Quelle: Archiv MG - BRD OPPOSITION BEWEGUNG - Von Robin Wood und Hausbesetzern


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       Die "Frauenfrage" 1986: Vom Problem zum
       

GRUNDWERT FRAU

Die Frau als Argument --------------------- "Ich als Frau..." ist der Beginn eines Beitrags, bei dem man sich gleich hüten muß: Wer sich so mit dem Hinweis auf sein Geschlecht einführt, der wehrt von vornherein jede Auseinandersetzung ab. Genauso wenig wie man gegen einen Juden, Neger oder Behinderte etwas sagen darf, ohne mit der absurden Beschimpfung rechnen zu müssen, man sei Faschist, Rassist oder überhaupt gemein, genauso wenig darf man ungestraft etwas gegen ein Wesen einwenden, das sich mit "Ich als Frau..." einführt, erst recht dann nicht, wenn man peinli- cherweise auch noch ein Mann ist. "Mein Geschlecht gehört zu den entrechteten Kreaturen!" lautet das Argumentationsmuster, das die Schädigung der FRAU als E r p r e s s u n g einsetzt: "Ich als Frau..." habe das Recht auf Gehör, und zwar auf ein solches, das vor Anerkennung und Zu- stimmung trieft. Beispiel 2: "Du als Frau..." Auch die Bewunderung einer anderen Frau gegenüber: "Ich finde das ganz toll, wie selbstbewußt du auftrittst." ist eine wenig ehrliche Technik: Der Zweck und Inhalt des Auftre- tens wird ja gar nicht bewundert. Im Gegenteil: Das, was die an- dere Frau gesagt hat, wird ja w e g e n ihrer Eigenschaft als Frau ziemlich ignoriert um nicht zu sagen wegen ihres Geschlechts diskriminiert. Schließlich kann man sein schüchternes Frauendasein auch noch zur Waffe machen: Kleine Mädchen, die äußerst geduldig wochenlang strickend eine Lehrveranstaltung haben über sich ergehen lassen ohne jegliche Anzeichen seelischer Bewegung, werden auf einmal zu ziemlichen Furien. Da braucht nur jemand die Lehrveranstaltung schlecht zu machen, und schon findet sich die verletzte Menschen- würde ein - bei Leuten, die eben mitmachen: "Ich (als Frau) würde es mich nie trauen (norddt. würde es nie wagen), hier etwas zu sagen, also kannst Du es Dir doch nicht herausnehmen, uns (mich) so zu überfahren!" Von wegen schüchtern: Das frauliche Wesen dafür zum Argument zu machen, daß sich andere auch anständig benehmen sollen, ist auf seine Art wieder ziemlich selbstbewußt. Man merkt: Wenn die Un- terlegenheit des weiblichen Geschlechts zur Waffe wird, dann hat keiner mehr ein "Problem" damit. Der "Charakter der Frau" ist in- zwischen etwas, worauf man sich berufen kann und "als Frau" Punkte macht beim Mitmachen. Der Frauenstandpunkt 1985 setzt sich nicht mehr gegen die "Lage der Frau" zur Wehr: - Wer so seine Natur ins Feld führt, daß der berühmte kleine Un- terschied in einer Auseinandersetzung etwas gelten soll, - wer eine ständige Komplizierung deutschen Schrifttums betreibt, weil er dem unpersönlichen Pronomen "man" seine eindeutige Her- kunft durch die offensive Ergänzung "frau" mittels eines Schrägstrichs vorwirft, - wer in einer Vergewaltigung dasselbe entdeckt wie in der künst- lichen Befruchtung, nämlich männliches Wesen, und vielleicht noch das Eindringen von Männern in ehemalige "Frauenarbeitsplätze" mo- niert, der will ja an der "Lage der Frau" gar nichts mehr unterscheiden. Die FRAU ist etwas, das g i l t. Ihr gebührt etwas. Auf ihr We- sen kann man sich berufen. Die FRAU hat keine "Probleme" mehr - außer mit ihrer A n e r k e n n u n g. Sie besteht auf der U m k e h r u n g aller ehedem gängigen Vorurteile. Und will ein W e r t sein. Bloß, was hat man von diesem Grundwert FRAU ei- gentlich? Männer unterdrücken Frauen - die Theorie ---------------------------------------- Um das Bedürfnis, sich die Welt und die eigene Stellung in ihr zu erklären, kann es sich beim Frauenstandpunkt nicht handeln, denn auch die dicksten, neuesten und von ehemals berühmten