Quelle: Archiv MG - BRD OPPOSITION BEWEGUNG - Von Robin Wood und Hausbesetzern
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Marxistische Schulzeitung Bremen, 18.03.1981
Internationale Frauenwoche gegen Krieg und Militarismus:
DER SCHOSS IST FRUCHTBAR NOCH...
Was es heißt, daß die Bundeswehr "unser aller Freiheit" zu schüt-
zen hat, der Verteidigungsfall logischerweise "uns alle" was an-
geht, kann man den praktischen Vorbereitungen ihres nächsten Ein-
satzes entnehmen. Schwesternhelferinnen und nicht nur die dürfen
zur Zeit ihren geplanten Einsatz im Ernstfall mit Wünschen fol-
gender Art durchorganisieren helfen:
"Ich möchte ausschließlich im zivilen Bereich, z.B. Krankenhaus,
Hilfskrankenhaus eingesetzt werden.
Ich möchte ausschließlich in der ortsfesten militärischen Laza-
rettorganisation tätig werden.
Ich bin mit einem Einsatz in beiden pflegerischen Bereichen - je
nach Bedarf einverstanden." usw. (Rundschreiben des Deutschen
Roten Kreuzes.)
Eines steht fest, e i n g e s e t z t w i r d m a n. "Ich
möchte nicht eingesetzt werden", ist nicht zum Ankreuzen da! Der
Einsatz erfolgt arbeitsteilig in den Bereichen, für die man dank
der staatlich geregelten Aufgabenteilung zwischen Mann und Frau
im Normalfall einige Kenntnisse mitbringt. Statt Windeln darf man
Verbände wechseln und überhaupt wachsen ja Frauen - je nach Be-
darf - über sich hinaus und leisten, wie man den zahlreichen
Filmen in jüngster Zeit entnehmen sollte, als sogenannte Trümmer-
frauen Beachtliches. Nicht nur, daß sie ihre eigenen Familienre-
ste durch den Krieg bringen und Verwundete und Kranke pflegen.
Wenn die Männer an der Front gebraucht werden, tun sie deren
Dienst in den Fabriken auch noch. Gegen diesen Einsatz als Laza-
rett-Reservisten und gegen Überlegungen, Frauen den Dienst an der
Heimat mit der Waffe zugänglich zu machen, machen Frauen Protest.
Aber was für einen!
Unter dem Stichwort "Frauen gegen Krieg und Aufrüstung" bot die
Internationale Frauenwoche z.B. Gelegenheit zu Bekenntnissen fol-
gender Art:
"Ich glaube, daß Frauen dazu bestimmt sind, Leben zu geben.
Man(n) kann Frauen nicht gleichzeitig zum Pflegen und Töten ver-
pflichten."
Eines muß man der Frauenbewegung lassen: sie hat Konjunkturbe-
wußtsein! Bislang damit beschäftigt, die Frau 'als Lustobjekt'
vor den Männern in Schutz zu nehmen und ihr borniertes Hausfrau-
endasein in ein günstigeres Licht zu rücken, überkommt sie ange-
sichts von Aufrüstung und den anderen Formen der
Kriegsvorbereitung ein trotzig warmes Gefühl gegenüber ihren Ei-
erstöcken. Das erste, was ihnen nämlich angesichts der Erfassung
von Krankenschwestern und anderen Frauen für den Einsatz an der
zivilen Front einfällt, ist die öffentliche Reklamation der Be-
deutung des bekannten kleinen Unterschiedes gegen seine In-
pflichtnahme im Ernstfall: Wo es um Krieg und Frieden geht, fällt
ihnen ein, daß die Bestimmung der Frau doch im Gebären liegt und
sie deswegen schon von Natur aus friedliebende, weil "Leben ge-
bende" Wesen sind. Als ob sich die Frauenbewegung nie g e g e n
die Zurichtung der Weiber zu Gebärmaschinen gewandt hätte, brin-
gen sie jetzt den Mutterdienstkreuz-Gedanken ausgerechnet in die
Friedensbewegung ein. Seine ziemlich bekannte Fortsetzung scheint
sie nicht zu interessieren: Um den lebensspendenden Mutterschoß
zu erhalten und gegen alle Gefahren abzusichern, hat - so lautet
diese Fortsetzung - der Mann s e i n e r natürlichen Bestimmung
nachzugehen und das Weib zu schützen. Also müssen die deutschen
Mütter irgendeinem der Führer möglichst viele gesunde Knaben
schenken, die dann...' Aber das will natürlich niemand gesagt ha-
ben! Die "Frauen gegen Krieg und Aufrüstung" sind da ein bißchen
radikaler: Bis hin zum Gebärstreik wollen sie gehen, um dem Argu-
ment, welches für sie 'Geschlecht' heißt, Nachdruck zu verleihen.
Dabei blamiert es sich nicht nur an der staatlichen Kindergeldre-
gelung und der sie begleitenden Debatte über die spannende Frage
"Sterben die Deutschen aus?": sein Kanonenfutter hat der Staat
noch immer zusammenbekommen. Das Argument lebt überdies von dem
uralten und jetzt feministisch aufgewärmten Kalauer, daß das Vor-
handensein von Kanonenfutter bereits die Kriegsgefahr um etliches
potenziert. Die Verwechslung des M a t e r i a l s für Waffen-
gänge von Staaten mit den G r ü n d e n, die diese dafür in die
Welt setzen, machen auch Sprüche der folgenden Art deutlich:
"Ich bin gegen eine Wehrerfassung von Frauen, weil dann die Mili-
tarisierung der Bevölkerung zunimmt und Kriege eher möglich wer-
den.
Daß Kriege proportional mit der Anzahl zum Militär "gelockter"
Weiber wahrscheinlicher werden, dreht den Tatbestand, um den es
sich hier handelt, schlicht um. Warum wird denn wohl die Frauen-
rekrutierung hierzulande erwogen und anderwärts praktiziert? Doch
wohl deswegen, weil die Macher solcher Erlasse den nächsten Krieg
vorbereiten und dafür auch das zarte Geschlecht einzusetzen ge-
denken. Aber staatliche Zwecke kommen in diesen Gedanken gar
nicht vor. Da ist die Wehrerfassung von Frauen eine recht will-
kürliche Angelegenheit, deren erfolgreiche Durchführung dann den
Reagans oder Schmidts den nächsten Weltkrieg geradezu aufnötigt;
wegen der Militarisierung. Wenns die schon gibt, na dann bitte
schön! Eine hübschere Entschuldigung der Typen, die einen Nachrü-
stungsbeschluß nach dem anderen fassen, kann man sich kaum vor-
stellen.
Übrigens:In einem wird diesen Weibern noch jeder Staatsmacher zu-
stimmen. Daß Frauen sich eher zum "Pflegen" als zum "Töten" eig-
nen, ist international durchgesetzte Auffassung. An der Front
haben die eigentlich nichts zu suchen. Der SPIEGEL vom Montag da-
gegen bildet ab, wie adrett es sein kann, in seiner Pflegebestim-
mung im Ernstfall seinen Mann zu stehen.
Also, Feministinnen aller Länder, seid unverzagt, Eure N a t u r
hat noch jeder Staat berücksichtigt. Ihr werdet schon nicht zu
kurz kommen. Die Zurichtung Eures V e r s t a n d e s, die nö-
tig ist, um in der Abwicklung des Verreckens im Lazarett die
"Lebensspendung" und damit einen Gegensatz zum Einsatz im Schüt-
zengraben zu erblicken, besorgt Ihr ja schon selbst.
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