Quelle: Archiv MG - BRD OPPOSITION BEWEGUNG - Von Robin Wood und Hausbesetzern


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       Der Veranstaltungskommentar
       
       "Das Deutsche als Männersprache"
       

REBELLION GEGEN DEN GENUS

Unverschämt! "Im Biologieunterricht lernt man die Geschlechtszonen der Frau kennen: Schamhaar, Schamlippen, Schamhügel, usw. Beim Mann hört das Schämen schon beim Schamhaar auf. So heißt es z. B. nicht Schamstengel oder Schambeutel." (Pusch) Sprache ist universell. Man kann mit ihr den Kapitalismus genauso gut verteidigen - so man etwas von demselben hält -, wie man ihn mit ihr in Grund und Boden kritisieren kann. Nicht einmal einer Veranstaltung, die "unsere Muttersprache" als "Männersprache" - mittels dieser Sprache natürlich, wie auch sonst! - entlarvt, kann man den Vorwurf des Mißbrauchs machen. Der Sprache ist es eben egal, wer mit ihr welche Gedanken und welche Fehler produ- ziert. Ganz anderer Meinung war da eine "Germanistinnengruppe", die un- ter dem Thema "Das Deutsche als Männersprache" eine Frau namens L.F. Pusch zum Vortrag geladen hatte. Wie so oft war die Apart- heit des Gesichtspunktes der Betrachtung direkt proportional zu seiner Attraktivität: ca. 800 Frauen und Männer fanden sich unter folgendem Motto ein: "Es geht um die Entlarvung unserer Muttersprache als Männerspra- che, um letztlich unser Denken und Handeln zu verändern und Spra- che auch für Frauen zugänglich zu machen." Die Germanistinnengruppe baute hier auf die gerade in den von Be- rufs wegen mit Sprache betrauten Kreisen weit verbreitete Ideolo- gie, der gemäß sich der Mensch, sein "Denken und Handeln", vor allem durch sein Verhältnis zur "Sprache" definiert. Ganz so, als sei die Sprache selbst das S u b j e k t der Zwecke und der Ge- danken, die einer (oder eine) sich macht. Nun gut, auf die gedankliche/sprachliche Ausbreitung dieses Feh- lers wurde kein Wert gelegt. Der große Skandal besteht angeblich darin, daß "die Frau" von jenem identitätsstiftenden Weltsubjekt namens Sprache a u s g e s c h l o s s e n sei. Folgendermaßen soll man sich nämlich eine Unterdrückung der Frau vorstellen: "Im Paß steht: 'Der Inhaber dieses Passes ist Deutscher', egal ob es sich um einen Deutschen oder eine Deutsche handelt. Es wäre eine Katastrophe, wenn im Männerpaß stehen würde, er sei eine Deutsche. Weibliche Bezeichnungen sind für Männer ebenso untrag- bar wie weibliche Kleider... Es heißt 'Damenwahl' und nicht 'Herrenwahl'. Das Selbstverständliche, die Norm, (daß es der Mann ist, der wählt), wird nicht extra benannt. Wo nicht extra dazuge- sagt wird, es sei für Frauen, ist es für Männer. So z.B. bei der Politik oder der Presse. Dies ist der Sprachbetrug, der etwa Frauenforschung separatistisch erscheinen läßt." Man sieht schon: Je subtiler die Kritik sich hier gibt, desto we- niger ist sie bereit, zur Kenntnis zu nehmen, wovon sie gerade spricht. Denn daß etwa ein - deutscher oder anderer - Paß d a s Dokument eines generellen Anspruchs der Staatsgewalt auf Verfü- gung über den/die deshalb namentlich angeführte/n stolze/n Besit- zer/in des schönen Papiers darstellt (dessen man sich im übrigen nicht entledigen kann), - dieser Gedanke ist zwar nicht so sensi- bel wie obige Sprachkritik, dafür hat er aber einiges für sich. Wenn "Frau" allerdings den Paß zitiert, ist die Staatsbürger- schaft gar nicht mehr zu unterscheiden von so spaßigen Kuppeleien wie der angeführten "Damenwahl". Der E n t s c h l u ß, nicht mehr unterscheiden zu wollen, ist hier ganz einfach mit dem insi- stieren darauf gegeben, daß der ganze "Betrug" im Zufügen oder Weglassen einer femininen Endung - ob bei Politik, Presse, Paß, Damenwahl oder Herrenschokolade - entlarvt zu werden hätte. Es liegt an der Abseitigkeit des Aspekts, unter dem hier mit dem Schein von Gesellschaftskritik hausieren gegangen wird, daß deren Befriedigung billig zu haben ist: "Im Alltagsleben ist das auch so (wie in der herkömmlichen Lin- guistik): Keinem (!) fällt es ein, gegen ein Pronomen (man oder einen Genus zu rebellieren. Nur Männer sind da emotionaler. Sie haben eine Allergie gegen das Feminine, wollen z. B. nicht Ver- käuferin genannt werden." Soll "Frau" doch dafür sorgen, daß "Verkäufer" DM 500,- mehr be- kommt, dann wird der die süße Last der femininen Endung auch noch ertragen lernen. Doch solch profane Tiefen hält Frau Sprachkriti- kerin wahrscheinlich für zu 'maskulin'. Sie rebelliert nämlich gegen den Genus? Im Ernst: Es gehört schon eine gehörige Portion Ignoranz dazu, Gott und die Welt unter den unzufrieden sich gebenden Standpunkt zu subsumieren, inwiefern die feminine Endung zu ihrem morali- schen Recht gelangt. Umgekehrt erklärt sich daraus, wie wenig verbiestert heutzutage "Feminismus" auftritt: Wo ausschließlich die - maskuline - sprachliche Form die Politik desavouiert, und zwar als "Sprachbetrug", da stellt sich rasch Zufriedenheit ein: mit der B e n e n n u n g des Sachverhalts ist dann schließlich schon alles erreicht. So kriegt dann auch Frau Verkäuferin ihre Heimat - in der weiblichen Sprach-Gemeinschaft! zurück