Quelle: Archiv MG - BRD OPPOSITION FRIEDENSBEWEGUNG - Von Waffen und Moral
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Friedensbewegung in der DDR
DIE FRIEDENSBEWEGUNG GEHT NACH DRÜBEN
Die Friedensbewegung in der Bundesrepublik hat die Friedensbewe-
gung in der DDR entdeckt. Brav folgt sie der Anweisung, die jede
Kritik an der Bundesrepublik seit ihrer Gründung als Dienst am
Feind entlarvt: Zu mindest theoretisch geht sie nach drüben und
erklärt sich solidarisch mit den inneren Gegnern des feindlichen
Systems - längst bevor die wissen, ob sie welche sind.
Die Friedensbewegung in der DDR hat diese Sorte Solidarität
durchaus verdient. Sie verleiht nämlich einem genuin DDR-deut-
schen Freiheitsdrang Ausdruck. Gegen die Vorbereitung des welt-
weiten Verteidigungsfalls durch die NATO will sie nichts gesagt
haben. Die friedensbewegte Jugend der DDR will mit Politik nichts
zu schaffen haben: Sie will Gewissen zeigen dürfen.
G e w i s s e n: nichts als die herzensgut-saublöde Meinung, daß
es der Menschheit gut anstehen würde, Waffen zu verabscheuen und
Pflüge für gut zu halten. Genauer bezüglich ihres Adressaten wol-
len sie sich ebensowenig äußern wie über die Zwecke, die ein und
dieselbe P o l i t i k mit Waffen u n d Pflügen verfolgt.
Z e i g e n: die zitierte Auffassung am Gewand mit sich herum-
tragen; wenn sie als Bausoldaten schon die schmutzigen Waffen
nicht anzufassen brauchen, auch nicht den Namen Soldat tragen
müssen;
D ü r f e n: E r l a u b t soll es sein, das Aufnähertragen und
ein sozialer Friedens-Staatsdienst.
Und dieser ehrenwerte Standpunkt hat, nachdem ihm alltäglich un-
ter Anleitung des Westfernsehens der Systemvergleich aufgemacht
und die BRD als ein einziger Hort des e r l a u b t e n
G e w i s s e n s vorgeführt wird, das Bedürfnis entwickelt, die
eigene Moralität ebenso bunt und lieb vortragen zu dürfen.
Schließlich loben ja auch die eigenen staatlichen Organe die
westdeutsche Friedensbewegung über den grünen Klee.
Während in der BRD jede Distanz zu den nationalen Aufgaben auf
den Kommunismusverdacht hin überprüft wird, während die Parteien
sich untereinander sehr einig sind, was dem Bürger wegen der Auf-
rüstung zu gemutet werden muß, während hier der Friedensbewegung,
trotz ihrer Friedfertigkeit eine Auflage nach der anderen gemacht
wird, bewundert der Staatsbürger/Ost die paradiesische Freiheit,
sich die Argumente fürs Untertanensein aus dem ebenso breiten wie
eintönigen Angebot selbst auswählen zu dürfen. Da steht die so-
zialistische Menschengemeinschaft schlecht da, weil sie nicht er-
laubt, neben dem Mitmachen das Selbstbewußtsein ganz origineller
persönlicher Verantwortlichkeit zu pflegen und stattdessen nur
Bekenntnisse zur staatlich vorformulierten Moral verlangt. Man
kann sich sogar für den eigenen Staat schämen, es als Schande für
die DDR nehmen, daß sie Demonstrationen für den Frieden neben ih-
rer Friedenspolitik für überflüssig erklärt, und sich persönlich
aufgerufen fühlen, Abhilfe zu schaffen. Oder aber man sieht im
Frieden ganz einfach eine gute Sache, für die man als guter
Mensch auch "mal selber etwas tun" möchte.
