Quelle: Archiv MG - BRD OPPOSITION FRIEDENSBEWEGUNG - Von Waffen und Moral
zurück
VERHARMLOSENDE RECHTFERTIGUNGEN, HARMLOSE VORBEHALTE
Alle reden von SDI - auch das Kursbuch. Seine neueste Ausgabe ist
darüber sogar zum Bestseller geworden. In bewährter Kursbuch-Tra-
dition wird der Leserschaft eine Sammlung pluralistischer Stel-
lungnahmen zum Thema SDI präsentiert. Wir nehmen an, das Ganze
geschah in kritischer Absicht. Obwohl diese wohlwollende Annahme
bei der Lektüre des Buchs meist nur durch die Tatsache gestützt
wird, daß es sich eben um ein Kursbuch handelt.
Zur Einstimmung gibt's ein Märchen, verfaßt von einem
James J. Horning
----------------
Wenn man hinten im Buch nachliest, stellt man fest daß der Mann
ein echter US-Naturwissenschaftler ist - und dabei doch so phan-
tasievoll. "Des Kaisers neue Engel" heißt die Fabel und handelt
von Schweinen, die sich irgendwie schwertun das fliegen zu ler-
nen. Was haben wir über SDI gelernt? "Das Unmögliche dauert immer
ein bißchen länger und kostet eine Menge mehr."
Peter Weingart
--------------
Professor für Wissenschaftssoziologie an der Uni Bielefeld, hat
sich auch einen originellen Titel ausgedacht: "Stöbern im Ster-
nenstaub". Man muß nur hartnäckig genug in der "sozialen Psyche"
stöbern, dann ergibt sich folgendes: Bei SDI kann es nicht um
eine neue Waffentechnologie gehen, weil daran sowieso keiner
ernsthaft glaubt. SDI ist vielmehr "ein Jahrhundertcoup in
(forschungs)politischer Raffinesse", dem man "einem B-Western-
Schauspieler wie Reagan kaum zugetraut hätte". Denn der Mensch
braucht "große Visionen", sonst schlafft der Mensch als Forscher
total ab. Das war schon immer so, auch der wilde "Westen wurde
durch die Visionen mutiger Individualisten erschlossen, zu denen
über John Ford und John Wayne bis zu Ronald Reagan - die Konti-
nuität der Geschichte... hergestellt wird". So schließt sich der
Kreis zum B-Western-Schauspieler letztendlich ja doch.
Prof. Weingart hat dabei herausgefunden, daß der Mensch in seiner
Eigenschaft als Forscher einerseits ein ziemlich blöder Hund ist.
Damit er mit Volldampf in die Forschung einsteigt, kann man ihm
nämlich grundsätzlich jeden Stuß erzählen - auf soziologisch
heißt das: "Die Beliebigkeit der Legitimationsweisen gegenüber
der tatsächlichen Forschung und Entwicklung". Andererseits ist er
ein anspruchsvoller dummer Hund, denn "großartig" muß die Vision
schon sein. Herr Prof. Weingart kann sich nämlich nicht vorstel-
len, "daß Reagan den gleichen Erfolg mit der Vision gehabt hätte,
ein tiefes Loch zu bohren." Obwohl er noch nie in einem Western
mitgespielt hat, soll übrigens "Lothar Späth der erste deutsche
Politiker gewesen sein, der die wahre Bedeutung von SDI erkannt
hat" (Respekt!).
Weniger blöd wird's wohl nicht zu machen sein, wenn man aus dem
alten Spruch "Der Krieg ist der Vater aller Dinge" "Krieg" durch-
streichen will.
Unter dem Titel "Die ehrbaren Hirne" läßt ein ebensolches seine
fundierten Erfahrungen in Sachen Rüstungstechnologie vom Stapel:
Bernard T. Feld
---------------
seinerzeit Mitarbeiter des Manhattan Project - des Projekts zur
Entwicklung der Atombomben für Hiroshima und Nagasaki. Dieser Ex-
perte gibt einerseits zu bedenken, daß heutzutage "interessante
Forschungen nur noch in Militärlabors stattfinden". (Wohl im Un-
terschied zu so zivilen Angelegenheiten wie dem alten
"Manhattan"?) Andererseits sind heute "die absoluten Spitzenwis-
senschaftler nicht mit SDI befaßt."