linken in- tellektuellen Frauen geschriebenen Werke zeugen in ihrer Behand- lung der Kindererziehung wie des Ost-West-Gegensatzes nur von ei- nem Drang: Alles, was ihnen an Realität begegnet, gnadenlos unter ihre Sicht zu subsumieren, daß es in der Welt um den K a m p f d e r G e s c h l e c h t e r ginge. Daß Frauen geschädigt wer- den, kann man wirklich vielerorts feststellen. Deswegen aber zu folgern, daß sie geschädigt werden, weil sie Frauen sind, ist grundverkehrt. Die Gleichgültigkeit dagegen, die A r t u n d W e i s e zu betrachten, in der Frauen behandelt werden; gar einen Grund dafür auszumachen rächt sich. Das Ergebnis steht fest. Übrig bleibt der MANN als einer, der ziemlich grundlos als Prinzip seiner Natur Frauen unterdrückt. Belege für dieses P r i n z i p zu finden, ist eine sehr beliebige Angelegenheit: "Jeder Mann kommt nicht nur aus einem weiblichen Uterus, sondern auch aus den Armen einer Frau ...Von der Mutterbrust zum Männer- bedürfnis, sich einer objektiven Welt zu bemächtigen, mit Bau- steinen statt mit Puppen zu spielen, Geräte statt Personen zu be- dienen, führt ein ebenso direkter Weg wie vom Kinderzimmer zu den pompösen Auf- und Abrüstungskonferenzen. Was Politik und Wirt- schaft abends auf den Bildschirm der Wohnzimmer projizieren, ist fleischgewordene Angst vor der Frau - in der Form der Gerontokra- tie Rußlands oder Amerikas ebenso wie in der jungen Technokratie Frankreichs." ( Gisela Anna Erler: "Frauenzimmer. Für eine Poli- tik des Unterschieds." Berlin 1985, S. 45) Die Aufrüstung, überhaupt die ganze Politik Amerikas, Rußlands und Frankreichs soll aus dem männlichen Prinzip kommen, sich der Frau entgegenzustellen, sich ihrer Macht zu erwehren? Gleichgül- tig, was Männer tun; gleichgültig, daß sie Negierende im Unter- schied zu Regierten sind; gleichgültig, daß sie g e g e n e i- n a n d e r rüsten (USA SU) - das Urteil: 'männliche Aggression gegen Frauen' steht längst fest. Die theoretische Leistung ist vielmehr, g e g e n jegliche Realität den Geschlechtergegensatz als ihr herrschendes Charakteristikum festzuhalten. Noch ein Beispiel aus der Eröffnung der Frauenringvorlesung in München: Es wird durchaus zur Kenntnis genommen, daß nach dem Ma- triarchat "verschiedene Herrschaftsformen" vorliegen. Aber wie? Es sind eben verschiedene Formen der F r a u e n u n t e r- d r ü c k u n g von der Antike bis zur Demokratie: "...Allerdings wechseln die Formen innerhalb des Patriarchats. Der Machtkampf der Geschlechter materialisiert sich in immer neuen Formen... Die moderne Industriegesellschaft ist gut dafür geeignet, die Unterordnung der Frau herzustellen." (Helga BILDEN) Warum man zur Unterdrückung der Frau den "Wandel zur Industriege- sellschaft" braucht, ist zunächst unerfindlich. (Vielleicht hat ja die "Industrie" etwas mit der Produktionsweise unserer Gesell- schaft zu tun?) Es läßt sich aber natürlich gut konstruieren, daß der MANN Industrie macht, was gleichbedeutend sein soll mit Na- turbeherrschung, u m die Frau zu schädigen. Kaum gedacht, schlagen wir in einer Veranstaltungsankündigung der Bremer Frauen-Uni vom September 85 nach und finden auf Seite 73: "1. Die Zeit der Hexenverfolgungen war eine Zeit großer gesell- schaftlicher Umwälzungen. Die agrarische Produktion, die die Grundlage der Gesellschaft war, befindet sich im Umbruch. Neue Produktionsweisen bilden sich heraus (Manufakturen). Die bisher als naturgegeben angesehenen Verhältnisse gerieten ins Wanken. Mit dem Wunsch, das Beherrscht-Werden von der Natur zu überwin- den, begannen Menschen Männer, sich von der Natur zu distanzie- ren, nicht mehr Teil von ihr zu sein, sondern sich über sie zu stellen. Dies hatte eine Ausgrenzung von Teilen des Selbst zur Folge. Frauen wurden aber weiterhin als Teil-Natur angesehen, da sie mit