Quelle: Archiv MG - BRD OPPOSITION BEWEGUNG - Von Robin Wood und Hausbesetzern
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Beitrag der Frauenfeinde:
FRAUEN GEMEINSAM SIND FRAU
Seit die Frauenbewegung existiert, macht sie sich lächerlich.
Entgegen feministischer Auffassung liegt das allerdings nicht an
den Männern, sondern daran, daß der Feminismus ohne Unterlaß
ernst genommen werden will. Denn sein Inbegriff, die
"Emanzipation der Frau", ist ein i d e l o g i s c h e r
K a m p f: die Forderung nach A n e r k e n n u n g d e r
F r a u als dem Manne gleichwertiger Staatsbürger. Daß der Staat
die Gleichberechtigung der Frau längst erlassen hat und wohlwol-
lendes Verständnis für Frauenangelegenheiten zur Grundausstattung
des aufgeklärten Demokraten gehört, ist für die Frauenbewegung
keine Befriedigung, sondern Anlaß zu verschärftem Mißtrauen, weil
sie die Tatsache, daß in der Regel die Männer das Geld verdienen,
für eine M i ß a c h t u n g d e s w e i b l i c h e n
G e s c h l e c h t s hält. Gegen die Segnungen der bürgerlichen
Familie, die gesetzlich geschützte Trennung zwischen Lohnarbeit
einerseits und Haushalt und Kinderaufzucht, kurz: Reproduktion
des Lohnarbeiters andererseits, weiß die Frauenbewegung nichts
Besseres als die hysterische Reklamation des I d e a l s der
Gleichheit vor dem Gesetz: möglichst gleiche und gerechte Betei-
ligung der Geschlechter an a l l e n Schönheiten der kapitali-
stischen Zivilisation. Den Ökonomischen Zwang zur lebenslängli-
chen Arbeitsteilung zwischen Mann und Frau erklärt sie zur Folge
einer männlichen I d e o l o g i e von der Unfähigkeit des Wei-
bes zu den Arbeiten, auf die es ankommt. Weder fällt den Femini-
stinnen dabei auf, daß die Frauen erst einmal ungebildete und hy-
sterische Weibsbilder, abwechselnd mit stupider Hausarbeit und
verzweifelter Kosmetik beschäftigt, s e i n müssen, bevor die
Ideologie aufkommen kann, daß dies ihre
N a t u r e i g e n s c h a f t e n seien; noch greifen sie we-
nigstens diese Ideologie ernsthaft an. Schon der Name sagt, daß
der Feminismus auf die Anschauung hereingefallen ist, daß der
Unterschied zwischen Haushalt und Fabrik auf den Unterschied der
Geschlechter zurückgeht, was er zum Anlaß nimmt, einen fiktiven
Geschlechterkampf auszurufen, den Standpunkt d e r F r a u
einzunehmen und gegen d i e M ä n n e r zu streiten. Theorie
und Praxis der Frauenbewegung widmen sich der Widerlegung der
Minderwertigkeit der Frau in allen Sphären des modernen Lebens:
das macht die Peinlichkeit aus.
Die deutsche Frau
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hat 1980 eine große Aufgabe: den richtigen Mann zum Kanzler zu
wählen. Da die Öffentlichkeit übereingekommen ist, daß die Wahl
über Leben und Tod entscheiden kann - es besteht schließlich
"Kriegsgefahr", und die hat es an sich, so unberechenbar zu sein,
daß selbst die Figur, die namens der BRD den Krieg erklärt, den
Ausschlag geben könnte -, ist es eine Selbstverständlichkeit, daß
sich auch und gerade die Frau die Entscheidung schwer macht.
"Es ist ja nicht wahr, daß Frauen sich nicht für Politik interes-
sieren!" (A. Schwarzer)
Als Feministin oder "progressive Frau" ("Emma") hat sie sich al-
lerdings zu überlegen, wie die Geschlechterfronten im Wahlkampf
liegen. Die sind natürlich immer schon eindeutig gewesen: man su-
che nach dem kleinen Unterschied in der Regierung, an den Kandi-
daten, in den Parteien und stelle fest: fast nur Männer! Aber
nicht nur kein Gedanke an die Beteiligung an der Macht, nicht
einmal Thema ist das Problem der Gleichberechtigung - "obwohl"
"acht Prozent mehr Frauen als Männer" wahlberechtigt sind, wird
"das Wort (!) 'Frau' in den gesamten (!) 42 Seiten umfassenden
SPD-Wahlprogramm nur ein einziges Mal erwähnt."
