Quelle: Archiv MG - BRD OPPOSITION FRIEDENSBEWEGUNG - Von Waffen und Moral
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Bremer Hochschulzeitung Nr. 71, 12.04.1983
DER OSTERMARSCH '83
war in zweierlei Hinsicht bemerkenswert. In dem Maße, wie sich
die Veranstalter um die demonstrative Harmlosigkeit ihres Spa-
ziergangs mühten, wurde ihnen von regierungsamtlicher Seite das
Urteil "Partisanen der Kremlführung" und "fünfte Kolonne" zuge-
stellt.
Die Parolen vom "Frieden", den man sich wünscht, und einer
"atomwaffenfreien Gemeinde xy" verstehen sich durchweg als Ap-
pelle an die Personagen, die mit ihrer Friedens- und Aufrüstungs-
politik die Weltlage verschärft und den Friedenswunsch allererst
angestachelt haben. Da ist nicht der Wille am Werk, der westli-
chen Aufrüstungspolitik auch die imperialistischen Zwecke von BRD
und NATO zu entnehmen, die sich mit der Existenz eines roten
Osten nicht vertragen wollen. Eher schon das Bemühen, die bede-
monstrierten Politiker moralisch in die eigenen Reihen einzuge-
meinden oder umgekehrt. Wie sonst soll man einen Gollwitzer ver-
stehen, der vor applaudierenden Ostermarschierern die
"Bundesregierung vor einem Landesverrat warnen" möchte - als sei
nichts selbstverständlicher, als das Bild einer menschenfreundli-
chen Nation und ihre vorgestellten friedfertigen Interessen ihren
praktischen Sachwaltern als ihren eigentlichen Auftrag in Erinne-
rung zu rufen, statt sich ihrer Zumutungen zu erwehren. So viel
Zutraulichkeit in die nationalen Führerfiguren ist auch in der
Form um ein Bild harmonischen Miteinanders bemüht, das die Öf-
fentlichkeit eher genüßlich als anerkennend kolportiert:
"Ein Demonstrantendackel schnüffelt in Richtung Polizeischnauzer;
ein kleines Mädchen streichelt ein Behördenroß" ein Jung-
wachtmeister trifft einen Bekannten unter den Blockierern.
Grüppchen aus Uniform Grün und Bunt stehen zusammen und diskutie-
ren über Krieg und Frieden." (Die Zeit)
Kein Wunder also, daß sich in den vordersten Reihen der Demon-
stranten nicht die Kremlführer, sondern die Oppositionskünstler
der abgehalfterten Regierungspartei von gestern häuslich eingeni-
stet haben - gerade so, als sei die forsche Gangart bundesdeut-
scher Aufrüstungspolitik nicht das Werk der SPD, das sie nur zu
gern fortgesetzt hätte.
Das alles hat aber den Ostermarschierern überhaupt nichts ge-
nutzt: weder haben sie einen korrekten Protest gegen die bundes-
deutsche Kriegsvorbereitung eingelegt, noch hat ihnen ihre demon-
strative Friedfertigkeit erspart, als die Feinde der Nation abge-
stempelt zu werden, die sie gar nicht sein wollten. Der Regie-
rungsbeschluß heißt: Feinde der Nation. Ironischerweise nicht
t r o t z, sondern w e g e n des Bemühens der Ostermarschie-
rer, häßliche Töne von Gegnerschaft gar nicht erst aufkommen zu
lassen.
Denn, so die Logik der Staatslenker von den C-Gruppen, wer mit
der Entschärfung seines Protests zugibt, eigentlich überhaupt
keinen Einwand gegen die Nation zu haben, auf die Durchführung
des Protests gleichwohl nicht verzichtet, der muß ganz
p r i n z i p i e l l gegen die Nation eingestellt sein - oder
er macht sich zum W e r k z e u g der Feinde der Nation.
Beides verträgt sich überhaupt nicht mit dem bedingungslosen Ge-
horsam, der nun einmal vonnöten ist, wenn die ganze Nation für
den Endsieg gegenüber dem zum Feind erklärten Osten aufgerüstet
wird, militärisch wie moralisch. Und je botmäßiger sich das Volk
bei diesem Unternehmen einspannen läßt, umso rücksichtsloser set-
zen die Kohls und Zimmermanns diesen Standpunkt durch. Auf wen
oder was hätten sie denn auch Rücksicht zu nehmen, solange den
Bekenntnissen zum Frieden jeder Wille fehlt, den alles entschei-
denden sozialen Unfrieden zu stiften?
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