Quelle: Archiv MG - BRD OPPOSITION FRIEDENSBEWEGUNG - Von Waffen und Moral
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Marxistische Gruppe München, Oktober 1981
10 WAHRHEITEN ÜBER DIE SCHRECKEN DES FRIEDENS
1.
Es heißt, die weltpolitische Lage werde immer schwieriger, das
Rüstungskarusell drehe sich und der Frieden sei mehr denn je be-
droht.
- In Wirklichkeit vollendet der Westen die friedliche Erpressung
des Ostens; setzt die NATO den Russen eine gewaltige Waffe nach
der anderen vor die Tür und droht dem Ostblock mit Krieg, wenn er
nicht freiwillig jede Position räumt, die den Westen gerade wie-
der stört. Dies ist ein Programm, das auf Kapitulation zielt.
2.
Es heißt, an der angespannten Weltlage seien die Russen schuld.
- In Wirklichkeit suchen sie sich mit den üblichen Mitteln der
Weltpolitik zu behaupten: Ihre militärische Gewalt haben sie in
Afghanistan eingesetzt, um die Abschreckung in dieser Gegend
nicht dem Westen allein zu überlassen. Und auch die SS 20 stellen
sie auf, um durch die Bedrohung Europas den Frieden zu sichern.
Für den Westen ist dies untragbar. Für seine imperialistischen
Ziele ist es schon eine ungeheure Provokation, daß es den Ost-
block überhaupt gibt.
3.
Es heißt, in Polen suche ein Volk einen neuen Weg in die Frei-
heit.
- In Wirklichkeit haben die Polen weder ein Programm zur Verbes-
serung ihrer materiellen Lage, noch eine politische Alternative
im Sinn - und finden immer nur ihren Papst und ihren Nationalis-
mus gegen die Sowjetunion. Polen ist so für die NATO, der der
Maßstab das Wohlergehens des polnischen Volkes mindestens ebenso
fremd ist wie einem russischen General, ein bleibender Erfolg in
Sachen Destabilisierung der Ostblocks und ein bleibender Kriegs-
grund, der sich ausreizen läßt.
4.
Es heißt, die Amerikaner verhandeln mit den Russen, und dies sei
ein Erfolg der Politik der Bundesregierung.
- In Wirklichkeit haben es diese Verhandlungen in sich. Sie dre-
hen sich nur um ein Nachgeben der Russen auf der ganzen Linie.
Wenn die Russen dazu bereit sind, wird mit ihnen darüber auch
noch verhandelt. Das ist der Erfolg, dessen sich Schmidt und Gen-
scher rühmen.
5.
Es heißt, die Amerikaner würden selbstherrlich und rücksichtslos
mit dem nationalen Interesse der Deutschen umgehen.
- In Wirklichkeit berücksichtigen sie nur eines nicht: Den Wunsch
deutscher Politiker danach, die bedingungslose NATO-Treue zuhause
als eigenständige, nationale Friedenspolitik verkaufen zu können.
6.
Es heißt: "Von deutschem Boden darf nie wieder ein Krieg ausge-
hen!"
- In Wirklichkeit gehen Kriege überhaupt von keinem Boden nicht
aus. Dessen eingedenk erfinden die Deutschen treu mit Blut und
Boden alle ihre Bündnispflichten: rüsten auf, entwöhnen das Volk
mit Opfern und gewöhnen es an die Vorkriegszeit, damit der ao ge-
rüstete gemeinsame Wehrwille den Kriegsschauplatz Deutschland
möglichst weit nach Osten legt, wenn es gen' Ost geht. Was soll
also die blöde Parole - zumal Carstens schon den Wunsch geäußert
hat, einmal q u e r durch g a n z Deutschland wandern zu mö-
gen.
7.
Es heißt, die BRD betreibe eine konsequente Friedenspolitik und
halte an Völkerverständigung ohne Gewaltanwendung fest.
- In Wirklichkeit hätte die BRD ohne die ständige Androhung von
Gewalt in der Welt nichts zu melden. Mit d e n Interessen, die
die BRD inzwischen in aber Welt hat, garantiert ihre Politik den
Frieden genau so lange, wie die anderen sich das gefallen lassen.
Es gehört also zu einer anständigen Friedenspolitik, daß sie von
einer Position der Stärke aus gemacht wird, also nie Frieden um
jeden Preis will.
8.
Es heißt Frieden sei ein hohes Gut.
- In Wirklichkeit stellt die Bundesregierung klar, daß, Freiheit
das höchste Gut ist, und dieses Gut ist auch das einzige, das man
mit Gewalt verschenkt. Nämlich dorthin, wo Unfreiheit herrscht,
und das ist drüben ja der Fall. Das liegt daran, daß der Osten
dem Westen Steine in seinen imperialistischen Weg legt. Dieses
Hindernis der Freiheit wegzuräumen, ist der Bundesregierung schon
ihr halbes Volk wert.
9.
Es heißt, die Bundeswehr verteidigt alles, sogar die demokrati-
schen Grundrechte, ja sogar das Recht der Friedensbewegung, sich
zu äußern und demonstrieren zu gehen.
- In Wirklichkeit verteidigt die Bundeswehr die kollektive
Pflicht, anzugreifen, wenn der Osten nicht einfach so kapitu-
liert. Das sieht man auch daran, daß man es in Bonn am liebsten
sähe, wenn gar nicht oder für die Aufrüstungspolitik der BRD de-
monstriert würde. Schon vor dem Ernstfall stehen die Grundrechte,
die die Bundeswehr angeblich schützt, zur Disposition. Wenn er
eintritt, wird ohnehin nur noch zurückgeschossen.
10.
Es heißt, das deutsche Volk hätte an seinem Vaterland etwas zu
verteidigen.
- In Wirklichkeit verteidigt sich das Vaterland mit den Leichen
des Volkes.
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