Ja, dann. Man hätte ja gerne für irgendeine Partei die Blöden ge-
spielt, wenn sie sich nur erbarmt und den Frauen wenigstens ihr
besonderes Mitleid ausgesprochen hätte. Früher, das waren noch
Zeiten, als der Paragr. 218 zur Reform stand und öffentlich dis-
kutiert wurde, nach welchen Kriterien die Abtreibung gesetzlich
erlaubt werden soll und wann das Austragen und Aufziehen des wer-
denden Bürgers zur Pflicht wird. Schwangerschaft hat ja richtig
was mit Frau zu tun, und die Verwechslung, daß d i e F r a u
im Brennpunkt staatlicher Sorge stand, nämlich ihr Wohl oder im
Zweifelsfall i h r Wehe, fiel etwas leichter. Aber nichtsdesto-
weniger muß heute, wo Sonderbekenntnisse zum weiblichen Volksteil
vermißt werden, an der Gewißheit festgehalten werden, daß dieser
Männerstaat nur entweder den Nutzen oder den Schaden des Weibes
zum Zweck haben kann:
Nicht-Erwähnung ist "massive Diskriminierung" - also wird der
ganze politische Zirkus womöglich nur inszeniert, um die Frau
"vom Geschlechterkrieg abzuhalten" und zu "befrieden". Eine um so
größere Ungerechtigkeit, als niemand bereitwilliger ist, den Zir-
kus mitzumachen, als die Frauen. Ein Grund zur Aufregung ist Egon
Bahrs Spruch, der Frieden sei wichtiger als die Emanzipation, ja
insbesondere deswegen, weil er eine Geringschätzung des weibli-
chen Willens zum Frieden ausdrückt. Dem tritt die deutsche Frau
entgegen, indem sie
Friedensfrau
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wird, oder, wenn sie dabei mit den dummen, abergläubischen Män-
nern kokettieren will, eine "Friedenshexe". Dazu unterschreibt
man erstens offene Briefe an den "sehr geehrten Herrn Bundeskanz-
ler" oder den "Herrn Präsidenten" der USA, in denen man die Poli-
tiker davor warnt, "den Frieden zu gefährden", anstatt "zu si-
chern". Diese Erklärung des Vertrauens, das man in die Friedens-
macher setzt, indem man sie verdächtigt, nicht intensiv genug den
Frieden zu sichern oder gar leichtsinnig den "Krieg nicht auszu-
schließen", ergänzt man durch die furchtbare Drohung, das pro-
gressive weibliche "Verständnis", die "Unterstützung" und die
"Solidarität" aufzukündigen ("Courage") oder gar die Wahl zu boy-
kottieren ("Emma"). Sehr radikal ist die ganz und gar frauenspe-
zifische Widerstandsform "Gebärstreik" (hoffentlich gehen die
Pillen nicht aus), derzeit diskutiert wird die Frage, ob's auch
als Streik gelten soll, wenn eine eh kein Kind will. Immerhin,
etwas, was die Männer nicht nachmachen können... oder?
Zweitens ist es angebracht, sich als zukünftige Kriegsopfer zu
präsentieren und die besondere weibliche Eignung für das Sterben
wie für das Aushalten größter Not herauszustellen. Den folgenden
Kommentar zu einer SPD-Frauen-Anzeige "Wir wollen nie wieder
Krieg" ("Ich möchte meinen Mann/sohn/Bruder nicht verlieren.")
leistet sich "Emma":
"Frauen sind in ihren Augen
1. immer Teil einer Familie (keine trauert um einen Geliebten
oder einfach um einen guten Freund) und
2. relative Wesen, die sich nie um sich selbst Gedanken machen,
sondern aufopferungsvoll ausschließlich das Wohl ihrer Männer im
Auge haben.
Ja, hat denn im Zweiten Weltkrieg keine Frau unter Bomben auf der
Flucht und in den Konzentrationslagern ihr Leben gelassen? Ja,
sind Frauen denn nicht zu tausenden und abertausenden von den
Siegern vergewaltigt worden? Ja, haben Frauen denn nicht unter
unendlichen Entbehrungen die Trümmer dieses Landes mit unseren
bloßen Händen wieder aufgebaut?"