Ja früher - das waren halt noch Zeiten, Bernard.
Bernd Mahr
----------
Professor für Informatik an der Uni Osnabrück, kann nicht nur
schöne Überschriften basteln: "Poker-Phase oder Die Unberechen-
barkeit einer Vision", sondern wagt auch "einen unerschrockenen
Abstieg ins Detail". Dabei fördert er Folgendes zutage: 1. Die
Sache mit der Hardware ist schon ein Problem. 2. Und dann erst
die Software, schwierig, schwierig keinesfalls gelöst. 3. Weiß
das alles das Pentagon selber. Deshalb wird ja geforscht, auf
Teufel komm raus. 4. Darf man deshalb nie prinzipiell sagen: "Es
geht nicht." Das wäre unwissenschaftlich, denn "ein Wissenschaft-
ler greift weit entfernte Ziele an,... setzt seinen Geist ein, um
Hindernisse zu beseitigen". Für die Erkenntnis hätte er sich
seine tiefgründigen Ausführungen über Software, Gallium Arsenid
statt Silicon, Optical, Processing und , Parallelrechner wirklich
schenken können. Daß die technischen Probleme von SDI noch nicht
gelöst sind, ist doch wohl der Ausgangspunkt sämtlicher Pentagon-
Forschungsprojekte.
Aber er will ja noch 5. mitteilen, daß man vielleicht "kein prin-
zipielles, sondern ein pragmatisches Nein" versuchen könnte. Die
Sache mit der Zuverlässigkeit ist nämlich auch ganz schön ver-
trackt. Ihm ist "eingefallen, daß bei SDI der Ernstfall vorher
nicht ein paarmal als Test" zu haben ist. 6. Meint er aber, daß
"auch dieser Einwand letztlich nicht beweisbar ist".
Nachdem er endlich alles erzählt hat, was er von Informatik weiß,
kann er jetzt endlich unbefangen die Frage beantworten, was von
SDI zu halten ist. Und siehe da: "Die Initiative dient vielen
Zwecken und ist deshalb auch nur schwer zu beurteilen." (Na
bravo!) "Sie sammelt unter einer Vision Aufgabenstellungen, die
sich mit dem gegenwärtigen Repertoire der Informatik und Daten-
verarbeitung nahezu decken." (Was für ein Zufall!)
7. Fällt dem guten Mann noch ein, daß das schöne System eine
"Nebenwirkung" (!) haben könnte: "die Erhöhung der atomaren Erst-
schlagskapazität der USA". Und "dadurch fühlen (!) sich die Rus-
sen durch SDI bedroht". (Einfach süß!)
Soll man jetzt wegen dem zu erwartenden "Technologieschub" für
SDI sein, oder wegen der "Nebenwirkung" dagegen - oder wie, oder
was???
Wir nähern uns dem Höhepunkt des Buchs. Der Mann, der es wissen
muß,
David L. Parnas
---------------
Professor für Informatik, hat dem Pentagon einen B r i e f ge-
schrieben, in dem er seinen Rücktritt als Mitglied des SDIO-Aus-
schusses (Ausschuß zur Computerunterstützung der Kampfführung)
erklärt. Eine unbedingt empfehlenswerte Lektüre für alle, die
schon immer einmal über Software mitlabern wollten.
