Quelle: Archiv MG - BRD OPPOSITION FRIEDENSBEWEGUNG - Von Waffen und Moral


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       Der Veranstaltungskommentar
       Franz Alt in der Nürnberger Lorenzkirche
       

FRIEDENS-WAHNSINN

Die Friedensbewegung ist tot. Ihre Protagonisten leben noch und fragen sich verzweifelt, warum niemand auf sie hört. Franz Alt, der seiner Ablehnung der Nachrüstung immerhin einen Chefposten im Fernsehen zum Opfer brachte, wollte doch niemals die Aufrüstungs- politik er kritisieren oder gar bekämpfen; er sah es als seine "Aufgabe, den Politikern zu helfen, Konsequenzen aus dem als Wahnsinn erkannten (Rüstungs-)Wahnsinn zu ziehen" - und sogar mit diesem freundlichen Hilfsangebot ist er voll gescheitert. Das hat ihn selbstkritisch gemacht: Hatte er den geschätzten Her- ren Aufrüstern das Problem vielleicht nicht eindringlich genug als eines i h r e r Verantwortung geschildert? Daß die als Ka- nonenfutter verplanten Bürger etwas gegen die nationalen Macht- kalküle der politischen Führung haben und losmachen könnten, war in der Friedensbewegung von Anfang an nicht vorgesehen. Lieber wollte man die Nachrüstungspolitiker von den Gefahren für gemein- same Werte überzeugen: Kritik am Atomkrieg wurde geführt im Namen unseres schönen Deutschland, das kein Schlachtfeld werden dürfe, von Europa und seiner Kultur, und schließlich im Namen der Menschheit, die überleben müsse. Weil man nicht auf sie gehört hat, muß - so schließt Franz Alt - das Auslöschen der Menschheit noch nicht schlimm genug, der Beru- fungstitel 'Menschheit', der denkbar umfassendste, noch nicht allumfassend genug gewesen sein. Inzwischen erscheint ihm die Be- rufung auf die Gesamtheit der lebenden Menschen fast wie verart- wortungsloser Egoismus: "Zyniker sagen, Atomkrieg, das wäre eben der Tod der heute leben- den 4,8 Milliarden Menschen und wenn sie sich gegenseitig umbrin- gen, dann haben sie es nicht besser verdient." Als Demokrat unterscheidet Alt nicht zwischen den als lebendes Machtmittel kalkulierten Menschen und denen, die dieses Mittel kalkulieren und einsetzen; als Christ leuchtet ihm ein, daß 'der Mensch' schlecht ist, und sich vielleicht ganz gerne wechselsei- tig umbringen will; daß er es n i c h t d a r f, will der Lai- enprediger ihm mitteilen: "Wir (!) sind dabei, durch den Atomkrieg einen zweiten Tod zu fa- brizieren, d.h. ihn an die Stelle Gottes zu setzen und alle Toten noch einmal zu töten, indem wir jede Erinnerung an sie auslö- schen." "Atomkrieg hieße auch, nie mehr würde ein Kind geboren werden. Wir (!) würden sozusagen all denen, die nach uns leben könnten (!), die Welt entziehen." Abrüstung! - denn Vergangenheit, Zukunft und der liebe Gott dür- fen einfach nicht sterben! PS: Was aber, Bruder Franz, wenn Kohl, Thatcher und Reagan Dir erläutern können, daß Krieg nicht nur im südlichen Atlantik, Mit- telamerika, Afrika, Nah-Ost, wo "wir" freien Westler ihn gerade führen und schüren, sondern auch gegen die gottlose Großmacht im Osten kein Wahnsinn, sondern das gebotene Mittel der Staatsräson ist? Was, wenn sie Dir versichern, daß für diese Endabrechnung nur 100-500 Millionen Leichen kalkuliert sind, daß also genug üb- rig bleiben, um wieder einem Staat zu gehorchen, einen Papst zu wählen, einen Gott zu erfinden, (nur leicht strahlengeschädigten) Nachwuchs zu zeugen und der Idioten zu gedenken, die einmal gegen den großen Krieg anbeten wollten? Was dann? Dann hättest Du Dein kritisches Pulver verschossen und könntest Dich nur mehr auf Kriegsdienstverweigenng aus Gewissens- gründen hinausreden. zurück