So sieht Krieg unter dem Gesichtspunkt der Emanzipation aus: zei-
gen die SPD-Frauen, was sie zu verlieren, das heißt zu bieten ha-
ben, ist die radikale Feministin beleidigt, weil die mit dem ei-
genen Körper erbrachten Hauptopfer unerwähnt bleiben. Krieg oder
Frieden - wenn nur die Frauen daran gleichberechtigt werden!
Der vorläufige Friedensalltag der Feministen besteht daraus, auch
in allen anderen Lebenslagen, von der Justiz bis zum "erotischen
Volkslied", das "frauenfeindliche Vorurteil" ausfindig zu machen.
Daß so etwas das Gegenteil von Ideologiekritik ist, rächt sich.
Als einziges Argument - deswegen heißt es zu Recht "Vorurteil" -
hat die Frauenbewegung nämlich das gute weibliche Gegenbeispiel
anzubieten, und daß die Ausnahme die Regel bestätigt, macht sich
unaufhaltsam bemerkbar, wenn bewiesen wird, daß die Frau auch
ganz anders kann. Wegen ihres ewigen moralischen Vorbehalts, daß
man der Frau keine einzige Fähigkeit absprechen dürfe, wirkt jede
Feministin lächerlich; und daher sind die Stellungnahmen der
Frauenbewegung meist nicht einmal der Form nach Überzeugungsver-
suche. Stattdessen macht sie durch
veröffentlichte Interna
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von sich reden, die immer a l s Frauen-Interna zum Skandal wer-
den. Angesichts einer Männerwelt voller Vorurteile geht es
schließlich nicht darum, ob irgendein Spruch über die Weiber
stimmt oder nicht - darüber zu streiten, ist ja schon die Höhe!
Erstens ist das ausschließlich Frauensache; zweitens dürfen sich
auch die Frauen kein Urteil über Frauen erlauben, weil es als
Entscheidung über die Fähigkeiten der Frauen mißverstanden werden
könnte, und deswegen gehören drittens Frauenangelegenheiten ei-
gentlich überhaupt nicht vor die männliche Öffentlichkeit. Wenn
es doch passiert, handelt es sich sofort um eine frauenfeindliche
Affaire, und diskutiert wird, ob man's sagen d u r f t e. - Als
Peggy Parnass kürzlich darauf kam, daß es einen Unterschied zwi-
schen Vergewaltigung und "heftig genommen (oha!) werden" geben
müsse, wobei "wir uns" letzteres "sicher wünschen ", wurde sie
prompt "Pascha des Monats", wegen "offener Ohren und Hosen bei
Männern". Der Witz war, daß auch die Parnass überzeugt ist, daß
Sexualität und Gewalt das Gleiche ist: vor Besichtigung einer
Vergewaltigung im Kino stellte sie sich Vergewaltigung als etwas
Angenehmes vor, und danach auch - "dazugelernt, daß Vergewalti-
gung nicht mit dem Schwanz stattfindet". (Also findet sie bloß
metaphorisch statt?) Die Frauenbewegung aber verweigerte sich
standhaft dieser Definitionsfrage, nach dem Motto: "Du magst ja
recht haben, aber wissen die Männer das auch?" - Alice Schwarzer
hat dafür auch so ihre Probleme. Ihre Spezialität ist die an-
schauliche Stellungnahme zur Frage, ob die Frau "vermännlicht",
wenn sie "sich emanzipiert". Frau Schwarzer will das Gegenbei-
spiel sein; deshalb tritt sie in Joachim Fuchsbergers Fernsehshow
auf und läßt sich dort die Hand küssen. Dafür wird sie als
"fraulich" gelobt. Da sie dieses männliche Vorurteil nicht auf
sich sitzen lassen kann, betont sie später, sie habe sich nur
deswegen einen Handkuß geben lassen, weil sie genau wußte, daß es
zur Show gehörte.
Wen wundert es bei solchen Vorbildern, daß der
Frau an der Uni
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nichts Besseres passieren könnte als etwas Diskriminierung? Da es
massenhaft Studentinnen gibt, fehlt der Behauptung, daß Frauen
von der Hochschule ausgeschlossen werden, jede Glaubwürdigkeit.
Statistiken des Inhalts, daß die Fächer, in welchen über 50%
Frauen studieren, am wenigsten aussichtsreich seien, helfen
nichts - die 65% Lehramtsstudentinnen lassen sich dennoch nicht
exmatrikulieren. Die Hauptaufgabe gilt also dem Nachweis, daß wi-
der den Augenschein die Frauen doch keine Chance hätten - weil
die Männer erstens immer noch Vorurteile gegen ihre intellektuel-
len Fähigkeiten hegen und zweitens die Frauen den Männern glau-
ben, und aus Mangel an unerläßlichem weiblichem Selbstwertgefühl
schließlich (durch Captagon und Babys, weiß "Emma") zugrundege-
hen.