Es versteht sich von selbst, daß die Schlußfolgerungen des Mannes
"nicht auf politischen Urteilen beruhen". "Ich hatte bisher keine
Einwände gegen Verteidigungsbemühungen." (Sonst hättest Du es
auch im Leben nicht bis in diesen Ausschuß gebracht!) Er blickt
zurück "auf eine mehr als zwanzigjährige Erfahrung mit der Soft-
ware-Engineering-Forschung Dazu gehören mehr als achtjährige For-
schungsarbeiten über Echtzeit-Software zum Einsatz von Militär-
flugzeugen." Kurz, der Junge kennt sich verdammt gut aus bei der
Kriegsführung. Früher zum Beispiel "befanden sich Notizen zur
Fehlerbeseitigung an den Wänden von LKWs, die Rechner zum Einsatz
in Vietnam transportierten". Eine gute, solide Kriegsführung war
das damals. Denn "erst durch solche Modifikationen wird Software
zuverlässig. In dem 30minütigen Krieg... würde es keine solchen
Gelegenheiten geben." Scheiß-Ernstfall - zu kurz, zu hektisch!
Außerdem ist "die SDIO eine typische Organisation von Technokra-
ten... kein einziger, der reale Battle-Management-Software ent-
wickelt hat". (Stümper!) Vielleicht sollte sich der ehrenwerte
David L. Parnas mit dem ehrbaren Bernard F. Feld zusammentun, da-
mit der Laden läuft.
Worin dieser Mann der Wissenschaft schiefliegt und wieso er seine
Kollegen im SDIO-Ausschuß in ihrem Vorhaben keineswegs erschüt-
tert hat, könnte er beim Kollegen Bernd Mahr nachlesen - Stich-
wort: "Der Wissenschaftler greift weit entfernte Ziele an..."
Ein alter Bekannter,
James J. Horning
----------------
der mit der fliegenden Schweinezucht vom Anfang, äußert sich
diesmal in seiner Eigenschaft als Naturwissenschaftler. Er war
nämlich auch als Gast beim SDIO-Ausschuß. Von dort hat er inter-
essante Nachrichten mitgebracht. "Die Mitglieder des Ausschusses
sind keine Verrückten." Sie wissen tatsächlich, daß sie den Auf-
trag haben, sich um die Lösung der noch nicht bewältigten Pro-
bleme von SDI zu kümmern. Ihren Ex-Kollegen Parnas haben sie
richtig verstanden. "Kritiker bilden ein unbezahltes rotes Team
und spielen eine nützliche Rolle, bei der Erkennung von Schwach-
stellen im Programm."
Kurz und gut, James ist "froh, daß der Ausschuß seinen Auftrag
ernst nimmt, Informationen entwickeln, auf die man sich bei einer
Entscheidung über die Aufstellung getrost stützen kann". Wahr-
scheinlich hat sich der Feigling bloß nicht getraut, denen die
Story von den fliegenden Schweinen zu erzählen. Da wären die
vielleicht platt gewesen.
Gerd Grözinger
--------------
Soziologe an der TH Darmstadt, tritt zum x-ten Mal die Idee vom
Rüstungswettlauf, der ein Wahnsinn sein soll, breit. Er verfährt
dabei nach dem bewährten Muster: Stellen wir uns mal ganz blöd
und interessieren uns überhaupt nicht für die politischen Gründe
der Gegnerschaft zwischen den Blöcken, dann ist die große Politik
doch eigentlich ein großes Poker-Spiel. Da sitzen zwei sich ge-
genüber und jeder hat Angst und rüstet und mißtraut dem Gegner
und rüstet... und rüstet. Eh man sich's versieht, hat dann "ein
Automatismus die Macht ergiffen, der in letzter Konsequenz Welt-
untergangsmaschine ist". Und jetzt wollte der Ami mit SDI den
Wahnsinn (Overkill und so) stoppen - an sich konsequent. Aber
wie's halt beim Pokern so zugeht, gibt das bloß wieder eine neue,
schnellere Rüstungsspirale...
Wenn man sich die Welt schon partout als ein höchst wackliges Po-
kerspiel um den Frieden vorstellen will, kann man dann auch läs-
sig offensiv zu spinnen anfangen: "Wozu das alles? Um ein paar
Kilogramm spaltbaren Materials einige tausend Kilometer weit zu
transportieren. Als ob das nicht billiger zu haben wäre. Dazu muß
man nur die Atomwaffen dort stationieren, wo sie gebraucht werden
- am potentiellen Einsatzort." Genau! Warum sind die Blödmänner
nur nicht schon eher auf diese geniale Vereinfachung verfallen?
