Quelle: Archiv MG - BRD OPPOSITION FRIEDENSBEWEGUNG - Von Waffen und Moral


       zurück

       "Wir protestieren gegen die Kriegsvorbereitungen am Golf"!
       

DER GLAUBE AN DAS GUTE IM IMPERIALISMUS - UNVERWÜSTLICH!

"Wir fordern: Abzug aller Truppen, die nicht dem UN-Embargo die- nen, sondern allein für einen Angriff auf den Irak bestimmt sind. Keine Unterstützung durch die Bundesregierung. Schluß mit den Waffenexporten. Wir verurteilen Aggression und Bruch des internationalen Rechts, Geiselnahme und Terror gegen Minderheiten und Opposition durch das brutale Hussein-Regime. Alles dies rechtfertigt dennoch kei- nen Krieg. Die millionenfach Sterbenden und Leidenden würden die Menschen der ganzen Golfregion sein. Der Einsatz von Giftgas und Atomwaffen ist angedroht. Politische Lösungen des Konflikts in der Regie der Vereinten Na- tionen sind vonnöten, auch wenn sie viel, vielleicht sogar sehr viel Zeit brauchen. Zeit für tragfähige Friedenslösungen ist bes- ser als die Zerstörung der Zukunft durch Krieg!" (Es folgen Unterschriften von Albertz, Hirsch, Narr, Negt, Sölle bis Zumach, Anzeige in der "Frankfurter Rundschau") Die Kriegsvorbereitungen am Golf mitkriegen, in dicken Lettern dagegen protestieren - und dann erst einmal die Kriegsmittel sor- tieren: In gute Truppen, weil auf UNO-Rechnung und bloß wegen ei- nem netten kleinen Embargo - die können mit der freundlichen Ge- nehmigung aus Frankfurt und anderswo ihre friedensfördernden Werke verrichten. Und in Truppen, die für die Unterzeichner of- fensichtlich aus einer feinen Strafexpidition eine unfeine Schlächterei zu machen drohen - die werden dann rigoros nach Hause geschickt! Mal höflich gefragt: Ist eine Belagerung keine Kriegsaktion? Fängt Gewalt erst mit einem Sturmangriff an? Die Damen und Herrn Albertz bis Zumach verlangen, daß eine in ih- ren Augen überaus gerechte Aktion nicht durch die Wahl der Mittel moralisch diskreditiert wird. Haben sie nicht mitbekommen, daß der wirkliche Zweck dieser ge- rechten Aktion so beschaffen ist, daß er auf das Mittel des Blitzkriegs nicht verzichten kann? Irgendwie doch offenbar schon; in ihrer Anzeige gehen sie davon aus, daß ein Angriff für die aufmarschierenden Friedensmächte die durchaus angemessene Alter- native zum Embargo ist. Dann werden sie also auch einen politi- schen Zweck verfolgen, dem die unvermeidlichen Opfer eines An- griffskrieges nicht widersprechen. Die protestierenden Kultur- menschen nehmen sich die Freiheit heraus, zwischen der Gerechtig- keit der Aktion am Golf, die sie anerkennen, und dem imperiali- stischen Erpressungszweck, von dem sie nichts wissen wollen, zu unterscheiden. Für ihre Unterscheidung soll die UNO-Trägerschaft der Golfaktion sprechen. In deren Namen machen die Unterzeichner einen Gegensatz zwischen den Truppenaufgaben, die sie für politisch gesittet hal- ten, und den angriffslüsternen Neigungen desselben Haufens, die sie wohl auf das Konto der Amis und ihrer Voreiligkeit buchen. Es war nie weltfremder als heute, einen substantiellen Unterschied zwischen den Weltordnungsansprüchen der Amerikaner und dem völ- kerrechtlichen Überbau namens UNO zu machen und sich letzteren als eine Art Dämpfungsfaktor zurechtzudenken. Was wollen die for- schen Kritiker eigentlich sagen, wenn demnächst, wie absehbar, die vereinigten Imperialisten plus Sowjetunion sich in der UNO und mit Artikel 52 eine völkerrechtlich einwandfreie Invasion ge- nehmigen? Halten sie dann die Klappe? Oder dislozieren sie dann wieder eine Anzeige, in der sie betränen, wie sehr die wirkliche UNO der guten Meinung schadet, die deutsche Intellektuelle von der eigentlichen UNO haben? In dieser frommen Denkungsart haben sie ja Übung. So fordern sie die BRD auf, von einer "Unterstützung" abzusehen. Was soll das? Ist ihnen entgangen, daß diese Nation in dieser Region längst ökonomische Interessen angehäuft hat ("unser" Öl!) und über den zivilen Waffenhandel sich dort längst jede Menge politischen Ein- fluß verschafft hat? Offenbar nicht ganz - immerhin wissen sie ja von