Quelle: Archiv MG - BRD OPPOSITION FRIEDENSBEWEGUNG - Von Waffen und Moral


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       Münchner Hochschulzeitung, 16.11.1983
       

STICHWORTE ZUM FRIEDEN

Frieden ------- Der Zustand, in dem - Millionen arbeitslos werden, - die anderen Millionen ihre Gesundheit für ein nationales Wirt- schaftswachstum ruinieren, von dem sie nichts haben, und - diese Ausbeutung als Streß und Überlastung des sozialen Netzes diskutiert wird, - Kapitalisten unter Anleitung ihrer politischen Anwälte weltweit ihren Reichtum und anderer Leute Armut mehren, - "unsere Interessen" ganz fraglos überall in der Welt zur Ver- teidigung anstehen, - die Völker in nützliche Arbeitskräfte und unbrauchbare Hunger- leider auseinandersortiert werden, - sie sich dafür immer mal wieder die Köpfe einschlagen dürfen und - dieser schöne Weltmarkt als Entwicklungsproblem, als Nord-Süd- Konflikt und als Welthungerhilfe besprochen wird (10 Mark für eine Hacke, für 20 Mark ein Negerkind ...!); - seit 35 Jahren in Ost und West das gewaltigste Militärpotential der Geschichte aufgebaut wird, - das Militär seine Schlagkraft nur in Trainingslagern und bei Auswärtsspielen erproben darf - also Korea, Naher Osten, Vietnam ... nur als Gefährdung des Weltfriedens zählen und - dieser Siegeszug von Geschäft und Gewalt als Gleichgewicht, er- folgreiche Sicherheitspolitik und Entspannung gefeiert wird. Die Vorzüge des Friedens liegen also auf der Hand: Verglichen mit dem ganz großen Krach ist Frieden das höchste Gut. Dieses hohe Gut nehmen sich die Mächtigen der Welt so sehr zu Herzen, daß sie um seinetwillen vor nichts zurückschrecken. Um den Nutzen des Friedens zu retten, bereiten sie sogar die nötigen Kriege vor, und die fälligen Kriege führen sie, damit hinterher wieder Frieden einkehrt. Die gewöhnlichen Leute lernen im Krieg den Frieden wünschen und im Frieden den Krieg fürchten. Solche Probleme kennen die Verantwortlichen für Geschäft und Gewalt nicht. Ihr Problem ist viel größer: sie müssen in beiden Fällen s i e g e n. Abschreckung ------------ Ein furchtbares Programm. Erstens: Man setzt ökonomische und politische Erpressungen gegen den Gegner ins Werk und rechnet damit, daß der sich nicht alles gefallen läßt. Zweitens: Man sorgt dafür, daß es ihm überhaupt nichts nützt, wenn er sich mit Gewalt gegen seine Schädigung zur Wehr setzt. Die eigene Militärmaschinerie muß so gewaltig sein daß sie dem Feind seinen Untergang in Aussicht stellt. Drittens: Man tut alles dafür, daß ein Krieg sich nur für die ei- gene Seite, für die aber auch wirklich lohnen kann. Viertens: Insofern l o h n t sich jeder Aufwand für die Aufrü- stung - und diese Rechnung ist durch den Vergleich zwischen Rake- ten und Bombern einerseits, Schulen und Krankenhäusern auf der anderen Seite nicht im geringsten zu erschüttern. Fünftens: Von einem Rezept zur Verhinderung des Krieges kann also nicht die Rede sein. Abschreckung war eben nie und ist nichts an- deres als die Bereitstellung aller Mittel, um den Krieg nach ei- genem Ermessen jederzeit für f ä l l i g erklären zu können. Oder ganz einfach - Abschreckung ist Kriegsbereitschaft. Sechstens: Ex-Kriegeminister Apel sagte dasselbe, nur anders- herum: Nur Kriegsbereitschaft ist Abschreckung. Und daran fällt euch nichts auf? Verteidigung ------------ Eine zwar klare, aber schwer zu definierende Angelegenheit. Je mehr ein Staat kann und gilt in der Welt, um so mehr hat er zu verteidigen. Nicht Schwäche, nicht Verluste, nicht Nöte, nicht Aggressionen von außen sind g u t e G r ü n d e für Verteidi- gungsanstrengungen, sondern der nationale Einfluß auf, der Nutzen von, die Macht über die Welt. Ein Staat, dessen Interessen über- all auf der Welt Geltung besitzen, hat daher eine ebenso große wie gerechte Aufgabe zu erfüllen: Nie mehr führt er einen An- griffskrieg dafür hat er sich immer und überall zu verteidigen. zurück