Abrüstung der DDR zur Aufrüstung der Kirche
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Das Verdienst, mit dieser Sorte moralischen Engagements eine
"Bewegung" gegründet zu haben, kommt den evangelischen Kirchen
zu. Und der Gründungsakt war ebenso einfach - nämlich mit der
Verteilung des Aufnähers passiert - wie genial: ein berechnender
Schachzug, der eigenen Obrigkeit mit einem Symbol der sowjeti-
schen Friedensliebe zu kommen.
Mit dem Bibelspruch "Schwerter zu Pflugscharen" und der Abbildung
einer von der UdSSR der UNO geschenkten Scheußlichkeit des sozia-
listischen Realismus haben die Gottesbrüder 1. die Bibel, 2. die
UdSSR und die eigene Satellitenregierung ideell hinter sich ge-
bracht, melden 3. mit der ganzen scheinheiligen kirchlichen Bra-
vheit Protest gegen die Politik der DDR an und empfehlen sich als
Sammelbecken oppositioneller Staatsbürgermoral.
Im Unterschied zu den westdeutschen Kollegen betreiben die DDR-
Synoden nämlich O p p o s i t i o n. Die bundesdeutschen Kir-
chen haben die Frage "Gewissen und Politik" nach ausgiebiger Be-
fragung des obersten Herrn entschieden; viel Gewissen erlaubt
noch lange nicht, der Politik Schwierigkeiten zu machen; umge-
kehrt ist Respekt geboten gegenüber dem "Amt der politischen Ver-
antwortung" weil es "eine gnädige Anordnung Gottes ist"; und der
"Versuch, einen Frieden in Freiheit durch Atomwaffen zu sichern",
geht mit dem christlichen Gewissen in Ordnung (EKD-Friedensdenk-
schrift).
Die Ostevangelen hingegen wollen es zwar nicht "wagen", den Wehr-
dienst zu verurteilen,
"Wir halten daran fest, daß Christen auch in unserer Zeit trotz
des erklärten Risikos den Dienst in der Armee wagen können",
erklären sich aber um so entschiedener zur Partei für alle, denen
ihr Gewissen mehr als die Unterwerfung unter die staatliche Frie-
denspolitik abverlangt. Sie scheuen sich nicht, für eine einsei-
tige Abrüstung ihres Staatswesens zu plädieren:
"Die Synode spricht sich für kalkulierte und mit den Verbündeten
abgestimmte Vorleistungen in der Abrüstung, zum Beispiel Reduzie-
rung der SS-20Raketen, und für defensive, bedrohungsarme Sicher-
heitssysteme, zum Beispiel Abbau der zahlenmäßigen Panzerüberle-
genheit, aus."
In allerchristlichster Demut natürlich,
"Wenn unsere Kirchen diese Anregungen vortragen, respektieren sie
das politische Mandat des Staates, für die Verwirklichung solcher
Überlegungen zu sorgen."
Die bundesdeutsche Öffentlichkeit rechnet der DDR-Kirche hoch an,
was sie ihr in der BRD nie durchgehen lassen würde: eine rein po-
litische Forderung, noch dazu die nach einseitiger Abrüstung.
Freilich bieten die Hiesigen dazu auch keinen Anlaß. Während die
Kirchen in der Republik sich in aller Staatstreue von der Frie-
densbewegung distanzieren, bzw. einzelne Kapläne in ihr für die
Reinheit des Geistes sorgen, machen sie in der DDR selber eine
auf. Und das ist in beiden fällen bloß K i r c h e n politik -
mit dem kleinen Unterschied, daß die Kirche/West in aller Zufrie-
denheit mit der Staatsgewalt, unter der sie die Abteilung öffent-
liche Moral verwalten d a r f, ihre Knechtsgesinnung predigt
und die Waffen segnet, während die Kirche/Ost gegen einen Staat,
der von einer Arbeitsteilung mit dem Vatikan nichts hält, zäh und
hartnäckig ihr Terrain zurückerobert.
