Quelle: Archiv MG - BRD OPPOSITION FRIEDENSBEWEGUNG - Von Waffen und Moral
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Am vergangenen Wochenende in Köln: Konferenz der Friedensbewegung
fordert:
"ATOMWAFFENVERZICHT INS GRUNDGESETZ!"
Dagegen drei Einwände:
Der erste: Das ist vielleicht eine kritische Stellung zur politi-
schen Gewalt, diese auf den status quo festlegen zu wollen!
Sicher, man gibt zu erkennen, daß man es nicht gerne sieht, wenn
die Politiker der BRD ein ums andere Mal klarstellen, daß sie
partout Atomwaffen haben wollen.
Bloß, wie kommt man denn von dieser Tatsache ausgerechnet darauf,
daß "man" doch schlicht und ergreifend auf Atomwaffen
v e r z i c h t e n sollte? Diese Verzichtsforderung nimmt erst
gar nicht zur Kenntnis, w a r u m der BRD-Staat diese Waffen
unbedingt haben will. Vielleicht ist ein schöner großer Staat wie
die BRD mit all seinen mächtigen Interessen und weltweiten An-
sprüchen gar nicht zu haben ohne die wuchtigsten aller Feind-
schaftsmittel? Ist das für die BRD nicht gerade deswegen ein
V e r z i c h t, weil sie diese Waffen unbedingt h a b e n
w i l l, und zwar in eigener Hand? Sagen die Politiker nicht
allzu deutlich, daß sie der atommachtmäßige - status quo ärgert?
Und da will man dieselben Politiker auffordern, "endlich voll-
ständig und dauerhaft zu verzichten"? Man will.
Der zweite: Das ist vielleicht ein Adressat: der Bundestag in
Bonn!
Die in Bonn sollen also verzichten. Dazu müsse man, so heißt es,
denen Druck machen. Und wie? Die Volksvertreter "müssen Farbe be-
kennen", ob sie eine überparteiliche Initiative unterstützen, die
im Bundestag einen Antrag einbringt, der die Forderung
"Atomwaffenverzicht ins Grundgesetz" aufs Tapet bringt. Umständ-
lich? Nein. Sondern schlicht vertrauensselig, daß die BRD - in
Gestalt ihrer Volksvertreter - so etwas wie Atomwaffen (im Unter-
schied offenbar zu ihren sonstigen Schönheiten) eigentlich doch
gar nicht nötig hätte. So als würden die in Bonn mit ihrer Atom-
waffenpotitik eine V e r l e t z u n g ihrer ach so menschen-
freundlichen Pflichten begehen, die sie jetzt - Farbe bekennen
als Menschen guten Willens! - doch korrigieren sollten! Und so
als wäre die BRD-Verfassung, in die die Forderung rein soll, eine
Art "Zehn Gebote" für sündige Politiker, quasi ein Moralkodex,
der die Politiker beizeiten bremst (und zwar dieselben Politiker,
die ihn beschließen)! Bescheidene Nachfrage: Welche Sauerei ist
denn eigentlich jemals im Namen des Grundgesetzes u n t e r-
b l i e b e n??
Der Dritte: Das ist vielleicht eine Forderung, die ganz und gar
folgenlos bleiben will!
Und wenn sie's nicht reinschreiben ins GG, die in Bonn, dann ha-
ben sie sich zumindest entlarvt, oder? Und was folgt daraus? Rein
gar nichts. Man selber hat im Geiste des Friedens und der Verant-
wortung gehandelt, die Politiker wieder mal nicht. Das hat man
davon, wenn man so bescheiden ist, überhaupt kein Interesse der
Politik anzugreifen, sondern eine Rücksichtnahme auf die eigene
gute Meinung zu erbitten, daß man in einer schönen friedlichen
BRD leben will.
P.S. Die Veranstalter haben ein paar Wochen vor ihrem Kongreß An-
zeigen mit der Überschrift veröffentlicht: "Aufruf gegen die
Selbstberuhigung". Warum bloß genehmigt man sich dann immer hö-
here Dosen von Beruhigungspillen, die Politik der BRD betref-
fend?!
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