Quelle: Archiv MG - BRD OPPOSITION FRIEDENSBEWEGUNG - Von Waffen und Moral
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Bonner Hochschulzeitung Nr. 7, 12.11.1980
LINKE SCHÜTZENHILFE FÜR DIE BUNDESWEHR
Am Samstag, den 8.11., hat es sich wieder einmal gezeigt, wozu
die hiesige Friedenskampagne taugt: zur Werbung für die SPD und
damit für die Bundesregierung, die es derzeit für opportun hält,
ihren Bürgern klarzumachen, daß Kriegführen ein Mittel demokrati-
scher Politik ist, auf das sie nichts kommen lassen will. Die Ju-
sos als tonangebender Veranstalter der Demonstration "Gemeinsam
für weltweites Abrüsten" haben es geschafft, den bundesweiten öf-
fentlichen Rekrutengelöbnissen jegliche Anstößigkeit zu nehmen,
indem sie sie um die öffentliche Zurschaustellung der Friedens-
liebe der SPD ergänzten. Mit Warnungen vor einem Aufkommen des
Militarismus agitierten sie für das Bekenntnis zur Notwendigkeit
der bundesdeutschen Wehrmacht.
1.
"Wir warnen vor denjenigen, die die BRD weltweit in Kriegsaben-
teuer hineinziehen wollen... Abenteuerlich und lebensgefährlich
ist das Ansinnen von Unionspolitikern, sich militärisch in Kon-
flikte in anderen Teilen der Welt hineinzumischen."
Kriege, die sein müssen, müssen natürlich sein, doch besteht die
Gefahr, daß die Opposition Kriege um ihrer selbst willen anzet-
teln will. Eine schöne Tour, für mehr Vertrauen in den demokrati-
schen Militarismus des Kanzlers zu werben!
"Grundlage unserer Außenpolitik ist das Interesse am Frieden,
ist, daß wir unsere eigenen, unsere europäischen Interessen wahr-
nehmen."
Wo klar ist, daß "unsere europäischen Interessen" sich so ziem-
lich überall in Form von Erdöl, Rohstoffen, Handelsbeziehungen
und Einflußsphären befinden, und der Osten "uns" schon immer ein
Dorn im Auge ist, jetzt sich auch wieder widerspenstig gegenüber
seiner ökonomischen Benutzung durch den Westen gebärdet, kann man
nicht genug betonen, daß der Z w e c k der Außenpolitik der
Friede ist, weshalb es nur am Gegner liegen kann, daß jede außen-
politische Maßnahme Kriegsgründe in die Welt setzt.
2.
"Angesichts der Not vieler Völker in Afrika, Asien und Lateiname-
rika, angesichts der Tatsache, daß es auch in der BRD noch unge-
löste soziale Probleme gibt, ist es unverantwortlich, wenn Jahr
für Jahr Hunderte von Milliarden DM in aller Welt für Rüstung
ausgegeben wird."
Es gibt also keinen Grund, sich darüber aufzuregen, daß der Impe-
rialismus in den Ländern der "Dritten Welt" Zustände schafft, in
denen die Bevölkerung reihenweise verreckt und in den
"entwickelten Industrieländern" die Regierungen ihre Bürger ver-
stärkt zur Kasse bitten, um die Ausgaben, die sie für ihre Zwecke
tätigen wollen, zu decken; denn die SPD will ja Abrüstung, nur
m u ß sie leider aufrüsten, weil der Osten nicht freiwillig
seine Waffen verschrottet und seine Unterlegenheit herstellt.
3.
"Die Form der öffentlichen Vereidigung mit Grossem Zapfenstreich,
pseudo-religiösem Gehabe und Fahnen- und Flaggensymbolik gehört
zu den überholten Traditionen der Bundeswehr. Eine pompöse und
anonyme Kollektivzurschaustellung' (Wolf Graf Baudissin) solcher
fragwürdigen Traditionen dient weder dem Verteidigungsauftrag der
Bundeswehr, noch der Sicherung des Friedens."
Die einzig akzeptable Kritik an der Offensive der Bundesregie-
rung, die Bürger für ein Zur-Wehrmacht-Stehen zu agitieren, ist
die, sich geschmäcklerisch davon zu distanzieren: Ob das gut bei
der Bevölkerung und im Ausland ankommt?
(Alle Zitate aus dem Aufruf der Jusos zur Zentralen Demonstration
am 8. November in Bonn)
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