Schafe im sozialistischen Wolfspelz
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Dabei hat sich die DDR-Kirche im Unterschied zu den erfolgreiche-
ren polnischen Brüdern eine besonders anbiedernde Taktik zuge-
legt. Sie beteuert ständig, daß sie gegen die Behörden nichts ge-
sagt haben will, wenn sie ihnen mit dem eigenen Friedensideal
eine wehrunwillige Jugendbewegung organisiert. Sie kann überhaupt
nicht verstehen, warum die Behörden das nicht gerne sehen und das
"dadurch erwachende Bewußtsein für die Friedensverantwortung un-
genutzt bleibt."
Sie ist ja außerordentlich d a f ü r,
"Wir unterstützen die Abrüstungs- und Friedensinitiativen, die
seit Jahren von der Sowjetunion ausgehen und die nach unserem
Eindruck im Westen gesprächsoffener und verhandlungsbereiter auf-
genommen werden sollten.",
möchte ja b l o ß unter der unverdächtigen Flagge ein bißchen
in eigener Sache tätig werden und zeigen, "daß auch die Friedens-
bemühungen unseres Staates den christlichen Abrüstungsimpuls
n i c h t e r ü b r i g e n."
Und wenn die Staatsmacht schon immer behauptet, daß ihr der
Friede das Höchste sei, muß auch die Frage gestattet sein dürfen,
ob man da mit der Verteidigung nicht etwas übertreibt und ob
nicht
"nach unserer Erkenntnis Erfordernisse der militärischen Sicher-
heit über das Maß des unbedingt Notwendigen hinaus geltend ge-
macht werden."
So taktieren die Kirchen im realen Sozialismus: Sie heucheln
Loyalität gegenüber der Staatsmacht, der sie schon einige Pre-
digtfreiheit verdanken und der noch mehr Raum für die Organisa-
tion von "Glaubens- und Gewissensfreiheit" abgehandelt werden
soll, und lassen sich auf der anderen Seite den Friedensknüller
nicht entgehen. Das fördert den Nachwuchs, der wiederum mit sei-
nen Bekenntnissen die Behörden unter Druck setzt, was der Kirche
die Position verschafft, den Anwalt der Unschuldigen zu spielen
und für neuen Zulauf sorgt.
Erst wird die Jugend mit dem Friedensaufnäher in die Welt ge-
schickt. Dann reagieren die Staatsorgane auf die vorhersehbare
Weise, mißmutig. Dann erklärt die Kirche den jurigen Menschen,
dies sei ein bedenklicher Angriff auf ihre "Entwicklung zu eigen-
ständigen Persönlichkeiten", legt ihnen alles als großes Gewis-
sensproblem nahe,
"Ihr müßt überlegen, welche Bedeutung dieser Aufnäher für Euer
Friedenszeugnis hat, ... danach entscheidet...",
und wäscht, nachdem sie sich einiger Gewissenstäter sicher sein
kann, ihre Hände in Unschuld:
"Wir müssen Euch aber sagen, daß wir nicht mehr (?) in der Lage
sind, Euch vor den Konsequenzen, die das Tragen des Aufnähers
jetzt mit sich bringen kann, zu schützen (?)!"
Geistigen Beistand gibt es im Überfluß: "Haltet Euch an erfahrene
Gemeindemitglieder, sprecht mit Kirchenältesten, geht zu Eurem
Pfarrer. Wenn einer von Euch doch in Schwierigkeiten gerät, die
über seine Kräfte gehen, dann soll er wissen: Die Fürbitte der
Gemeinde umgibt und tragt ihn."
Die Staatsmacht verbittet sich ebenso wie die westdeutsche eine
unbefugte Einmischung in ihre Politik; sie setzt ebenso wie die
westdeutsche gegen die friedensbewegte ihre Parole: Frieden
schaffen m i t Waffen.
