Quelle: Archiv MG - BRD OPPOSITION FRIEDENSBEWEGUNG - Von Waffen und Moral
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Marxistische Gruppe, Januar 1983, München
Antifaschismus - Das sauberste Vorkriegsbekenntnis
"NIE WIEDER FASCHISMUS - NIE WIEDER KRIEG!"
Daß die Friedensbewegung dazu übergegangen ist, sich staatsbür-
gerliche Feiertage als A n l a ß für die Darstellung ihrer Op-
position zu suchen, ist schon blöd genug - unverzeihlich ist es
aber, gegen die forsch vorangetriebene Aufrüstung der bundesdeut-
schen Demokratie mit einer Parole gegen die faschistische Herr-
schaft von vor 50 Jahren anzutreten. Da wird nämlich ausgerechnet
von denen, denen es bei der Besichtigung der demokratischen Ge-
waltapparatur unheimlich geworden war, der Demokratie die Absolu-
tion von jedem Gewaltverdacht erteilt:
Hitler "unterdrückte alle demokratischen Bestrebungen und besei-
tigte die parlamentarisch-demokratische Regierungsform. Damit (!)
wurden die Voraussetzungen geschaffen für die sogleich beginnende
Kriegsrüstung und die Vorbereitung des geplanten Angriffs zur
Eroberung des 'Ostraums'." (Aufruf)
Zum Kriegführen braucht es - so die beruhigende Botschaft der
'machtvollen' Antifaschismusdemonstration - einen Faschismus. Al-
les, was die demokratischen Herrscher an Gewaltmitteln anhäufen,
wird erst darüber gefährlich, daß ein zukünftiger, ausgedachter
Staat diese Mittel m i ß b r ä u c h l i c h verwenden könnte.
Warnungen vor den ungemütlichen Absichten unserer demokratischen
Führer sind da genausowenig am Platz wie Forderungen, die sich
gegen ihre Politik richten würden. Angesichts der ausgedachten
Faschismusgefahr kann man auch als Friedensmensch jetzt ganz hem-
mungslos f ü r diesen Staat Partei ergreifen und so wünscht man
sich dann für die Jugend ein bißchen mehr Perspektive und gegen
die Neonazis sähe man gerne "die Behörden" ein wenig stärker
durchgreifen. Da setzen sie Schwüre in die Welt wie:
"Unser Volk hat gegenüber der kommenden Generation und den ande-
ren Völkern die Verpflichtung, alles zu tun, damit von deutschem
Boden nie wieder Krieg ausgeht." (Aufruf)
und keiner hat sich je einen Gedanken gemacht, warum es immerzu
vom "deutschen Boden ausgehende Kriegsgefahren zu bekämpfen gibt.
Es ist kein Wunder, daß solche Parolen keine Gegner in der offi-
ziellen Politik haben. Ganz im Gegenteil: Die kompetentesten
Sachwalter dieser Ideologie sind die demokratischen Machthaber
selbst. Sie p r a k t i z i e r e n den Antifaschismus, indem
sie erstens Mahnfeiern zum Gedenken an jene unglückseligen Zeiten
abhalten, auf denen sie versprechen, es nie wieder so weit kommen
zu lassen und sind zweitens jederzeit bereit, ihren Worten auch
Taten folgen zu lassen. Unsere politischen Herrscher haben die
gewalttätige Verwendung des Antifaschismus sehr wohl erkannt: Bei
Verdacht auf Nichtlinientreue sind unsere Staatsmänner schnell
mit dem Faschismusvorwurf zur Hand; da wird bespitzelt, regi-
striert und ggf. aus dem Verkehr gezogen - denn schließlich geht
es um den Staat, dem Hüter der Demokratie, und der darf nicht ge-
schwächt werden. Und mit dem gleichen guten Gewissen, mit dem sie
im Inneren für Ordnung sorgen, beteiligen sie sich daran die de-
mokratischen Rechte und Freiheiten weltweit zu verteidigen -
schließlich geht es um die Demokratie und das ist ideologisches
Gewand genug, alles auf der Welt mit dem gewalttätigen Possessiv-
pronomen "unser" zu belegen!
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