Für die Erklärung, daß d i e D u m m h e i t d e r
M ä n n e r d i e F r a u e n u n t e r d r ü c k t, ist ein
Ausflug in die Geschichte unerläßlich. Nicht nur läßt sich mit
einer historischen "Umwälzung der (?) Produktionsform (?)" (wer
kann sich schon genau daran erinnern), wenn schon nicht mit heu-
tiger Produktion, zeigen, daß der Ausschluß vom Studium der Frau
nicht etwa ein Privileg, sondern eine Existenzbedingung vorent-
hält:
"... sowie dem allgemeinen (!) Verfall der bis dahin gelebten (?)
Großfamilie, wurden die Familien immer (!) unfähiger, den Lebens-
unterhalt unverheirateter Frauen zu sichern." (BSZ)
Studium eine Folge schärfster Not - ja, die Welt der Frau! - Auch
der Vergleich mit den Nazis springt gleich ins Auge:
"... eine kaum erforschte 'Spielart des Rassismus'... Die Zahl
der Studentinnen sank während der Zeit des Faschismus um 60%!"
Ganz im Sinne unseres Bundespräsidenten, ist es eine an die Ju-
denausrottung erinnernde Diskriminierung, wenn man bei den Nazis
nicht Karriere machen durfte! So sieht die bruchlose Kontinuität
der männlichen Überheblichkeit) aus: Schon 18.. hat irgendein
Schnösel spekuliert, der Reiz des Weibes ginge beim Studium ver-
loren, und heute noch muß sich das gebildete Weib gegen dieses
Vorurteil wehren! Man könnte sich wundern, daß sich eine Intel-
lektuelle von heute nicht zu schade für den minuziösen sozialwis-
senschaftlichen Nachweis ist, d a ß s i e n i c h t s o
d u m m i s t, w i e m a n g l a u b t...; aber Feminismus
an der Hochschule bedeutet heute, eben weil die Frauen hier er-
folgreich sind, Selbstdarstellung als die erbärmlichsten Hascherl
der Welt. Für d i e s e n Z w e c k konstituieren sich Frauen-
referate und -gruppen. Sie erheben in regelmäßigen Abständen Mei-
nungsumfragen, in denn sich
a) männliche Vorurteile finden,
b) wenn nicht, dann zeigen läßt, daß den Frauen selbst in der
Meinung der Männer allerhand zuzutrauen ist,
c) die Frauen selbst. als Interviewpartner ihren Verdacht loswer-
den können, daß es ihnen schlechter geht als den Männern, und
d) zugleich praktisch beweisen läßt, daß Frauen zu ordentlicher
sozialwissenschaftlicher Arbeit imstande sind (= zusammenzählen,
unterscheiden, vergleichen, interpretieren).
Auch das letzte ist vollkommen ernst gemeint. "Frauen erkämpfen
sich Wissenschaft" heißt die Parole, unter der die womöglich be-
völkerungsanteilmäßige Anstellung von Dozentinnen gefordert wird.
Schon jetzt streiten sich die Aspirantinnen, ob die
"Institutionalisierung" von "Frauenwissenschaft" nicht eine neue
Form von Diskriminierung sei, nämlich "Staatsfeminismus" und
"Befriedung". Daß solche Streitigkeiten endlos bleiben, liegt am
moralischen Anspruch der Frauenbewegung: das verlangte Schuldge-
ständnis, daß die Männer den Frauen Unrecht tun, ist eben nur
dann lustig, wenn es verweigert wird. Und die Männer lassen ja
heutzutage alles mit sich machen. Deswegen zur derzeitigen Haupt-
frage der
Frauen an der RUB,
------------------
ob dem Frauenreferat eher autonom oder eher unter der Ägide des
VDS gedient sei, nur zwei Worte: 1. Die Frauenfrage ist keine
Frage des Marxismus-Leninismus. 2. Man muß wahrhaftig nicht Kom-
munistin sein, um Besseres zu tun zu haben.
Quellen:
"Emma" Nr. 5 u. 6/1980
"Courage" Nr. 6/1980
"SPIEGEL" Nr. 18/1980
BSZ Nr. 200-212.
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