Quelle: Archiv MG - BRD OPPOSITION FRIEDENSBEWEGUNG - Von Waffen und Moral
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Wochenschau
DIE FRIEDENSBEWEGUNG
hat auf ihrer Kölner Aktionskonferenz die sowjetischen Kurzstrec-
kenraketen in der DDR und CSSR als eine "Nachrüstung", die "die
Lage destabilisiert" verurteilt.
Ironischerweise besteht der "neue Minimalkonsens" der Friedensbe-
wegung vor einer östlichen "Nachrüstung" zu warnen, während die
gesamte Riege der Pershing-Kommandeure von Washington bis an den
Rhein demonstrativ ihre Gelassenheit kundtat, was die jetzt von
der "Anti-Nachrüstungs"-Bewegung inkriminierten sowjetischen Ra-
keten angeht. Dem Feind sollte auch noch diplomatisch unmißver-
ständlich bedeutet werden, daß sich die NATO-Aufrüstung nicht von
sowjetischen Angeboten oder Maßnahmen abhängig macht. Die FAZ hat
ihre Militärexperten längst berichten lassen, daß die vom Westen
lange einkalkulierte Modernisierung der alten FROG 7-Raketen der
SU ein "militärischer Popanz" und "Propaganda" sei. Andererseits
war es schon eine "Tagesschau"-Meldung wert, daß die Friedensbe-
wegung jetzt diese sowjetischen Waffen als "gleichwertig" zur so-
genannten westlichen "Nachrüstung" geißelt: Die Jugend ist ein-
deutig auf dem richtigen Weg. Nur ein kleiner Makel bleibt in den
Augen der öffentlichen Sittenwächter: Die deutschen Kommunisten
haben der Verurteilung der Sowjetunion beigepflichtet - dabei
kennen die bestallten Schreiberlinge sie doch, diese Brüder. Dia-
gnose also: Kreide gefressen. Bloß gut, daß diese schöne Republik
eine grüne Fundamentalopposition hat, die einen solchen Makel
nicht auf sich sitzen lassen möchte. "Den Grünen war diese Kröte
(für die DKP) nicht groß genug" (Frankfurter Rundschau) - sie ha-
ben gegen die Kölner Erklärung votiert. Auch friedensbewegungsin-
tern wollten sie mit ihrer Ablehnung noch eigens die "Fünfte Ko-
lonne Moskaus" markieren - sie sind schließlich die vierte Partei
in Bonn!
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