Eine Zeitlang sieht sie dem Wapperltragen zu, auch um die Glaub-
würdigkeit ihrer Friedensliebe jenseits der Grenze nicht in Zwei-
fel ziehen zu lassen. Nachdem ihr das mit der begeisterten Be-
sprechung gedankt worden ist, daß es jetzt auch endlich in der
DDR eine richtige Opposition und echte Bewegung gibt - das west-
deutsche Fernsehen immer eilfertig zur Stelle -, will sie sich
auf die praktische Unterwürfigkeit ihrer Jugend nicht länger ver-
lassen und dringt auf die Beseitigung des Anscheins, es könnte
jemand was gegen die Friedenspolitik der Partei gesagt haben. Sie
tritt an die Jugend heran, diese möchte auf das Signum einer mög-
licherweise sozialismusfeindlichen Einstellung verzichten. Sonst
käme man nicht umhin, dem Verdacht durch Unannehmlichkeiten
nachzuhelfen.
Es ist geschafft: Die Friedensbewegung in der DDR steht.
Die Friedensbewegung/West hilft den Brüdern und Schwestern
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So entwickelt sich ohne Absprache eine arbeitsteilige gesamtdeut-
sche Friedensbewegung: Hier nimmt man sich den Vorwurf der Ein-
seitigkeit zu Herzen, entdeckt den nationalen Feind als den eige-
nen und säubert die eigenen Reihen von der "Agentur des anderen
Blocks" (Bahro). Dort nimmt man sich an der Bewegung in der BRD
ein leuchtendes Vorbild, tritt ganz einfach für das Recht ein,
ebenso demonstrieren zu dürfen, daß man ein eigenes, persönliches
Gewissen hat, das dem Frieden verpflichtet ist und tritt so ziem-
lich e i n s e i t i g gegen die DDR auf: Einen ä u ß e r e n
Feind kennt die Friedensbewegung in der DDR nicht. Wenn sie ihrem
eigenen Staat sein erklärtes Ideal vorhält, dann unterscheidet
sie sich von der hiesigen Friedensbewegung: Diese bemerkt, daß
der Westen in der Offensive ist, und unterstützt das mit der
Parole "Freiheit - unteilbar!" Die Friedensfreunde im realen So-
zialismus wollen dagegen von NATO-Offensiven und westlicher Auf-
rüstung nichts wissen. Stattdessen verlangen sie vom eigenen
Block den Nachweis glaubwürdiger Friedfertigkeit ausgerechnet
durch das Eingehen auf Reagansche "Abrüstungsvorschläge". Damit
machen sie sich zum nützlichen Idioten für hiesige Propaganda und
zum brauchbaren Partner für westdeutsche Friedenspolitiker.
Sich als Idealist der Politik, als unbeirrbarer Friedensliebhaber
gerieren, heißt eben in beiden deutschen Staaten etwas Verschie-
denes. Was hier als moralische Sorge um den Bestand der Nation
zur Unterwerfung unter deren reale politische Vorhaben taugt, be-
wirkt in der DDR das Gegenteil: einen Streit mit den Staatsorga-
nen, was erlaubt sein müßte. Mit ihrer eilfertigen Empörung über
diesen Sachverhalt gelingt der westdeutschen Friedensbewegung -
an der Spitze Eppler und die Grünen, "theoretische" Rückendeckung
von Bahro - eine allgemein anerkannte Verbeugung vor den Zwecken
unserer Nation, wenn sie "Solidarität mit der Friedensbewegung in
der DDR" auf ihre Fahnen schreibt. Das genügt ihr aber nicht:
Noch ehe ein einziger Schüler in der DDR wegen des Aufnähers von
der Schule geflogen ist, ein einziger Lehrling seine Stelle ver-
loren hat, wird der DDR-Bewegung Solidarität gegen die
"Repression" ihres Staats angedient - quasi als Aufforderung, die
zu ihr gehörenden Opfer durch kompromißloseres Vorgehen nach-
zuliefern. So werden Beweise geschaffen, ganz unabhängig davon,
ob und wie die DDR-Behörden das tun, was sich Bahro wünscht,
"junge Menschen drangsalieren, die den Aufnäher tragen".
Wenn man die DDRler nur lange genug zur unterdrückten Opposition
hochstilisiert und als solche einlädt, wird es sicherlich zu den
entsprechenden Verboten kommen, womit dann alles klar ist.
"Wer demonstriert in Moskau?"
