Quelle: Archiv MG - BRD OPPOSITION FRIEDENSBEWEGUNG - Von Waffen und Moral
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AHFELDTS WEHRDORF BRD
Am Freitag um 16.00 Uhr konnte man sich in einer Veranstaltung im
Rahmen der Vorlesung "Alternativen zum Krieg" von Prof. Bahr das
Konzept einer alternativen Verteidigung des Ex-Majors und Frie-
densforschers Ahfeldt zu Gemüte rühren. Während sich die NATO zur
Zeit anschickt, gemäß ihrem offiziellen Auftrag: Verteidigung der
westlichen Interessen weltweit dafür zu sorgen, daß der Ostblock
sich "mit einem Winseln und nicht mit einem großen Knall" von der
Weltbühne verabschiedet, und damit deutlich macht, daß die Ver-
teidigung westlicher Interessen etwas anderes heißt als zu ver-
hindern, daß jemand in das eigene Land einmarschiert (in Polen
steht bekanntlich unser aller Freiheit und in Afghanistan unser
aller Menschenrechte auf dem Spiel), streicht Ahfeldt die Inter-
essen, die die NATO verteidigt, einfach durch, nimmt die Ideolo-
gie der Bundeswehr, sie sei eine rein defensive Angelegenheit,
die uns nur vor den Russen schützen soll, auf und macht daraus
eine alternative Militärstrategie.
Von diesem Standpunkt aus kritisiert er die momentane Aufrüstung
der NATO als untaugliches Mittel für die Verteidigung.
"Denn wenn Verteidigung das einzige Ziel ist, so kann Abschrec-
kung des Feindes nur darin bestehen, daß ein Krieg für die Russen
keinen erkennbaren Sinn machen darf, der Feind muß abgeschreckt
werden durch eine Überlegenheilt in der Reaktion, durch eine
deutliche Überlegenheit der Verteidigung ohne Angriffskapazität."
Ahfeldt leistet sich den Luxus der idealistischen Betrachtungs-
weise, daß die schönen Waffen der Bundeswehr nicht für ihren Ein-
satz- gedacht sind, denkt sich also Abschreckung ohne Kriegsdro-
hung. Und weil Pershings und anderes auf den Osten gerichtetes
Kriegsgerät nie aus einem militärischen Kalkül des Westens her-
aus, sondern nur als Reaktion auf östliche Angriffe bei Ahfeldt
Verwendung finden können, sieht er in ihnen eine besondere Ge-
fahr: die gesamte westliche Verteidigungskapazität ist von den
Russen mit einem Schlag zu vernichten, hebt sich also nach dieser
Logik dadurch selbst auf, daß sie den Feind zu Übergriffen ein-
lädt und die BRD wehrlos macht. Wenn also die Gefahr in der Kon-
zentration militärischer Anlagen besteht, heißt die Alternative
der siegreichen Verteidigung, daß die gesamte BRD ein einziges
Wehrdorf sein muß. Also: wenn die Russen kommen, buddeln sich 60
Millionen Deutsche mit Panzerabwehrfäusten und leichten Artille-
rieraketen in die Erde ein und der Feind hat keine Chance mehr.
Dieses Konzept zeichnet sich durch drei Vorzüge aus:
1. ist es betont b ü r g e r n a h: jeder hat seine eigene Ra-
kete daheim,
2. ist es gemeinverständlich: es ist gar keine Frage, gegen wen
und warum man sein Leben lassen muß,
3. ist es gerade darin - und nur darin - die
r e a l i s t i s c h e Antwort der Friedensbewegung auf den
Vorwurf von Pazifismus und Weltfremdheit: man erklärt sich alter-
nativ einverstanden damit, daß das Opfer des eigenen Lebens ge-
rechtfertigt ist, weil Deutschland auf keinen Fall den Russen
ausgeliefert werden darf und gegen sie verteidigt werden muß.
Statt sich von Ahfeldt die Frage aufdrängen zu lassen, wie man
alternativ die Freiheit gegen die Russen verteidigen kann, hätte
das Publikum sich besser der Frage zuwenden sollen, die Prof.
Bahr zu Beginn des Vortrags aufwarf: "Warum soll man eigentlich
alternativ sterben?"
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