Quelle: Archiv MG - BRD OPPOSITION FRIEDENSBEWEGUNG - Von Waffen und Moral
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Wochenschau
LÜCKEN IN DER MENSCHENKETTE -
DIE EINEN FREUT'S, DIE ANDEREN HALTEN HÄNDCHEN
Mit unverhohlener Genugtuung wurden die Lücken in der "Menschen-
und Aktionskette der Friedensbewegung" vom guten Deutschland als
E r f o l g s m e l d u n g verbucht. Den selben Leuten, denen
angesichts der Geburt von weniger Kindern sofort ein unverzeihli-
cher Mangel an deutschen Panzergrenadieren einfällt, was den un-
abweislichen "Sachzwang" einer Verlängerung des soldatischen
Dienstes am Vaterland beweise, gilt die schiere Tatsache, daß zur
Demo weniger Menschen kamen als erwartet, umstandslos als Beweis
von deren s c h l e c h t e r A b s i c h t. So billig weiß
der demokratische Verstand mit traumwandlerischer Sicherheit Fak-
ten zu deuten: weniger Soldaten, d e s h a l b mehr; weniger
Kritiker, a l s o ist Kritik passe! Über den jeweiligen Zweck
braucht man so kein Wort mehr zu verlieren. Was rüberkommt, ist:
was sich g e h ö r t in der Republik und was nicht. Für eine
Nation, die das Strammstehen übt, reicht das freilich allemal. Ob
man also die Anliegen der Friedensbewegung teilt oder nicht: die
inquisitorische Häme, daß eine Bewegung nicht so mobilisiert, wie
sie es sich wünscht, hat man getrost jenen zu überlassen, die
sich in dieser keimfreien Republik so wohlfühlen, daß sie die
bloße Abweichung vom unbedingten Hurra für das Argument halten.
Die Reaktion der noch marschierenden Friedensbewegten auf die na-
tional kolportierte Nachricht ihres Niedergangs ist ebenso hilf-
los wie bezeichnend. Jeder merkt es: die Euphorie der ersten
Jahre ist weg, und so mancher Friedensfreund ebenfalls. So werden
die Friedensfeste und Großkundgebungen als Pflichtprogramm run-
tergespult; und Gottseidank hat Petrus schlag fünf ein Unwetter
auf den Hofgarten niedergehen lassen, so daß "mensch" bei der Ab-
schlußkundgebung mal wieder ein Gemeinschaftserlebnis hatte. So
kommt es, daß keiner mehr zuhört oder etwas dabei findet, wenn
z.B. der amerikanische "Freeze"-Vertreter den Klops losläßt, sei-
nem Präsidenten ausgerechnet vorzuhalten, "außer Leichen" keinen
Sieg im Libanon geholt zu haben. Daß solche Sprüche, die die Un-
fähigkeit des F e l d h e r r e n Reagan angreifen, genausogut
von denen zu haben sind, gegen die man ursprünglich mal prote-
stierte, will man aber offenbar ebensowenig als Grund für's Fern-
bleiben der ehemaligen Gesinnungsgenossen begreifen, wie die
schlichte Konsequenz mancher Friedenssympis, daß man ein reines
Gewissen auch daheim in der guten Stube pflegen kann - der Effekt
bleibt nämlich der selbe.
Aber eine Gemeinsamkeit bleibt ja noch: wie Böll und Lafontaine
am Samstag immer wieder betonten, es käme "bei aller Bewegung"
darauf an, "diese in politische Mehrheiten umzumünzen", haben
Friedensbewegte - Menschenkettler wie Daheimgebliebene - ihre ei-
gentliche Heimstatt im Wahllokal. Leuten, die sich immer schon
viel drauf zugute hielten, alternativ d a f ü r zu sein, dürfte
es allerdings nicht allzuviel ausmachen, als Stimmvieh angemacht
zu werden. Gepfiffen hat jedenfalls keiner.
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