Naturkräften umgingen und Leben aus sich selbst hervor- bringen konnten (wie die Erde). Sie waren also Teil der Natur, die bedrohlich war und beherrscht werden mußte." (73) Die Industrie als Antwort auf die Hexenfrage (Hexenverfolgung un- genügend?) - Was denn sonst? Wer je versucht hat, sich um diese Sicht der Welt als Kampf der Geschlechter zu streiten, kennt den klassischen Dialog: "... aber Maggie Thatcher ist doch auch eine Frau?!" "Das, was sie macht, ist aber männliche Politik!" Die Theorie des Geschlechterkampfes - demonstriert einzig ihre Entschlossenheit zu dieser Sicht. Sie trägt alle klassischen Merkmale eines Wahns. Der Wert der FRAU ----------------- Mehr als ein theoretisches Bedürfnis befriedigt der Frauenstand- punkt die psychologische Selbstbestätigung des eigenen Werts. Die Welt wird schließlich ständig als Beweismittel der guten frauli- chen Natur zitiert. Wer aber Männer- und Frauen n a t u r e n sortiert, die Welt durch männliches und weibliches Wesen bestimmt sieht, der disku- tiert Eigenschaften, die kein Mensch frei beschlossen hat als gute oder schlechte L e i s t u n g. Anders gesagt: Er leistet sich den Widerspruch, der N a t u r eigenschaft der Frau auf die Sprünge helfen zu wollen. Die weibliche Natur - ein ziemlich bekanntes Wesen -------------------------------------------------- Die weibliche Natur im strengen Sinne, also die Biologie, gibt natürlich überhaupt keinen Beweis ab. Der Blinddarm führt schließlich auch zu keinem Charakter. Wenn man einen daraus er- klären will, braucht man hanebüchene Eselsbrücken: Uterus - Gefäß - umfassend - Gemeinschaftlichkeit! oder Kinderkriegen - Lebenspenden - Krieg = Leben nehmen - Friedens- liebe! Erschreckend ist das Verfahren zunächst darin, der v o r g e g e b e n e n Natur Aufträge für das eigene Leben ent- locken zu wollen. Keine Frage danach, wofür es sich l o h n t, sich einzusetzen. Der Auftrag lautet, sich selbst als Naturbündel zu erkennen und zu d i e n e n. Harmonie als Lebenszweck ------------------------ Deswegen ist es auch kein Wunder, mit w e l c h e n Bildern die Fraulichkeit ausgemalt wird: Die Frau soll wesensmäßig sein: weich, rund, gefühlsbetont, friedensliebend, intuitiv denkend, personenbezogen, natürlich, eng mit ihren Kindern verbunden ('symbiotisch'), ganzheitlich, kontextorientiert, mythisch, he- xenmäßig ('weibliches Wissen') usf. Alle diese B i l d e r behaupten die Frau als ein einziges Har- moniegebilde gegenüber dem Mann, der für Kampf, Durchsetzung, analytisches Denken, Sachbezogenheit etc. stehen soll - ein Bil- dergegensatz übrigens, so alt wie die bürgerliche Gesellschaft. Kampf, Aggressivität versus Miteinander, Liebsein sind die Prin- zipien, die die Welt beherrschen sollen. Und bei solchen Prinzi- pien ist es natürlich ziemlich gleich, ob man sie in der Sprache oder im spezifischen weiblichen Mordverfahren (Gift, schmerzlos, Sphäre der Fürsorge!) entdeckt. Wenn der weibliche Körper für Einheit, Harmonie steht, dann er- gibt sich ein Maßstab, an dem gemessen ziemlich viel auf der Welt verkehrt läuft: "Denken"? Noch dazu "analytisch"? Trennung vom Gegenstand! Statt dessen: Mit dem Bauch denken! Den Gegenstand lieben und verstehen, statt zu wissen, was er ist! "Die Natur beherrschen"? Ganz verkehrt: Wir sind doch "die Töch- ter von Mutter Erde", und die nimmt uns die Trennung übel. Also bestenfalls die Vollmondwirkung auf unseren Zyklus empfinden. Noch ein Beispiel für diesen sehr totalen Maßstab: "Das alles (gemeint sind 'Knabenspiele') sind Interaktionen, die auf der inneren Trennung von anderen beruhen, die das Miteinander von formalen Regeln und deren Befolgung nicht von Intuition, Stimmung und Rücksicht auf die besondere Lage Einzelner abhängig machen. Beim Fußball ist es so unwichtig wie im Bankgeschäft, ob