Quelle: Archiv MG - BRD OPPOSITION FRIEDENSBEWEGUNG - Von Waffen und Moral


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ERSCHRECKEN VIELLEICHT, ABER KEINE KRITIK AM NATO-IMPERIALISMUS

Reagans Bomben auf die libyschen Städte sind bei den deutschen Bürgern - ganz im Unterschied zum amerikanischen Volk - nicht ge- rade populär. Erschrecken angesichts einer realistischen Welt- kriegsgefahr hat einige Kritik aufkommen lassen - nur, was für eine! Deutsche Bürger könnten sich die Terrorismusbekämpfung kriminali- stisch sauberer, moralisch höherstehend, zweckmäßiger und vor al- lem risikoärmer vorstellen. Daß "wir", der Westen und die Amis ein Recht auf Beseitigung aller fremden Gewalt gegen die weltweit plazierten westlichen Bürger und Einrichtungen haben, den An- spruch unangefochtener Weltherrschaft eben, mag kaum einer be- streiten, wenn er an "Rambo-Reagan" etwa folgendermaßen herumkri- tisiert: Reagan hat gar keine vorzeigbaren Beweise für --------------------------------------------- Gadafis Schuld am Berliner Anschlag. ------------------------------------ Und wenn er sie hätte? Dann hätten die Libyer das Bombardement wohl verdient und Westen ein gutes Recht, seine Feinde auf der Welt zu liquidieren? Und wenn es schon keine Beweise gibt, könnte man dann nicht merken, daß es bei dem Angriff auf Libyen um etwas anderes ging, als um die Vergeltung vergangener und die Verhinde- rung zukünftiger Anschläge auf "Unschuldige"? Gadafi ist ein Hin- dernis bei der israelischen und westlichen Ausrichtung des ganzen Nahen Osten, er unterstützt die Palästinenser und gibt das ganz offen zu. Damit hat er sich Reagans Todesurteil verdient. US-Im- perialismus eben - da ist es völlig sachfremd zu fragen, ob Rea- gan die Schuld seiner Feinde auch gut bewiesen hat. Den Falschen, einen Ami-Freund wird er schon nicht getroffen haben! Man kann Terror nicht mit Terror vergelten, ------------------------------------------- da steht man auf derselben moralischen Stufe. --------------------------------------------- Doch liebe Mitbürger, man kann! Vor allen Dingen aber kann man nicht die Anschläge von Gadafi, den Palästinensern oder von sonst wem für furchtbar ungerecht, eben für gemeinen Terror gegen die guten, friedfertigen und allen Völkern nützlichen Amerikanern halten; diesen Terror für etwas erklären, womit die guten Nato- Völker auf keinen Fall leben können und dürfen - und dann den Terror der Amis u n f e i n finden. Moralische Stilfragen sind ein billiger Luxus der braver Bürger, die über ihre Gewalthaber die Nase rümpfen, und dabei immerzu an die eigentlich gute - näm- lich mit Terror völlig unvereinbare - weltweite Nato-Verantwor- tung glauben. Im übrigen teilt Reagan das Ideal der glatten und sauberen Poli- zeiaktion. Er nennt das den "chirurgischen Schlag", der mit har- ter Hand die wirklich Schuldigen auslöschen und Unschuldige ver- schonen soll. Reagan befolgt diese Alternative zum moralisch an- rüchigen Gegenterror sogar: Solange aber die Libyer mit ihrem Ga- dafi zufrieden sind, ihn nicht stürzen sondern seine Außenpolitik unterstützen, sind sie alle des Terrorismus schuldig - "und müs- sen die Konsequenzen tragen." Man sieht: wenig Kritik im moralischen Naserümpfen! Nach den Bombenangriffen werden die Terroranschläge --------------------------------------------------- aus dem Nahen Osten nicht weniger, sondern mehr werden. ------------------------------------------------------- So wird man mit dem Terrorismus nicht fertig. --------------------------------------------- Vielleicht ging es eben auch nicht darum. Wenn Reagan Anschläge auf US-Bürger verhindern wollte, brauchte er bloß in der Welt sich nicht so viele Feinde zu schaffen: den Palästinensern einen eigenen kleinen Staat, den Israelis weniger Waffen, in die ande- ren Araberstaaten nicht so viel hineinregiert - und die Araber wüßten gar nicht mehr, warum sie auf US-Boys schießen sollten. Er müßte also "bloß" den amerikanischen Weltherrschaftsradikalismus zügeln, also mit der Raison d'etre seines Staats brechen; was er natürlich nicht tut. Reagan behauptet ja auch gar nicht, daß seine Bomben die An- schläge verringern würden; da richtet er sich auf einen "langen Kampf" ein. Das m a ß l o s e Z i e l der Ausrottung des Ter- rorismus trägt die Eskalation ja schon in sich: Nicht nur Libyen gewährt den Palästinesergruppen Unterschlupf, wie steht es mit Syrien usw. Zufrieden ist der Westen erst, wenn es außer der ei- genen Gewalt keine andere mehr auf der Erde gibt. Für dieses feine Ziel, für diese friedliche Ami-Welt lohnen sich noch viele unschuldige Leichen! Reagan riskiert eine unkontrollierte Eskalation, den Weltkrieg. --------------------------------------------------------------- Klar tut er das! Wenn man seine Lagebeurteilung teilt, und wenn man mit Kanzler Kohl meint, Terrorismus, nämlich alle nicht von der Nato-kontrollierte Gewalt, müsse unbedingt und endgültig ab- gestellt werden, dann soll man sich auch bei den Mitteln nicht so haben! Weltkrieg ist dafür genau richtig. Wer das Ziel teilt und dann das kriegerische Mittel scheut, zieht sich von Reagan zurecht den Vorwurf der Feigheit zu. Und noch etwas: so eine Kri- tik verstummt endgültig, wenn sich die ersten Erfolge des rück- sichtslosen und risikobereiten Kriegskurses einstellen. Als Hit- ler Österreich heimgeholt und die Tschechei annektiert hatte, hatte er daheim endgültig keine Kritiker mehr; alle Zweifler hat- ten sich zum Kriegskurs bekehren lassen: es ging ja! zurück