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(Spruchband, von einem Flugzeug über die Bonner Demonstration am
10.10. gezogen)
Heinrich Böll, sein Vorzeigekommunismusopfer Kopelew immer unterm
Arm, hat jetzt der Friedensbewegung offiziell die Auflage ge-
macht, für demokratische Wühlarbeit im Osten zu sorgen:
"Jede weitere Kundgebung, die nicht darauf Bedacht nimmt, die,
Friedensbewegung in der DDR zu stärken, schadet der Friedensbewe-
gung hier."
Warum und wieso, kein Argument nötig. Der Anstandsdackel der
deutschen Intelligenz braucht nicht zu begründen, warum die Frie-
densbewegung in einem Staat, der zur Eroberung des Ostens aufrü-
stet, kein wichtigeres Ziel hat, als die Friedensbewegung in dem
Staat zu stärken, g e g e n d e n aufgerüstet wird. Für die
Freiheit wird es doch wohl angebracht sein, die Wehrkraftzerset-
zung im Lager des vorgesehenen Opfers voranzubringen.
So werden die deutschnationalen Reihen geschlossen. Die FAZ lobt
die Stoßrichtung und leistet sich den Spaß, auch mal Verständnis
für die DDR zu heucheln:
"Niemand erwartet oder verlangt, daß die DDR-Führung ihre militä-
rischen Instrumente beiseitelegt. Der Spruch 'Frieden schaffen
ohne Waffen' ermangelt tatsächlich der Überzeugungskraft."
Aber?
"Aber entscheidend ist, ob man sich in eine sogenannte Friedens-
bewegung einreihen darf oder ob man bei solchem Tun zum Freiwild
wird. Solchermaßen schlägt die Friedensfrage plötzlich (?) in die
Freiheitsfrage um: In der Bundesrepublik darf dem Prinzip des be-
waffneten Friedens jeder seine private Absage erteilen, obwohl er
sie nicht einleuchtend vertreten kann. In der DDR wird ihm sogar
schon beim Verdacht entsprechender Gesinnung - mit repressiven
Mitteln entgegengetreten."
Ein merkwürdiges Argument: Wenn die Bundesregierung gemeinsam mit
sämtlichen offiziellen Politikern die Friedensbewegung als eine
unerwünschte Opposition behandelt, nie würde - sich da jemand
einfallen lassen, daß sich damit die behauptete Friedenspolitik
von Schmidt und Genscher blamiert. Bei der DDR genügt es, festzu-
stellen, daß sie sich keine Friedensbewegung leisten will, und
alles weitere steht fest: Drüben findet Unterdrückung statt; eine
Politik aber, die die Friedensbewegung unterdrückt, kann sich
keine leisten, versucht also nur zu verbergen, daß sie militari-
stisch ist.
FAZ: Die nützlichen Friedensdeppen gehören also nach drüben.
Böll: "Der Rote Platz eignet sich vorzüglich für Friedensdemon-
strationen."
Bahro: "Ihr (DKP und Ostblock) Friede muß bewaffnet sein", die
Waffen im Ostblock sind also der Skandal.
Alle Friedensfreunde beherrschen also die Isolierung von Feinden
im eigenen Lager und die Spekulation auf subversive Kräfte im
Feindesland.
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Frieden gesamtdeutsch
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Auch in Sachen Nationalismus hat die Friedensbewegung/West ihre
ostdeutschen Bewunderer gefunden. Nach dem überwältigenden Erfolg
des gesamtdeutschen Abrüstungsappells an Breschnew - Erfolg, was
die Anzahl westdeutscher Unterschriften unter den ostdeutschen
Havemann-Brief betrifft, die die Wiedervereinigung zumindest im
Geiste geschafft haben - hat der Havemann-Freund Eppelmann, Ost-
berliner Jugendpfarrer, bekannt geworden durch seine "Blues-Mes-
sen" für die Jugend, entdeckt, daß der Frieden überhaupt eine be-
sonders deutsche Angelegenheit ist, und hat einen "Berliner Ap-
pell" lanciert.
