Quelle: Archiv MG - BRD OPPOSITION FRIEDENSBEWEGUNG - Von Waffen und Moral
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Neues vom Krefelder Appell:
ERGEBENHEITSADRESSE AN DEN RÜSTUNGSKANZLER
Gerade noch rechtzeitig vor der USA-Reise Schmidts sind die
800 000 Unterschriften eingetroffen, die dem deutschen Kanzler
den Rücken stärken sollen, wenn es gilt, dem US-Präsidenten im
Kampf für ein friedliches Europa die Stirn zu bieten. Ganz so,
als ob die BRD nicht im Bündnis mit den "treuen Freunden" in den
Ver. Staaten die Aufrüstung gegen den Osten beschlossen hätte,
"bitten" die Initiatoren des "Krefelder Appells" den "sehr ver-
ehrten Herrn Bundeskanzler", "die Zustimmung zur Stationierung
von Pershing-II-Raketen und Marschflugkörpern in Mitteleuropa zu-
rückzuziehen". Mal abgesehen von dieser kleinen Differenz, daß
sich der angesprochene "Herr Bundeskanzler" auch nicht von
800 000 seiner Untertanen dazu bewegen läßt, einer solchen Bitte
Folge zu leisten (schließlich v e r s p r i c h t sich auch die
BRD einiges von der bezweckten militärischen Überlegenheit gegen-
über dem Osten), darf der deutsche Rüstungskanzler die 800 000
Unterschriften als vollen Erfolg für sich verbuchen. Nicht nur,
daß die Krefelder Friedensfreunde der Lüge des Kanzlers recht ge-
ben, als sei die von der NATO beschlossene Aufrüstung eigentlich
eine N a c h rüstung gegenüber der "auch von ihnen abgelehnten
sowjetischen Raketenrüstung". Sie teilen auch die strategischen-
"Sorgen" des Kanzlers, indem sie ihm versichern, daß der Zweck
der "Nachrüstung" auch ohne diese bereits erreicht ist, weil näm-
lich "die NATO auch ohne landgestützte Mittelstreckensysteme über
ein zur glaubhaften Abschreckung mehr als ausreichendes Nuklear-
potential 'in und für Europa' verfügt". Europa ist also auch ohne
diese Waffen bestens gegen den Osten geröstet, so lassen die In-
itiatoren des "Krefelder Appells" den deutschen Kanzler wissen
(von der ansonsten in und außerhalb Europas betriebenen Aufrü-
stung der NATO schweigen sie vornehm), weshalb es sich die BRD
nach ihrer Meinung leisten sollte, durch Verzicht auf zusätzliche
e u r o strategische Waffen der deutschen Beteiligung am Imperia-
lismus einen friedliebenden Anstrich zu geben. Und wie schön, daß
die Initiatoren des "Krefelder Appells" auch noch einen uralten
Kanzlerspruch ausgegraben haben, mit dem dieser sich einmal lo-
bend über die moralischen Qualitäten der Anti-Atom-Bewegung aus-
gesprochen hatte. Das läßt sich nämlich dem Kanzler untertänigst
in Erinnerung rufen:
"Es ehrt Sie, dies gedacht und ausgesprochen zu haben: Für
Deutschland und seine Nachbarn bitten wir Sie, heute nach dieser
unverändert gültigen Einsicht zu handeln!"
Das wird den Friedens-Willy vor Neid erblassen lassen.
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