ein Spieler Bauchweh oder Liebeskummer hat: Wenn es gar nicht geht, kann man nicht auf ihn Rücksicht nehmen und damit die Re- geln verändern - er muß dann eben a u s g e t a u s c h t wer- den." (Erler, S. 19) Sollen denn beide Mannschaften den Liebeskummer debattieren? Was hätte der Spieler denn davon, außer unangenehm daran erinnert zu werden? Rücksicht, Kümmern abstrakt: Regeln zugunsten der Person verändern - mit diesem Ideal der gemeinschaftlichen Bewältigung ist außer E i n m i s c h u n g in die Herzensangelegenheiten des Spielers überhaupt nichts passiert. Fußball kommt da vor al- lem nie mehr zustande, geschweige denn ein Bankgeschäft, obwohl es darum weniger schade wäre. Man merkt langsam, wie Fraulichkeit g e g e n jegliches indivi- duelle Anliegen außer der Beschäftigung mit sich selbst aus- schlägt: S i c h für eine S a c h e interessieren, sie verfolgen, gar sich mit jemand anders im Wettkampf messen - wenn das in der fraulichen Denkungsart alles zugunsten von "Stimmungen" und "Rücksicht auf einzelne" gestrichen wird, dann kommt notwendig nur noch ein Psychokampf zustande. (Die Kenner von Frauensemina- ren und Frauengruppen mögen sich erinnern!) Was hat man sich denn dann noch zu sagen, außer "Ich" oder "Du"? Wahrscheinlich geht einem dann selbst dieser Unterschied noch flöten! Die Umwertung des Chauvinismus ------------------------------ Wozu ist eigentlich diese Bewertung der Frau gut? Das ist deswe- gen eine schwierige Frage, weil sich mit dem Feminismus eine Be- wegung g e g e n das Gleichberechtigungsanliegen stark macht mit der Ideologie über die FRAU, die es in unserer Gesellschaft längst gibt. Die eine Leistung ist deswegen schnell gesagt: Das was Frauen tun müssen, ihre Arbeit in der Familie, in Hausarbeit, Kindererzie- hung und Beruf wird dargestellt als Lebensziel, das ihrer urei- gensten N a t u r entspringt. Das Verrückte ist aber, daß diese Sphären früher für Frauen, die Gleichberechtigung gefordert ha- ben, als ungerechte Bornierung der Frau gegolten haben. Frauen 85 weisen diese Beschwerde zurück, als gäben ihnen die O p f e r und Schwierigkeiten bei der Erfüllung ihrer keineswegs natürli- chen Aufgaben r e c h t. Statt der Bornierung auf Kinder, Küche und Kirche sehen sie "Mütterlichkeit", "sinnvolle, gebrauchswert- bezogene Arbeit" (gegenüber der "entfremdeten Berufsarbeit") und "Mythos", zu dem die FRAU angeblich spezielle Zugänge hat (Menstruation, Zyklus, Vollmond!). Gegenüber der Gleichberechti- gungskritik setzen sie sich f ü r alle Rechtferti- gungs t i t e l der Benutzung der Frau durch Staat und Wirt- schaft ein - aber immer, o h n e sich damit für Staat und Wirt- schaft erklärt haben zu wollen. Das ergibt das eigenartige Phäno- men eines Rassismus von unten ------------------- Ist üblicherweise Rassismus die theoretische Rechtfertigung prak- tischer Herrschaft (ein Neger ist kein Mensch, deswegen verdient er es, als Lohnsklave getreten zu werden) aus der "Natur" der Un- tertanen, so haben sich freie, demokratische Frauen selbst zu dem Standpunkt entschlossen und hingearbeitet, daß Frauen eine Son- derbehandlung verdienen, daß ihnen die Familienfunktion gebührt und sie eine besonders enge Beziehung zum Kind haben. Klar, daß sie sich als Bewegung von unten mit den Frauenwerten von oben beständig das Problem machen, sich von ihnen zu d i s t a n z i e r e n: Faschisten wollen sie nie sein. Mit Geißlerscher Familienpolitik wollen sie auch nie in einen Topf geworfen werden; aber mehr, als daß die Faschisten mit ihrem Frauenprogramm nicht ernst gemacht haben, und daß die jetzige Bundesregierung e i g e n t l i c h doch gegen ihr Programm verstößt, haben sie nicht einzuwenden. Ein letztes Mal Gisela Anna Erler dazu: "Viele deutsche Frauen standen vor schwierigen Alternativen: