Quelle: Archiv MG - BRD OPPOSITION FRIEDENSBEWEGUNG - Von Waffen und Moral
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Marxistische Gruppe München, Oktober 1981
SO WOLLT IHR DEN KRIEG VERHINDERN?
- Indem ihr Gott und der Welt, Herrn Reagan und Mister Genscher,
euch selbst und der bundesdeutschen Öffentlichkeit eure Friedens-
liebe versichert?
Ist euch denn noch nicht aufgefallen daß "Friede" und
"Friedensliebe" die billigsten Ideale sind, die auf dem Markt für
schöne Floskeln (zur Einkleidung harter Tatsachen) zu haben sind?
... hat Helmut Schmidt die "strategische Raketenlücke in Westeu-
ropa" entdeckt und ihre Schließung durch Cruise Missiles und
Pershing II durchgesetzt. Denn wenn die Russen im Kriegsfall
keine Chance haben, halten sie vielleicht still, sogar wenn man
ihnen Afghanistan und Polen aus ihrem Ostblock herausoperiert.
... steht die Bundeswehr Gewehr bei Fuß und hat Neutronenbomben
in der Hinterhand. Schließlich soll sie durch die Glaubwürdigkeit
ihrer Kriegsdrohung den Krieg verhindern. Wenn die Russen das
nicht glauben, dann wird aus lauter Friedensliebe ein Krieg ge-
führt - zur Wiederherstellung der Glaubwürdigkeit der westlichen
Kriegsverhinderungsstrategie! ... startet Reagan das gewaltigste
Aufrüstungsprogramm der Weltgeschichte. Wenn die Russen kapitu-
lieren, ist der Friede doch wohl endgültig sicher!
- Indem ihr euch feierlich "bereit" erklärt, "ohne den Schatz mi-
litärischer Gewalt zu leben"?
Wo habt ihr das denn bloß her: daß die militärische Gewalt der
NATO dazu da wäre, euch zu s c h ü t z e n und daß man dazu
auch "nein, danke!" sagen könnte. Habt ihr denn eine Zweitwohnung
in Afghanistan? Wollt ihr von den Russen die Auslieferung Polens
an die Demokratie und ihre Kredithaie? Habt ihr mit dem Osten
noch eine nationale Rechnung offen? So etwas wird geschätzt - un-
ter Einsatz eures Lebens. Aber daß das Militär eine Lebensversi-
cherung wäre: das steht ja noch nicht einmal in eurem Katechis-
mus!
- Indem ihr gegen "das Wettrüsten", gegen "verselbständigte Mili-
tärs", gegen die "profitgierige Rüstungsindustrie" wettert?
Wär's nur so, wie ihr befürchtet! Was wäre am "Wettrüsten"
schlimm, wenn es keine politische Kalkulation mit der Nutzanwen-
dung seiner Ergebnisse gäbe? Was wäre schlimm an Militärs und ih-
ren Waffen, wenn das alles eine Spielwiese für Liebhaber und Ge-
schäftemacher wäre?
Die Rüstungsindustrie liefert nichts, was nicht durch demokra-
tisch kontrollierte Minister bestellt und nach demokratischem
Parlamentsbeschluß bezahlt wird. Die Militärs planen den Krieg im
öffentlichen Auftrag. Kein maßgeblicher westlicher Politiker läßt
sich die "schwere Verantwortung" für Krieg und Frieden abnehmen.
Und darin liegt der Grund des Übels: nicht daß die guten demokra-
tischen Politiker von bösen Rüstungsfanatikern immerzu überspielt
würden - das ist ein albernes Märchen entstanden aus einem unver-
wüstlichen Kinderglauben an die bedingungslose Menschenfreund-
lichkeit der Politik -; sondern daß jeder verantwortungsbewußte
demokratische Politiker Gründe weiß, die einen Krieg möglicher-
weise "unvermeidlich" machen. - Indem ihr euch für eine
"alternative Sicherheitspolitik" ohne Atomwaffen stark macht?
Könnt ihr euch wirklich einen harmlosen Krieg vorstellen? Und:
Wie kommt ihr bloß auf die Idee, die weltweiten Interessen der
BRD - in jedem Erdenwinkel will sie maßgeblich mitentscheiden;
und daran hat die ganze Friedensbewegung nichts auszusetzen ge-
habt - wären mit Hilfe einer Heimwehr durchzusetzen? Ein
"weltweites diplomatisches Ansehen", die Rolle einer
"Friedensmacht", oder wie die schönen Umschreibungen des Imperia-
lismus alle heißen, das ist ohne weltweit wirksames Militär nun
einmal nicht zu haben!
- Indem ihr euch um das Image eurer "Bewegung" sorgt, euch die
"Gewaltfrage" aufhängen läßt, euch gegen den " Vorwurf" des
"Antiamerikanismus" wehrt und gegen niemanden sein wollt, bloß
ganz besonders dafür: für "wahren" Frieden, "wahre" Sicherheit
und das "wahre" Deutschland?
Erstens: Wer sich auf die Frage nach den erlaubten oder unerlaub-
ten Methoden seines Protests festlegen läßt, der hat den Zweck
seines Protests schon aufgegeben. Das Ergebnis steht von Anfang
an fest: ihr beweist nach Kräften eure Harmlosigkeit - und man
glaubt es euch noch nicht einmal! Und selbst wenn man es euch
glaubt: wäre das besser?
Zweitens: Wer sich nicht traut, gegen die politischen Zwecke der
BRD anzutreten, für die der Krieg als geeignetes Mittel in Be-
tracht kommt der kann noch so flammende Friedensaufrufe verkün-
den: der ist und bleibt ein Idealist eines besseren und gehorsa-
mer Untertan des w i r k l i c h e n Deutschland.
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