Grant Johnson
-------------
ist zwar eigentlich Computer- und Telekommunikationsberater in
Frankfurt, aber er scheint sich öfter an den geisteswissenschaft-
lichen Abteilungen der dortigen Universität herumzutreiben.
"SDI und der Einbruch des Phantastischen" hat er als Überschrift
gewählt. Das muß man sich so vorstellen: Die Atombombe ist ir-
gendwie in "die Sittengeschichte der Menschheit hineingeplatzt".
Deshalb "kann in diesem Zusammenhang weder von einer historisch
sich entwickelnden Versittlichung der Gewaltverhältnisse noch von
kollektiver Sublimierung die Rede sein". "Die tierpsychologische
Streß- und Deprivationsforschung" hat nämlich längst bewiesen,
daß über kurz oder lang "das Individuum sich mit einem Schuß von
der Realität abkuppelt." (Mensch, wie eine Rakete!) "Das Indivi-
duum verzichtet global und überraschend auf bewährte Überlebens-
strategien, ohne vordergründig dem Todeswunsch zu verfallen
(tapfer!), und gibt sich phantastischen, für die Realitätsbewäl-
tigung völlig nutzlosen Vorstellungen hin!" (Was man an Frankfur-
ter Computerberatern fraglos feststellen kann.) Logo, daß Reagan
dann auf den Dreh mit SDI gekommen ist - als "Wende zum Positiven
zur positiven Negativität". (Wau!) Und außerdem hat der amerika-
nische Kongreß dann auch noch "wenige Tage nach der Genfer Unter-
redung und - scheinbar - vollkommen unabhängig davon"
(raffiniert!) ein Gesetz zur Behebung der Haushaltsdefizite ver-
abschiedet, mit dem sie den "Übergang zur algorithmischen büro-
kratischen Scheindemokratie" eingeleitet haben.
Alles klar? Einfach phantastisch!
Nachdem schon mehrfach versichert wurde, daß bei der Software ei-
niges im Argen liegt, wird's Zeit, daß zur Abwechslung auch mal
ein Laser-Experte zu Wort kommt.
Werner Fuß
----------
vom Max-Planck-Institut für Quantenoptik gibt zu bedenken, daß es
beim Laser auch nicht zum Besten steht. Er macht sich Sorgen, ob
die verantwortlichen SDI-Planer die sowjetischen Gegenmaßnahmen
auch ausreichend berücksichtigen. Er hat alles genau durchgerech-
net und meint, "wir" könnten auch jetzt schon ganz zufrieden
sein: "Mit der Treffsicherheit, die die Sowjets jetzt und in na-
her Zukunft erreichen können, werden sie bei einem massiven An-
griff immer etwa fünf Prozent z.B. unserer strategischen Raketen
(mit zusammen 500 Sprengköpfen) verfehlen. Hinzu kommen die U-
Boote, die in diesem Jahrhundert noch unverwundbar bleiben dürf-
ten, da die Sowjets sie auch in den nächsten 15 Jahren nicht wer-
den orten können. Ein einziges funktionsfähiges U-Boot der Tri-
dent-Klasse mit seinen 250 Sprengköpfen genügt für 250 Städte im
Ostblock... Der Vergeltungsschlag ist also auch ohne Raketenab-
wehr gesichert."
So denkt sich das der Heim-Stratege. Und was ist, wenn die Ver-
antwortlichen der Nato das ganz anders sehen? Wenn denen ihre
Atomraketen viel zu schade dafür sind, lächerliche fünf Prozent
für einen Zweitschlag übrig zu behalten? Wenn es denen schon
lange stinkt, daß Sie durch die Drohung, die von den sowjetischen
Interkontinentalrakten ausgeht, in der freien Kalkulation des
Einsatzes von Nato-Atomwaffen behindert werden? "Selbstab-
schreckung" heißt übrigens das schöne Wort, das US-Strategen für
diesen ihrer Meinung nach unerträglichen Zustand geprägt haben.