Auf der einen Seite wurde ihnen vom Faschismus nicht nur bestätigt, was die Mehrzahl ohnehin fühlte, daß nämlich die Familie für sie das zentrale Lebensmoment war. Es wurden ihre inneren Gefühle als stolze Mütter - und alle Mütter sind stolz - angesprochen... Täu- schen wir uns nicht: Bis heute sind nirgendwo in der Familienpo- litik Instrumente entwickelt worden, die sich grundsätzlich von denen der Nationalsozialisten unterscheiden." (181) "Der Faschismus hätte bei vielen Frauen ein schwereres Spiel ge- habt, wäre die Antwort der Linken etwas näher an einer solchen Beschreibung der Frauenidentität geblieben." (182) Die FRAU als Mutterkuh angesprochen? Genau richtig! Industrie nix gut für heimelige Mutti? Genau richtig! Daß beides eine Propa- ganda der weiblichen Aufopferung war und ist, mögen Altlinke nicht einmal der Praxis des Faschismus entnehmen. Ergebnis: Damit Frauen nicht im "rechten Lager gehalten" werden, muß man dem Faschismus seine Ideale streitig machen. Weiter so. Diesen Frauenstandpunkt zu leben, ist keine Bewegung, sondern ein Akt der Sinnsuche. Die FRAU als Sinn ----------------- Wenn man eine Frau ist, dann bekommt man Extravorschriften gebo- ten. Dann soll man sich überlegen, warum der Staat so scharf dar- auf ist, die Liebe an die Ehe zu binden; warum er sich so sicher ist, daß man die Ehe in den "schlechten Tagen" braucht, weil da die Liebe offensichtlich nicht mehr zuständig ist, warum Frauen schlechter verdienen, warum man nicht abtreiben darf usf. Dafür empfehlen wir: "Die Frau im Kapitalismus. Ein Beitrag zum Jahr der Frau." Aus: MSZ Nr. 7, 1975 Erhältlich als Nachdruck aus dem 1. Jahrgang, München 1976, MHB "Die Institution der Bürgerlichen Familie" Aus: Paragr 5 des Bu- ches: Der bürgerliche Staat Resultate, 6. Jg., Nr. 3, München 1979 "Deutsche Reinheitsgebote: Führen, Folgen, Kinderkriegen, Türken raus!" Aus: Das 'Modell Deutschland' macht mobil. Karl Held / Theo Ebel: Abweichende Meinungen zur "Wende". Resultate Verlag, München 1984 Wenn man aber das FRAUsein von mütterlich bis mit dem Bauch den- ken pflegt, dann hat man sich einen Maßstab zurechtgelegt, an dem die Welt gar nicht mehr scheitern k a n n. Frau zu sein und zu leben hat nichts mehr mit Beurteilung der Gesellschaft daraufhin zu tun, ob sie einem taugt. Wenn man sein Frausein lebt, dann hat man seine Interpretation davon, unter welchem Gesichtspunkt man in die Welt gehört, die man weder beurteilen noch antasten will. Man hat seinen Sinn. Und bei diesem Sinn kommt es nur noch darauf an, daß er ab und zu gesagt wird. Das sieht dann eben so aus, daß man in den Vorlesungen strickt (übrigens etwas, wozu sich ja längst auch Männer entschlossen ha- ben), daß man den Frauenbuchladen besucht oder führt, daß man für ein Frauenministerium ist, auch wenn das nicht alles ist, daß man Frau Süßmuth mit einem "zwar Frau, aber..." oder umgekehrt "CDU, aber Frau ..." bedenkt und daß man sich der Kinderfrage stellt, im Beruf zusieht - was eben so gefragt ist. Ergebnis dieser Lebenstechnik ist, daß man den praktischen Dienst an der eigenen Nation, zu dem einen Familie und Beruf vorsehen, auch noch mit Blut- und Bodenidealisierungen versieht, die vor keiner Unappetitlichkeit zurückschrecken. Was Geißler bzw. Frau Süßmuth als Politiker mit der Wenderegierung fordern, nämlich die bedingungslose Dienstbarkeit der Frauen an ihrem Platz, Kinder für die Nation, Selbstaufgabe überall, der Bauch gehört dem Staat, diesen Standpunkt, daß die FRAU zu dienen habe, kann man ja auch gleich als eigene Interpretation leben. *** Zitat "Wir haben da jede denkbare Mischung drin. Ich habe einen Schwar- zen, ich habe eine Frau, zwei Juden und einen Krüppel" (der ame- rikanische Innenminister James Watt über die Zusammensetzung ei- ner Regierungskommission). zurück