Quelle: Archiv MG - BRD OPPOSITION FRIEDENSBEWEGUNG - Von Waffen und Moral
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Marxistische Schulzeitung Bremen, 22.04.1982
OSTERMARSCH 1982
Einige 100.000 Bundesbürger haben über Ostern gegen Atomwaffen
und für den Frieden demonstriert. Einige 10 Millionen Bundesbür-
ger sind zu Hause geblieben oder in einen Kurzurlaub gefahren.
Wer hatte recht?
Was am Ostermarsch verkehrt ist
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Da laufen Leute mit Abrüstungsparolen über die Straßen, werden
von den amtierenden Politikern für eine fürchterliche Opposition,
eine ferngesteuerte 5. Kolonne des Feindes erklärt und von den
meisten Mitbürgern sogar dafür gehalten - und dabei haben sie nur
eins im Sinn: Sie wollen zeigen, daß "der Wunsch nach Frieden le-
bendig" ist und die ganze Aufrüstung der Bundesrepublik
i h r e t w e g e n n i c h t zu geschehen bräuchte. Denn sie
sind friedfertige Menschen, die von ihrer Obrigkeit n u r
e i n s n i c h t wollen: daß geschossen wird. Das sollten die
Politiker sich zu Herzen nehmen und endlich auch friedfertiger
mit den anderen Staaten umgehen. Ihre Waffen sollten sie ver-
schrotten - dann könnten sie damit auch nichts Schlimmes mehr an-
richten.
Der nachdrückliche Wunsch nach Frieden das ist schon ein lustiger
"Protest". Wen hat man da eigentlich zum Gegner? Die
"kritisierten" Politiker selbst beteuern doch am eifrigsten, daß
sie den Frieden für das höchste und wichtigste Gut hielten. Warum
auch nicht? Daß sie mit ihrer Bundesrepublik und für deren Ein-
fluß und Macht in der Welt etliche Z w e c k e verfolgen - näm-
lich: lästige Konkurrenten ausschalten, vor allem den bösen roten
Konkurrenten im Osten! -, die o h n e K r i e g n i c h t z u
e r r e i c h e n sind, das steht ja auf einem ganz anderen
Blatt. Und das haben die Ostermarschierer ihnen auch überhaupt
nicht vorwerfen wollen. Die haben sich ja nur gewünscht, daß
a l l e s s o b l e i b t, w i e e s i s t - und den Wunsch
braucht nun wirklich kein Machthaber zu fürchten. Wer nichts will
als F r i e d e n, also: daß "es" nicht zu einem Krieg "kommt",
der will eben nicht glauben, daß die Vorhaben, die seine Politi-
ker im Frieden verfolgen, so g e w a l t t ä t i g sind, daß
sie die "Kriegsgefahr" allemal mit einschließen und die dicksten
Waffen dafür gerade gut genug sind.
Die BRD will eben im Rahmen der NATO so ziemlich für die ganze
Welt zuständig sein; in Angola, Afghanistan, Polen... "muß" sie
"die Freiheit verteidigen", sprich: die Russen fertigmachen; da-
für stehen ihre Politiker ein. Für einen Staat wie den unsrigen
ist Frieden eben kein Zweck, sondern eine Manier, sich in der
Staatenwelt durchzusetzen. Bei der bleibt er s o l a n g e,
w i e d e r G e g n e r n a c h g i e b i g genug ist - an-
dernfalls hat man ja für den Krieg vorgesorgt!
D a n e b e n sieht ein friedfertiger Mensch mit seiner Angst
vor der Rüstung und seinem Wunsch nach Nicht-Krieg immer verloren
aus - und geradezu lächerlich, wenn er sich seine Politiker als
extra gute, friedfertige Menschen wünscht. Daß n e t t e r e
M e n s c h e n an den Schalthebeln der Macht d e r e n Prin-
zipien und Zwecke veredeln würden, das ist ein moralischer Traum,
den schon so manche Friedensbewegung geträumt hat bis ihre, An-
hänger dann in den Krieg ziehen durften. Die meisten haben das
dann zuerst sogar noch mit dem nötigen "Hurra!" getan.
Was daran verkehrt ist, sich unzuständig zu fühlen
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Genauso falsch ist allerdings auch die umgekehrte Auffassung: man
wäre als "kleiner Mann" überhaupt unzuständig in Kriegs- und
Friedensdingen. Denn in der wichtigsten Hinsicht sind Staaten wie
die BRD ja durchaus a u f i h r e "k l e i n e n L e u t e"
a n g e w i e s e n: sowohl dann, wenn ihre Politiker
"friedlich" in der Welt umherfuhrwerken und fremde Nationen unter
Druck setzen; als auch erst recht dann, wenn sie einen Nachbarn
für "unerträglich" erklären und mit Waffengewalt "zur Räson brin-
gen" wollen.
Denn erstens schaffen die normalen Bürger mit ihrer Arbeit einen
riesigen Reichtum, der nicht ihnen gehört, sondern fÜr ganz an-
dere Zwecke eingesetzt wird. Die Inhaber und Verwalter des bun-
desdeutschen Reichtums, die "Unternehmen" und "Unternehmer", sor-
gen damit für flotte Geschäfte, und zwar nicht bloß im Inland,
sondern überall auf dem Globus. Alles, was ihren Unternehmungs-
drang behindert die Konkurrenz und unfreundliche Regierungen oder
auch "überflüssige" Menschen -, wollen sie weggeräumt haben.
D a f ü r sind die Politiker zuständig, die über die anderen
Teile des nationalen Reichtums verfügen: Kriegsschiffe, - Diplo-
maten und verbündete Gewalthaber in aller Welt kosten schließlich
Geld, und zwar nicht zu knapp. Schaffen muß also das Volk, damit
der Staat die Mittel hat, sich gegen jeden Konkurrenten auf dem
Globus durchzusetzen. Und, zweitens: gehorchen müssen die Leute,
damit die verantwortlichen Staatsmänner dafür auch a l l e
F r e i h e i t e n haben. Der Mensch muß glauben, irgendwie
hätte er als fleißiger, gehorsamer Deutscher e i n e n
V o r t e i l davon, wenn die Japaner sich vor der deutschen
Wertarbeit fürchten und die Russen vor der neuen deutschen NATO-
Wehrmacht.
Dieser Glaube s t i m m t z w a r n i e - eben deswegen ist
er aber s o w i c h t i g! Für die Führer der Nation nämlich!
Ob man nun meint, man müßte ein extra friedensfreundlicher Mensch
sein und das auch unter "Protest" vorzeigen, damit die eigenen
Herren einen nicht für die Feindseligkeiten verplanen, zu denen
Weltpolitik allemal fährt; oder ob man sich vorstellt, die "große
Politik" ginge so ihren Gang, und als normaler Mensch man mit ih-
ren Fortschritten gar nichts weiter zu tun;
so oder so macht man sich zum nützlichen Idioten der harten poli-
tischen Zwecke, die die BRD mit ihrem Volk im Rahmen der NATO auf
der Welt und vor allem gegen den "Ostblock" verfolgt.
Sich diese Zwecke klarzumachen und wie man selbst darin vorkommt
- als Manövriermasse nämlich und im Ernstfall als Kanonenfutter
-, und g e g e n s i e z u m a r s c h i e r e n - ob das
nicht vielleicht etwas richtiger wäre?!
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