Ein Schluß von den geforderten militärischen Mitteln auf die po-
litische Absicht will der Laser-Experte partout nicht ziehen.
Seine seitenlangen Ausführungen zu den neuesten Finessen der La-
ser-Technik führen zum längst vorher feststehenden Glaubensbe-
kenntnis des braven Untertanen: Die eigene Obrigkeit kennt nur
die besten Ansichten. Sie will den Frieden sichern - dabei unter-
laufen ihr Fehler. Der (potentielle) Angreifer - das sind immer
die andern!
Peter Schmitt
-------------
Vorsitzender des Aufsichtsrates der Deutschen Imperial-Chemical-
Industries, darf auch seinen SDI-Senf ablassen. Er riesenhubert
vor sich hin, daß sich die Balken biegen: Was dem Cowboy sein "Go
West" war, ist dem Schmitt sein "Go Space". (Das hatten wir doch
schon.) Überhaupt, wenn wir das Weltall nicht hätten - "dann
säßen wir unter der Käseglocke" (grauenhaft!), "man muß sich dazu
nur den Bevölkerungsdruck vor Augen halten". (Neger ins All, oder
wie, oder was?) Philosophieren kann er auch: "Nichtwissen macht
blind. Und Wissen hat fast (das wird der Herrgott sein) keine
Grenzen." Also auf geht's, Menschheit; "die Segel gesetzt in
einen neuen Ozean voller kosmischer Wunder". Nicht ohne vorher
"das Geld zu bündeln und in die besten Köpfe der Welt zu inve-
stieren". Keinesfalls, damit kapitalistische Unternehmen sich an
der Rüstungstechnologie dumm und dämlich verdienen - nein, dann
werden "Mangelerscheinungen wie Hunger, Gier, Bedrohung gleichsam
nebenher verschwinden".
Ja, so sind sie, die Manager des Kapitals, immer zu kindlichen
Scherzen aufgelegt. Man sollte dem Mann glatt eine Freifahrt beim
nächsten Challenger-Segelflug vermitteln.
Seriöser geht's dann wieder bei
Horst Afheldt
-------------
zu, Leiter der Arbeitsgruppe über Sicherheitspolitik in der Max
Planck Gesellschaft. Der Starnberger will mal wieder auf seine
Lieblingsidee raus: Die Bundeswehr muß noch stärker konventionell
aufgerüstet werden, natürlich in Abstimmung mit den restlichen
Westeuropäern - wir sind ja nicht so. So richtig gemütlich wird's
nämlich in Europa, wenn wir die "reine Defensivfähigkeit der kon-
ventionellen Verbände" unserer Wehrmacht hergestellt haben. Was
immer das sein soll, "die deutsche Rüstungsindustrie hat auf die-
sem Gebiet beachtliche Forschungs- und Entwicklungsarbeiten
geleistet".
Und Afheldt hat auch noch einen heißen Tip auf Lager. Es kommt
dabei einfach darauf an, "feindliche Panzer und Flugzeuge zu ver-
nichten, die Europa angreifen". Genial, diese "strukturelle
Nichtangriffsfähigkeit" - Angreifer werden abgeballert, ansonsten
wird "zurückgeschossen". Davon hätten dann West und Ost einen
deutlichen "Sicherheitsgewinn". Wir haben die konventionelle Rü-
stung der SU im Griff. Und der Russe könnte endlich seine Be-
fürchtungen lassen, daß von Westeuropa ein Angriff ausgehen
könnte. Befürchtungen, die man in Starnberg "politisch mit eini-
gem Recht für irreal hält". Verständlich, wo doch schon im Grund-
gesetz steht, daß unsere niedliche Bundesrepublik sowieso nur
eine Verteidigungsarmee hält und sich ansonsten um die Wiederver-
einigung des Vaterlandes zu kümmern hat.