"Wir schlagen vor: Verhandlungen zwischen den beiden deutschen
Staaten über die Entfernung aller Atomwaffen aus Deutschland.
Das geteilte Deutschland ist zur Aufmarschbasis der beiden großen
Atommächte geworden. Wir schlagen vor, diese lebensgefährliche
Konfrontation zu beenden. Die Siegermächte des 2. Weltkrieges
müssen endlich die Friedensverträge mit den beiden deutschen
Staaten schließen, wie es im Potsdamer Abkommen von 1945 be-
schlossen worden ist. Danach sollten die ehemaligen Alliierten
ihre Besatzungstruppen aus Deutschland abziehen und Garantien
über die Nichteinmischung in die inneren Angelegenheiten der bei-
den deutschen Staaten vereinbaren."
"Deutschland als Aufmarschbasis", das empört einen Friedenswie-
dervereiniger ganz jenseits der Realitäten, in denen sich weder
das eine noch das andere Deutschland offiziell als Aufmarschba-
sis, als Opfer seines Bündnisses begreift. Der ideelle Nationa-
lismus erspart sich die Kenntnisnahme, daß beide Deutschlande
sich gerade in der Anstrengung besonders einig sind, die Front-
staatenrolle für einen ansehnlichen Aufstieg der Nation auszunüt-
zen. Stattdessen werden sie in einem imaginären, unterdrückten
Friedenswillen, nämlich als ewige O p f e r des 2. Weltkriegs
vereinigt, die endlich ihre Friedensverträge bekommen sollen. Ein
DDR-deutscher Treppenwitz: Ausgerechnet im Vorfeld des 3. Welt-
kriegs gilt die "ordentliche" Beendigung des 2. neuerdings als
sicherer Weg zum Frieden. Ausgerechnet nach 37 Jahren Deutsch-
landpolitik der BRD, in denen sämtliche Deutschlandpolitiker von
Hallstein bis Bölling jeden Gedanken an Friedensverträge als An-
erkennung der DDR und Beleidigung des GG-Auftrags zur Wiederver-
einigung abgeschmettert haben, leistet sich ein Ostpfaffe die
idyllische Vorstellung, daß zwei endlich in die komplette Souve-
ränität entlassene deutsche Staaten einen Frieden miteinander ma-
chen würden, daß es nur so kracht.
Als ob er zeit seines Ostberliner Blues-Lebens nie mitbekommen
hätte, wie ganz speziell die BRD, ganz ohne, daß ihr die
"Besatzungstruppen" das aufgezwungen hätten, den Kommunismus zu
einer Krankheit erklärt, von der ganz speziell die BRD ihre Brü-
der und Schwestern befreien muß.
Man kann ja viel gegen die DDR einwenden, aber das möchten wir
wirklich gerne wissen, was an der Vorstellung, ohne Russen und
Amis, gesamt-deutsch unter uns zu sein, für einen DDR-Bürger ei-
gentlich so anheimelnd ist. Von der Bundeswehr die Staatsgrenze
schützen lassen? Von Lambsdorff und DGB die "verdeckten Arbeits-
losen" in den VEB freisetzen lassen? Oder will er bloß ein paar
Deutschrocker für seine Messen abbekommen?
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Vier typische DDR-Gemeinheiten
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1. Schießbefehl mit bundesdeutschem Gesetz legalisiert
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"Die Volkskammer legalisierte auch den bisher nur als Dienstan-
weisung bei den Grenztruppen der DDR bestehenden Schießbefehl.
Die Vorschrift des Grenzgesetzes über die Anwendung von Schußwaf-
fen entspricht fast wörtlich den entsprechenden Bestimmungen des
Bonner 'Gesetzes über den unmlttelbaren Zwang bei Ausübung öf-
fentlicher Gewalt durch Vollzugsbeamte des Bundes' von 1961."
