Quelle: Archiv MG - BRD OPPOSITION FRIEDENSBEWEGUNG - Von Waffen und Moral


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       Münchner Hochschulzeitung, 25.03.1982
       Sonderausgabe Sozialwesen
       
       das aktuelle Friedenslexikon
       

"AUCH"

Die Kritik an der NATO-Weltherrschaft - das Bündnis der paar "gelungenen" kapitalistischen Mächte nimmt sich seit Weltkriegs- ende der Geschichte des Globus ökonomisch wie militärisch in ei- ner Weise an, die dessen Bewohnern gar nicht gut bekommt: sie diktiert der Staatenwelt Existenzbedingungen, denen diese auf Ko- sten der Existenz ihrer Bevölkerungen beflissen nachkommt, und konzentriert und entfaltet Reichtum und Gewalt weltweit mit dem Ziel, die große störende Ausnahme aus der Weltfriedens- und -wirtschaftsordnung, die Sowjetunion mit ihren paar Verbündeten, aus der Welt zu schaffen - die Kritik des Imperialismus der "westlichen Welt" und seiner Fortschritte stößt auch bei gutwil- ligen und gerade bei "um ein ausgeglichenes Urteil bemühten" Leu- ten nur einerseits auf Verständnis, andererseits todsicher auf den Einwand": die Sowjetunion sei doch a u c h reichlich ge- walttätig, im Innern wie nach außen. "... aber die Sowjetunion ist doch auch schlimm!" ------------------------------------------------- Als Einwand ist diese Erinnerung nun allerdings schlicht untaug- lich. Wird denn der Umstand, daß die "freie Welt" den Anspruch auf ein universelles Gewaltmonopol erhebt und mit zunehmend undi- plomatischer Härte gegen die Ausnahme im Osten durchsetzt, im ge- ringsten dadurch relativiert, daß die Sowjetunion ihr eigenes Volk mit ähnlicher Souveränitat als nutzbares Menschenmaterial behandelt, wie dies den Demokratien des Westens so perfekt ge- lingt? Und wenn die Sowjetunion sich um Verbündete in aller Welt bemüht und aus dem Scheitern dieser Bemühungen, dem Verlust "wichtiger Positionen" an den Westen, den Schluß zieht, die "Sicherheitszone" um ihre Grenzen herum gewaltsam auszubauen, und dabei blutig zu Werk geht: nimmt das etwas weg von der Tatsache, daß nicht die Sowjetunion, sondern die NATO d i e "Weltfriedensmacht" ist - die Macht also, die souverän über die Konditionen und damit auch über eine fällige "Unterbrechung" des Weltfriedens befindet -? Die verantwortungsbewußten Staatsmänner des Westens sind jedenfalls die letzten, die ihre Gegnerschaft gegen den "Ostblock", der den imperialistischen Frieden der kapi- talistischen Weltwirtschaftsordnung so grundlegend in Frage stellt, zu den Akten legen würden, ließe die Sowjetunion alle ihre "Dissidenten" ausreisen und ihre Truppen aus Afghanistan und Polen abmarschieren. Also sollte man als Untertan jener Staats- männer auch nicht so tun, als wären die paar Machenschaften der sowjetischen Staatsgewalt so etwas wie ein g u t e r G r u n d für die westliche Weltherrschaft, der eine eindeutige Unterschei- dung zwischen den Machern des Weltgeschehens und deren Gegnern nicht mehr zuließe. Dieser Fehlschluß ist nämlich keineswegs bloß ein unverzeihlicher theoretischer Fehler. Die eigene, am Imperialismus beteiligte Staatsgewalt nimmt ihn, auch wo er gar nicht so gemeint sein sollte, gleich sehr praktisch: wie einen Antrag des Bürgers an sie, der Sowjetunion bedingungslos entgegenzutreten. Nicht als ob sie mit ihrer Weltpolitik auf derlei "Anträge" warten würde. Aber um für ihre Weltpolitik die eigenen Bürger nicht bloß zu benut- zen, sondern auch noch m o r a l i s c h i n d i e P f l i c h t zu nehmen: dafür eignet sich nichts so vortreff- lich wie der im Verweis auf die Schlimmheit der Sowjetunion betä- tigte Glaube an - immerhin und letztlich doch - den einen "Nutzen" der Gewalt, der man selbst gehorcht: sie ist n i c h t die s o w j e t i s c h e. Der kleinsten Einsicht in imperialistische Gründe und gewaltsame Folgen der NATO-Weltherrschaft Antipathien gegen deren Gegner mit einem "aber" als Einwand entgegenzuhalten, das ist der "harte Kern" eines Nationalismus, mit dem noch der kritischste auf Nicht-Einseitigkeit bedachte Mensch sich zum folgsamen Affen der großzügigen Herrschaftsprojekte seiner Obrigkeit macht. zurück