnahmen (!) aufrechterhält." B l o ß moralische Bedenken gegen den kriegerischen Gebrauch be- stimmter Resultate westlichen Forscherfleißes scheint den Verant- wortungsethikern in Sachen Waffenausstattung der Republik zuwe- nig. Sie werden "realistisch" und wie! Sie beteiligen sich schließlich an der Debatte unter dem vaterlandstreuen Titel Ver- teidigung unseres geliebten Gemeinwesens. Und dabei empfiehlt es sich offensichtlich, mit "Argumenten" mitzumischen, deren Maßstab der S i e g im Krieg gegen den westdeutschen Lieblingsfeind ist! Tabun, Loste, Phosgene, Arsenverbindungen und was sonst noch der nationale Erfindergeist für die Chemie- und Biofront ausgetüftelt hat ziemlich ineffektive Mittel für die schnelle Feindvernich- tung? Die - selbstverständlich einkalkulierten - Opfer unter dem eigenen Menschenmaterial zu hoch im Verhältnis zu der damit her- stellbaren Zahl der Opfer auf der Feindseite? Der Feind kann seine Leute sogar durch Gasmasken und Schutzanzüge zwei Stunden lang vor der Wirkung von Nervenkampfstoffen schützen? Mit dem Giftzeug kann der Endsieg sowieso nicht bewerkstelligt werden? Und deswegen könnten die NATO-Truppen beruhigt auf Chemie- und Biowaffen verzichten? Egal, ob die fachmännischen Einwände gegen einen g a r a n t i e r t e n K r i e g s e r f o l g zutref- fen oder nicht - viel bemerkenswerter ist, daß heutige Friedens- freunde es jederzeit zu einem sauberen Plädoyer für ein Optimum an westlichem Kriegsmaterial bringen! 3. "Sind wir ein besetztes Land?" - oder: ----------------------------------------- für garantiert deutsche Wehrkraft --------------------------------- "Als einzige Nation der westlichen Welt läßt sie (die BRD) es zu, daß eine fremde Nation Giftwaffen auf ihrem Territorium lagert... Über den Einsatz bestimmt einzig das US-Oberkommando ohne irgend- eine Einflußmöglichkeit der Bundesregierung... Die Bundesregie- rung hat die Möglichkeit, die Stationierung chemischer Waffen zu verhindern, ohne eine Einbuße an 'Sicherheit' und ohne die Mit- gliedschaft in der NATO zur Debatte zu stellen." Das ist also der Gipfel friedensbewegter "Verantwortung" im Herbst 1984: ein N a t i o n a l i s m u s, der sich einbildet, den des Helmut Kohl ü b e r t r u m p f e n zu können! Daß auf d e u t s c h e m Boden tatsächlich A m i-Giftlager stationiert sind, halten oppositionelle Untertanen des westlichen Fronststaa- tes für eine nicht länger hinnehmbare Knechtung deutscher Inter- essen. Sogar die Anpassung an den e r f o l g r e i c h e n Nationa- lismus der maßgeblichen Deutschen, die wissen, daß für die Welt- macht Deutschland das wuchtigste Kriegsbündnis aller Zeiten genau die richtige Geschäftgsgrundlage ist, kriegen die Friedensdeut- schen noch hin, daß sie die Nutzung der NATO für BRD-Interessen befürworten. Es fehlt bloß noch, daß der deutsche Kanzler überall am Drücker sitzt. Dies der Wunsch eines Kongresses "verantwortlicher Naturwissenschaftler" ein Jahr nach der Pers- hing-Stationierung. zurück