2. Ein enttäuschendes Wehrgesetz
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Zuerst hat die DDR die in sie gestellten Erwartungen bezüglich
Militarisierung nicht erfüllt und den Wehrdienst nicht verlän-
gert. Stattdessen kopiert sie wieder die BRD und will verstärkt
Reservisten hinzuziehen. Dann gestattet sie auch noch den Einsatz
von solchen Wehrpflichtigen, "die aus religiösen Anschauungen
oder aus ähnlichen Gründen den Wehrdienst mit der Waffe ablehnen"
als Bausoldaten und läßt die nicht einmal länger "dienen" als die
ehrlichen Soldaten. Sie ist sogar so heimtückisch, die Bausolda-
ten ganz zivil,
"beim Straßen- und Verkehrsbau, aber auch in Versorgungseinheiten
und Gärtneperhapseien und in letzter Zeit im sozialen Bereich,
zum Beispiel in Lazaretten"
zu beschäftigen, bloß damit
"der Forderung nach Einführung eines sozialen Friedensdienstes
der Boden entzogen wird."
Aber immerhin konnten die DDR-Gesetzgeber ihre Absichten nicht
ganz verbergen und haben für den Verteidigungsfall die Einberu-
fung der Frauen in die allgemeine Wehrpflicht als Kannbestimmung
beschlossen. Oder sollten ihnen etwa ihre Agenten in der BRD be-
reits zugespielt haben, daß bei uns demnächst auch per Gesetz die
"bedingt Tauglichen" ein- und Frauen für "zivile Dienste" heran-
gezogen werden können?
3. Die DDR macht uns die Vorneverteidigung nach
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Die "Vertrauliche Verschlußsache G 572 910", die uns die DDR
wahrscheinlich aus Gründen der "gutnachbarlichen Beziehungen"
verraten hat, sieht vor, daß die DDR-Grenztruppen im Kriegsfall
in 70 Minuten Gefechtsbereitschaft herstellen und, statt weiter
ihre Grenze zu schützen, durch "überraschendes, entschlossenes,
handstreichartiges Handeln" Objekte auf dem Gebiet der BRD
"einnehmen, besetzen, halten oder zerstören".
"Die Weisung für die Grenztruppen macht sichtbar, daß es sich bei
den Grenzregimentern der DDR an der innerdeutschen Grenze um eine
Keimzelle der Aggressivität und der Friedensgefährdung handelt."
(Der deutschlandpolitische Sprecher der CDU)
Schließlich gebührt der NATO exklusiv das Recht auf Vornevertei-
digung, weshalb sie subversive Aktivitäten des Feindes hinter ih-
ren vorgeschobenen Linien nicht dulden will. Besonders gemein ist
dabei, daß die Grenztruppen der DDR, weil sie die Grenze für eine
Staatsgrenze, statt für eine nationale Schande halten, dem DDR-
Verteidigungsministerium unterstellt sind, während unser armer
Bundesgrenzschutz im Notfall mit einem liberalen Innenminister an
der Spitze saublöd dasteht.
4. Psychologische Kriegsvorbereitung durch Zivilschutz
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Daß die DDR zu allem Überfluß auch noch vorhat, im Ernstfall so
etwas wie einen Zivilschutz für ihre Bevölkerung stattfinden zu
lassen und jetzt schon dafür proben läßt - ganz widerwärtig. Da-
mit ist zumindest wieder mal klargestellt, wer hier der Milita-
rist ist. Schließlich wird bei uns nicht der Zivilschutz geplant,
sondern ausschließlich die Verwendung von Zivilisten zum Schutze
der Militärs vorbereitet. Da kann man nur dem ostdeutschen Frie-
denspfaffen Eppelmann und dessen überzeugender gesamtdeutscher
Beweisführung beipflichten:
"Das geteilte Deutschland ist zur Aufmarschbasis der beiden
großen Atommächte geworden... Sollten wir nicht auf die Übungen
zur sogenannten Zivilverteidigung verzichten? Da es im Atomkrieg
keine Möglichkeit einer sinnvollen Zivilverteidigung gibt, wird
durch diese Übungen nur der Atomkrieg verharmlost. Ist es nicht
womöglich eine Art psychologischer Kriegsvorbereitung?"
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