Quelle: Archiv MG - BRD OPPOSITION FRIEDENSBEWEGUNG - Von Waffen und Moral
zurück
"Frieden und Freiheit"
GLEICH ZWEIMAL ZUM ABGEWÖHNEN
Samstag, 5.6., Bonn, Hofgarten.
Die außerbayerische C-Gruppe hat mobilisiert. Wer sich alles ge-
fallen läßt und bedingungslos dafür ist, soll seine Gesinnung
einmal nicht bloß haben, sondern einen Tag lang vorzeigen. Offi-
ziell und offensiv. Als wäre die Bündnistreue der Republik in Ge-
fahr. Dabei paradiert die Regierung von morgen. Mit all der
Selbstsicherheit und Selbstgerechtigkeit, über die christliche
Machthaber so verfügen:
- Kiep und Rosenthal wetteifern um die dümmsten Animiersprüche.
Politiker und Parteimitglieder spenden sich gegenseitig Beifall,
wie man es sonst bloß bei kommunistischen Parteitagen kennt und
als Beweis für Unfreiheit nehmen soll.
- Auf Plakaten heißt die NATO "ein friedliches Bündnis freier
Menschen". Als hätte dieser Verband nicht gerade einige Bürger-
kriege in der "dritten Welt" und einen regulären Krieg im Südat-
lantik am laufen - von der Vorbereitung grösserer Kriegstaten
ganz zu schweigen. Das fällt allerdings alles nicht in die Ent-
scheidung der betroffenen "freien Menschen"! - Eine Bonner Abitu-
rientin möchte, wie sie in ihrer Rede versichert, von der Bundes-
wehr "verteidigt" werden und verlangt von den Politikern
"Aufgaben für die junge Generation". "Seid nicht so zimperlich
mit uns", verlangte sie. Bis sie als Familienministerin pensio-
niert wird, braucht dieses Kalb nichts mehr dazuzulernen. Womit
ein Politiker Karriere macht, hat sie schon perfekt drauf: mit
konjunkturgerechten Unverschämtheiten über den ehrenvollen Auf-
trag an den mündigen Bürger, im Dienst am Vaterland aufzugehen.
- Star des Tages: Helmut Kohl. Im ersten Teil seiner Rede ver-
traut er auf die waffenlose Macht der Idee der Freiheit, die ganz
von selbst Mauer und Stacheldraht zerbricht. Fünf Minuten später
ist dann doch die Bundeswehr für die Freiheit zuständig. Dem ame-
rikanischen Militär wird dafür gedankt, daß 100 000 CDUler in
Bonn demonstrieren dürfen. Unter kommunistischer Herrschaft
könnte man das nicht - da wären Kohl und Genossen also wohl gar
keine Freiheitshelden mehr, sondern lauter kuschende Untertanen?!
Noch fünf Minuten später wünscht Kohl sich dieselbe Demonstration
wie in Bonn auch in Weimar und Dresden. Sollen auch dort Bundes-
wehr und US-Army den regierenden Christen das Demonstrationsrecht
freikämpfen?!
- Zum Abschluß das Deutschlandlied in feierlicher Stimmung. Die
Zeiten, als deutscher Nationalismus das laute "Hurra!" nur auf
dem Fußballplatz kannte, sind vorbei. Weltmeisterschaft hin oder
her: der wahre "Fußballplatz" der Nation ist heute wieder dort,
wo es um die wirkliche Verteidigungsbereitschaft geht - und um
die praktische Schädigung und die militärische Erpressung des
Ostens.
Donnerstag, 10.6., Bonn, Innenstadt und Rheinwiesen.
Die Friedensbewegung hat mobilisiert. Wem zu den Kriegsvorberei-
tungen seines Staates bloß einfällt, soviele Umstände wären um
seiner friedliebenden Person willen doch gar nicht nötig; wer
diesen idyllischen Einfall mit Gesinnungsgenossen gemeinsam fei-
ern will, der macht die Stadt des NATO-Gipfels für ein paar Stun-
den daneben zur Spielwiese. Mit all der Einfalt, über die morali-
sche Kindsköpfe so verfügen:
- Kleinkünstler aus allen Ecken der Republik möchten aus der NATO
austreten, obwohl sie gar nicht Mitglied sind - außer in ihrer
Eigenschaft als Untertanen.
- Ein ausgestoßener Bundeswehrgeneral ersucht die NATO-Herrschaf-
ten, ihm seinen Glauben an ihren ehrlichen Abrüstungswillen wie-
derzugeben und sich mit der Sowjetunion dementsprechend zu ver-
ständigen. Dabei hat er vorher fast noch richtig herausgestellt,
daß der Wille zur Abrüstung im Westen sehr fest und ernsthaft ist
- zur Abrüstung der Sowjetunion!
- Ein Plakat findet das "Wettrüsten" für ungeeignet, "den Frieden
zu sichern". Was, wenn neue westliche Waffen gar nicht dafür da
sind, daß alles beim alten bleibt und dieser Zustand "Frieden"
getauft wird?
- Die neuen Atomwaffen des Westens sind allgemein sehr unbeliebt.
Ob die Friedensfreunde sich wirklich wohlfühlen, wenn die NATO-
Staaten ihren Krieg gegen die Sowjetunion mit den schon vorhan-
denen Waffen bestreiten würden, oder gar "bloß" konventionell?
- "Deutschland soll kein atomares Schlachtfeld werden". Mit Ver-
laub: Wer denn sonst? - Zum krönenden Abschluß verspricht einer
der Hauptveranstalter, "diese Republik unregierbar zu machen",
wenn die Politiker für ihre außenpolitischen Großvorhaben nicht
mit weniger Waffen auskommen wollen. Wie? "Wie es in Hamburg
schon angefangen hat". Hamburg wäre "unregierbar" - bloß weil die
Grünen und Alternativen neun Sitze in der Bürgerschaft haben und
deswegen SPD und CDU ihre Chancen für die Regierungsbildung bis
zum letzten demokratisch auspokern? Die lächerliche Selbstüber-
schätzung einer durch und durch konstruktiven moralischen
"Opposition" ist für demokratische Führer noch allemal ein sanf-
tes Ruhekissen!
zurück