Da das Buch nun mal um SDI geht, macht Afheldt sich selbstver-
ständlich die Mühe und leiert seinen idyllischen "3. Weg" auch
noch aus einem angeblichen Dilemma des US-Präsidenten her. Ein
Dilemma, das Reagan zwar nicht kennt, in das man sich in Starn-
berg dafür aber um so eindrucksvoller mit Hilfe von Tabellen und
Schaubildern einfühlen kann. Man muß nur felsenfest davon ausge-
hen, daß Waffen prinzipiell zur Kriegsverhinderung da sind und
Kriege immer nur aus politischen Fehlern entstehen, dann kann man
SDI sogar als eine politisch verantwortungsvolle Konsequenz aus
der "Ära der Abschreckung" verstehen. SDI steht dann nämlich für
"Frieden aus eigener Kraft", "Abschreckung ist geliehene Sicher-
heit". Dann noch minuziöse Rechnungen - Ergebnis: Ein paar
Sprengköpfe kommen immer durch, der Abwehrschirm ist also nicht
perfekt -, und schon hat man das schönste Dilemma beisammen. Vor
lauter Kriegsverhüten zwingt der US-Präsident sich am Ende selber
zum Erstschlag. Der Weg zurück zur "Ära der Abschreckung" ist
auch noch versperrt - damit fing das Dilemma ja an (s. oben) und
schon schreit die Menschheit nach dem "3. Weg"...
Karl-Heinz Harenberg
--------------------
Fachredakteur beim NDR, hat auch was geschrieben: "Schutz oder
Rache: Minima Militaria". (Hm, das zergeht einem Intellektuellen
doch auf der Zunge.) Sonst wird man bei ihm ungefähr zum 12. Mal
in diesem Buch darüber aufgeklärt, daß die Nato-Doktrin von der
"gegenseitigen gesicherten Zerstörung" auf englisch "Mutual Assu-
red Destruction" heißt. Und das kann man wahrhaftig auch MAD ab-
kürzen, das ist auch englisch und heißt auf deutsch "verrückt".
(Lustig, gell?) Weiter ist ihm auch nichts Neues eingefallen.
Der letzte Autor
Stefan Welzk
------------
ist Physiker, Philosoph und auch noch Ökonom an der Uni Konstanz.
Aufgrund dieser Überqualifikation ist ihm das Motto seines Auf-
satzes wahrscheinlich nur so zugeflogen. Trotzdem, er kriegt den
ersten Preis für seine Überschrift: "Aphrodisiacum Technicum oder
Wie ich die Laser lieben lernte", zumal er auch noch ein Zitat
von Hugo von Hofmannsthal herausgesucht hat.
Zum Thema selbst meint er dann: Wie geplant klappt SDI nie. Er
persönlich könnte sich aber so eine Art Mini-SDI-Systeme vorstel-
len. Die würden ihm eigentlich ganz gut gefallen. Man könnte sie
nämlich den Westeuropäern geben, die könnten dann damit ihre
Atomraketensilos schützen. Und das würde dann irgendwie den Welt-
frieden enorm sicherer machen. Man könnte aber auch, bevor "SDI
wegen technischer Schwierigkeiten in zwei Jahren abgeblasen wird"
(das sind seine "neuesten Meldungen aus der Gerüchteküche des
Pentagon"), die Angst der Russen ausnutzen und in Genf heraus-
schlagen, "was die Stunde hergibt". Aber ihn fragt ja mal wieder
keiner!
Fazit
-----
Daß SDI irgendwie, irgendwo, irgendwann höchstwahrscheinlich
daran scheitern wird, daß es nicht geht, hat man von den
"kritischen Experten" immer schon gehört. Daß SDI aber auch Anlaß
gibt zu einer strategisch-literarischen Dichter-und-Denker-In-
itiative (SLDDI), braucht es schon den undogmatischen Wagemut des
"Kursbuch"-Teams.
zurück