Quelle: Archiv MG - BRD OPPOSITION FRIEDENSBEWEGUNG - Von Waffen und Moral
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NEUESTE ERFOLGE AN DER FRIEDENSFRONT
Der Krieg, auf den augenblicklich hingerüstet wird, ist noch gar
nicht so richtig ausgebrochen - da laufen von der Heimatfront
schon erste Sondermeldungen ein, die von schönen Erfolgen künden,
für die auch bereits Helden und Opfer zur Feier anstehen: Die
zentrale deutsche Stellung, daß Rüsten dem Frieden und damit nur
"unserer Sicherheit" dient, also "defensiv" ist, lag zwar nicht
direkt unter Beschuß, konnte sich gleichwohl eben deshalb um so
glänzender behaupten. Beim Probealarm der Kameraden Friedensfor-
scher war von diesen einmal angenommen worden,
"Die mit mehreren nuklearen Gefechtsköpfen ausgestatteten und
treffgenauen Mittelstreckenraketen ließen einen entwaffnenden
Erstschlag möglich erscheinen." (Eppler)
Dank solchen Atomschlags - so tautologisch voll überzeugend -
"werde ein Atomkrieg wieder führbar". Kaum vorstellbar, wie ge-
fährlich doch die Macht des Atoms für das Pflänzchen Sicherheit
ist, wenn man es einmal theoretisch seines atomaren Schutzschil-
des beraubt! Klar also, daß eine Sicherheitspolitik dieser
selbstgewählten Herausforderung gewachsen sein muß: Ohnmächtig
darf sie auf keinen Fall sein. Mit dieser konventionellen, aber
sehr entschiedenen Antwort konnte der angenommene Angriff auf die
Politik entschieden zurückgewiesen und die Wehrübung bis Ende Mai
ausgesetzt werden.
Schließlich stand deren Glaubwürdigkeit auf dem Planspiel der
voll mobilisierten Erforscher gerade dieser entscheidenden Bedin-
gung d e s Friedens. Ernste Opfer sind auf dieser Seite gottlob
keine zu registrieren, wenn auch Hans Apel klagt, er fühle sich
auf seinem Posten nicht mehr wohl. Aber er will wie sein von Sor-
gen um den Frieden zerfressener Dienstherr Helmut Schmidt die
Flinte nicht ins Korn werfen, sondern tapfer ausharren.
Ihre abschreckende Glaubwürdigkeit in Sachen Friedenssicherung
steigert das ungemein, weshalb der Rat der Evangelischen Kirchen
in Deutschland zu dem ungeteilten Lob kommt:
"Die Bemühungen der gewählten Politiker, den Frieden zu sichern
und unser Land vor Schaden zu bewahren, sollten ungeachtet des
jeweiligen politischen Standortes ernst genommen werden. Unter
ihnen sind Christen, die ihr Gewissen am Evangelium prüfen. Sie
haben einen Anspruch darauf, als Glieder der Kirche Jesu Christi
geachtet zu werden."
Andererseits stehen auch schon die ehrenvollen Nachrufe auf die
noch zu erwartende größere Zahl von Opfern solcher Schaden von
unserem Lande abwendenden achtbaren Politik im Namen Jesu Chri-
sti:
"Dem demokratischen Staat dürfe die Unterstützung nicht aus Ent-
täuschung darüber verweigert werden, daß sich nicht in jedem Fall
die eigene politische Überzeugung in den Entscheidungen der Mehr-
heit wiederfindet. Dies sei eine der Ursachen gewesen, die vor 50
Jahren eine Demokratie in Deutschland zum Scheitern gebracht ha-
ben."
Da jedenfalls die Demokratie in Deutschland leben muß - und wenn
wir sterben müssen -, werden natürlich präventive Schläge der
Friedenspolitik nach innen unerläßlich sein, wie der schon totge-
sagte CSU-Friedensforscher Mechtersheim, der sich im harten Kampf
"für eine Verstärkung und sinnvolle Weiterentwicklung der konven-
tionellen Verteidigung" fast zerrieben hätte, jetzt bekundete:
"Ich bin der Auffassung, daß der Pazifismus eine untaugliche Ant-
wort auf die Bedrohung durch den Osten ist und daß im Verteidi-
gungsfall Westeuropa im Zusammenwirken mit den USA geschützt wer-
den muß.... Ich werde dafür Sorge tragen, daß sich aus meiner
wissenschaftlichen Tätigkeit einerseits und aus meiner Parteimit-
gliedschaft andererseits keine Mißverständnisse in der Öffent-
lichkeit ergeben."
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