den Waffenexporten. Aber zu denen fällt ihnen ja nur ein, die Nation sollte sie besser lassen - eine sehr blauäugige Forderung an die Adresse eines Exportweltmeisters mit "weltweiter politi- scher Verantwortung". Deutsche Intellektuelle haben sich offenbar total von der zivilen Tour einlullen lassen, mit der die BRD weltweit ihre "vitalen" Interessen installiert hat, ohne die da- für nötigen Gewaltakte in eigener Regie durchführen zu müssen. So sehr glauben sie an den Schein einer zivilen Weltpolitik, daß sie die hohen Herren bitten, doch den schlechten Eindruck zu erwägen, den eine "Unterstützung" imperialistischer Aufräumarbeiten, die man bisher so bequem auf das Konto der Amis verbuchen konnte, ma- chen würde. Zum x-ten Mal bitten sie den Exportweltmeister, beim Exportieren etwas wählerischer zu sein und wenigstens die häßli- chen Waffen zu Hause zu lassen. Als ob die Benutzung aller Staa- ten dieses Globus für den Reichtum der BRD ohne die Ausstattung und Kontrolle dieser Souveräne mit den entsprechenden Gewaltmit- teln zu haben wäre! So matt diese "Forderungen" sind - offensichtlich plagt die Un- terzeichner die Sorge, daß sie als prinzipieller Einwand gegen die Strafexpidition gegen den "Irren von Bagdad" mißverstanden werden könnten. Also beeilen sie sich, das Urteil der imperiali- stischen Staatenwelt über den Irak noch einmal laut und deutlich und autonom herzubeten und sogar einen kleinen speziell linken Abstrafantrag miteinzubauen - ja auch wegen des Umgangs mit der Opposition stehen die Truppen dort unten, friedlich versteht sich. Glauben die Unterzeichner wirklich an den Schwindel, der Mann aus dem Irak habe sich den geballten Einsatz der imperiali- stischen Gewalt deshalb verdient, weil er gegen solch edle Insti- tute wie Selbstbestimmungsrechte gesündigt hat?! Auf alle Fälle gehen sie felsenfest davon aus, daß die Deutschen, gemeinsam mit den Amerikanern und sonstigen Weltmächten, für Macht und Ohnmacht der Nationen am Golf unbedingt zuständig sind. Und sie akzeptieren die Lüge, diese Zuständigkeit ergäbe sich aus den Rechtfertigungstiteln, die die Grenada- und Panama-erfahrenen USA und die europäischen Ausstatter des Irak vor sich hertragen. Wer so die imperialistische Verurteilung Saddams übernimmt, der hat damit eigentlich auch schon der Vollstreckung zugestimmt. Und da erwacht bei den Unterzeichnern - das Gewissen. Sie machen dar- auf aufmerksam, daß im Kriegsfall Leute verrecken. Und? Wann ist denn der letzte Krieg abgeblasen worden, weil er für die Betrof- fenen so ungesund ist? Dieses Warnen vor den "katastrophalen Fol- gen" hat noch jede Schlächterei begleitet und bekräftigt auch noch dann, wenn die höchsten Gewalten eben ihre Gewalt auf die Tagesordnung setzen, die Lüge, irgendwo sei bei ihnen Rücksicht auf ihr Menschenmaterial eingebaut. (Mit dem Argument "Schonung amerikanischen Menschenlebens" sind 1945 zwei Atombomben über Ja- pan gezündet worden!) Aber das ist nur das eine. Zum Schluß werden die Protestanten hemmungslos konstruktiv: Alles geht in Ordnung, nur der Krieg nicht?! Hat die UNO nicht schon längst beschlossen, welchem Maßstab eine "politische Lö- sung" genügen muß? Ist die "politische Lösung" nicht so an- spruchsvoll ausgefallen, daß sie ohne Krieg nicht zu haben ist? Sollte einem dazu wirklich nicht mehr Einspruch einfallen als "Laßt euch Zeit und verliert nicht die Nerven"? Wer derartig hem- mungslos auf das Bessere im Politiker spekuliert; wer derartig ignorant gegenüber den wirklichen Interessen, die im Golf auf die Tagesordnung gesetzt werden; wer also derart davon überzeugt ist, daß der Auftrag der vereinigten imperialistischen Staatenwelt in der Zurückweisung von Aggressionen, im Schutz höchster Rechtsgü- ter und in der Garantie von "Zukunft" schlechthin besteht, der wird natürlich auch dann nicht an dieser herrlichen Weltordnung irre, wenn sie mal wieder eine erkleckliche Zahl von Leichen pro- duziert. Er hat schon vorab die Taten und Wirkungen imperialisti- scher Politik als Versehen und Mißgriff entschuldigt. zurück