Quelle: Archiv MG - BRD OPPOSITION FRIEDENSBEWEGUNG - Von Waffen und Moral
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"Friedenswoche an der Ruhr-Universität":
GEGEN DEN KRIEG ZU SEIN IST ETWAS ANDERES ALS...
...vor dem Krieg zu warnen.
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Wen denn eigentlich? Die Politiker, die laufend in aller Öffent-
lichkeit erörtern, in welchen Weitgegenden sie gerade eine
"militärische Intertention" nicht ausschließen können wollen? Das
Volk, das erst letzte Woche vom staatlichen Fernsehen genüßlich
darüber informiert wurde, welche Ehre es heutzutage wieder bedeu-
tet, für das Vaterland zu sterben?
Der sorgenvolle Hinweis auf eine Kriegs g e f a h r macht den
kriegführenden Staaten ein Riesenkompliment: sie seien Opfer ei-
ner politischen "Entwicklung", die alle Beteiligten in den Unter-
gang treiben kann, wenn sie nicht rechtzeitig aufgehalten wird.
Mit Warnungen vor weltweiten "Konflikten" und "Verwicklungen ",
durch die "wir in den Krieg hineingezwungen werden", vergewissert
man sich nicht der Tatsachen, vor die der Imperialismus den
Kriegsgegner stellt, sondern beantwortet sich im Vorhinein die
S c h u l d f r a g e, die zu jedem Krieg gehört. Die exkulpato-
rische Aufzählung möglicher Kriegsgründe vom Öl über die Armut
der Dritten Welt bis zu Afghanistan, wie sie kein Politiker ver-
ständnisvoller zusammenstellen könnte, macht nur unter denjenigen
Eindruck, die den Krieg als m o r a l i s c h e s P r o b l e m
betrachten. Wer sich später nichts vorwerfen (lassen) müssen
will, fühlt sich auch berufen,
... "uns alle" für den Krieg verantwortlich zu machen.
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Angriffe auf "das Sicherheitsdenken", auf "Vorurteile und Feind-
bilder" sowie auf "Karriere, all unsere Ersatzbefriedigungen"
sind alles andere als ein Hindernis für eine Politik, die den
Krieg als eines ihrer Mittel einsetzt. Das s c h l e c h t e
G e w i s s e n, mit dem der Bürger die Kriegsvorbereitungen
seines Staates verfolgen soll, hat lauter kritische Solidaritäts-
erklärungen mit eben diesem Staate zur Konsequenz. Erstens
spricht es ihm zu, aus Nachgiebigkeit gegenüber den genannten ma-
terialistischen Neigungen "unserer Industriegesellschaften" Krieg
zu führen - enthält also die klassische Lüge, er lasse im (falsch
verstandenen) Intere seiner Bürger töten und brandschatzen. Zwei-
tens handelt es sich um das bewährte Pfaffendogma, es habe sich
ein jeder an die eigene Brust zu schlagen, bevor er die weltliche
Macht anzugreifen sich erdreisten dürfe. Wer sich einen morali-
schen Friedensfeldzug dieser Art vornimmt, beginnt eine Spiegel-
fechterei gegen das Böse im Menschen welches zu bekämpfen be-
kanntlich immer vergeblich ist, wenn auch gerade deswegen eine
höchst ruhmvolle Aufgabe. Um Bekehrungsversuche gegen die
"kriegsträchtigen" Schwächen des Menschen und der Politik und die
Veranstalter nicht verlegen: sie stehen nicht an,
... nachzuweisen, daß der Krieg nicht
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im Interesse der Menschheit ist.
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Als ob die Deutschen nicht wüßten, was Krieg ist, hält die
"Aktion Sühnezeichen" die E r i n n e r u n g an "Schrecken und
Leid" des letzten Krieges für "eine bleibende Aufgabe". Als sei
der deutsche Lohnarbeiter mit seinem fahrlässigen Eigennutz der
heutige Kriegstreiber, widerlegt sie allen Ernstes die bei ihm
vermutete Illusion, die Rüstung schaffe "zusätzliche Ar-
beitsplätze". (Und was, wenn die Rüstungsindustrie nicht so
"arbeitssparend und kapitalintensiv" wäre?) Als ob die sittliche
Schwäche des Volkes je eine Ursache für Krieg gewesen wäre, hal-
ten sie den Appell an den deutschen Antifaschismus und die
M a h n u n g, den Frieden zu halten, sei eine Sühnepflicht ge-
genüber den Opfern der Nazizeit, für einen Beitrag zur Kriegsver-
hütung.
Die völlig überflüssige Aufzählung von Argumenten gegen den Krieg
unterstellt Adressaten, welche das schlechte Gewissen bereits ha-
ben, an welches die Veranstalter appellieren wollen; jedoch aus
Unkenntnis über Mittel und Wege des Friedensdienstes zu Partei-
gängern des Krieges geworden sind. Die Empfehlung,
... die eigenen Ohnmachtsgefühle zu bekämpfen,
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hat nichts mit einer Kritik des Bürgers zu tun, der sich mit dem
Verweis auf die eigene Ohnmacht glauben macht, er müsse die Ent-
scheidung über sein Leben weiterhin dem Staat überlassen. Der
Parteigänger des Friedens bespricht so, christlich konsequent,
s i c h s e l b s t als Hindernis für das Programm des Frie-
densdienstes und demonstriert, welche moralische Standhaftigkeit
seine Mission fordert. Hat man sich für Krieg und Frieden verant-
wortlich erklärt, so bietet die Tragweite dieses Entschlusses
auch eine Grundlage, die herrschende Unmoral in Friedensfragen
als Versuchung für den Friedensstreiter darzustellen: "Nichts
verniedlichen! Die Rüstungssituation ist so gefährlich, wie sie
ist", ruft man sich gegenseitig zu. Solche Heuchelei hat Tradi-
tion;
... sich auf das Friedensreich Gottes zu berufen,
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ist schließlich sehr folgerichtig, wenn man durch eigenes Bei-
spiel die ethische Überlegenheit des Friedens über den Krieg zei-
gen will. Sowohl der "Friedensgottesdienst" wie seine säkulari-
sierte Variante, das "Friedensfest", demonstrieren die Möglich-
keit, die Parole "Frieden schaffen ohne Waffen" im gemeinschaft-
lichen L e b e n zu verwirklichen. Zwar hat niemand nach
"Alternativen zum Krieg" gefragt; und weder Bürger noch Staats-
mann müssen über die Möglichkeit "sozialer Verteidigung" als Er-
satz für das Töten aufgeklärt werden, weil Kriege nun einmal
nicht aus der Verlegenheit entstehen, nicht zu wissen, wie man
das menschliche Zusammenleben gestalten solle. Aber niemand kann
es einem kritischen Kopf nehmen, einen K u l t d e r
m o r a l i s c h e n V e r a n t w o r t u n g zu pflegen!
In diesen Rahmen paßt es durchaus,
... mit einem Bundeswehroffizier über
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die Notwendigkeit des Krieges zu diskutieren.
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Denn die Integrität der Friedensliebe erweist sich in der ebenso
christlichen wie demokratischen Tugend der T o l e r a n z
g e g e n ü b e r A n d e r s d e n k e n d e n. Oder gibt es
etwa irgendeinen Zweifel daran, was ein Abgesandter des Verteidi-
gungsministeriums auf die Frage "Entspannung und Rüstung - Wider-
spruch oder Einheit?" antworten wird?
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