Quelle: Archiv MG - BRD OPPOSITION BEWEGUNG - Von Robin Wood und Hausbesetzern
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Feministische Sprachreform:
"DIE DEUTSCHE SPRACHE IST FRAUENFEINDLICH",
sagen Frauenbewegte. In deutscher Sprache vorgetragene Auffassun-
gen, die ihrem Inhalt nach dem weiblichen Geschlecht nicht wohl-
gesonnen sind, die gibt es mit Sicherheit zu Hauf. "Frauen sind
zum Gebären da", z.B. Da wird die an die Frauen herangetragene
Forderung, für den nationalen Nachwuchs zu sorgen, als natürliche
Eigenschaft der Frau behauptet. Diesen Rassismus zu kritisieren
und damit das politische Interesse zurückzuweisen, das in dieser
Auffassung zum Tragen kommt, ist das eine. Unsinn aber ist es,
der deutschen Sprache vorzuwerfen, s i e sei "frauenfeindlich".
Mittels der Sprache läßt sich eben j e d w e d e Auffassung
vortragen. Daß sich auch Frauenbewegte der deutschen Sprache be-
dienen, um ihrer Meinung nach "frauenfreundliche" Urteile in die
Welt zu setzen, widerlegt bereits ihre Auffassung. Noch seltsamer
ist allerdings, an welchen Sprachfetzen der Feminismus
Frauenfeindlichkeit entdeckt.
"Es heißt 'der Student' - dabei sind 50% der Studenten weiblich",
stellen Frauenbewegte fest und meinen, damit die frauenfeindliche
Qualität der deutschen Sprache an einem Wort zweifelsfrei belegt
zu haben. Bloß: Worin soll eigentlich der bösartige Angriff auf
die Frauen bestehen? Diskriminierung, mangelnde Berücksichtigung
in der Sprache wittern Feministinnen hier. Einmal abgesehen da-
von, daß ein Schaden gar nicht absehbar ist, der dem weiblichen
Geschlecht hier angetan oder angedroht würde - besagtes unschul-
diges Wort "Student" erfüllt nicht einmal den Tatbestand weibli-
cher "Ausgrenzung".
Die deutsche Sprache unterscheidet F u n k t i o n s bezeichnung
und Kennzeichnung des G e s c h l e c h t s des jeweiligen
Funktionsträgers. Dem Inhalt des Satzes "Die Studenten haben
Wohnungsprobleme" ist zu entnehmen, daß vom S t a n d der Stu-
denten die Rede ist, also von a l l e n, Männlein wie Weiblein.
Genau so verstehen ihn Frauenbewegte auch. Die können Deutsch.
Sie machen die behauptete "frauendiskriminierende" Qualität des
Wörtchens "Student" ja auch gar nicht am tatsächlichen Bedeu-
tungsinhalt dieses Wortes fest, sondern daran, daß diese Standes-
bezeichnung im Deutschen die männliche F o r m hat: d e r
Student. Da wird glatt so getan, als sei in der deutschen Sprache
der jeweilige Artikel, der einer Sache zugeordnet wird, identisch
mit der Behauptung, auf alles, was mit "der" bezeichnet wird, ha-
ben die Männer ein ausschließliches Monopol. Und deswegen heißt
es wohl "der Uterus" und "die Bombe", oder?
Feministinnen siedeln also Gemeinheiten in Wörtern an, wo sie
partout nicht aufzufinden sind. Das halten sie nicht für
i h r e n U n s i n n, sondern für eine Aufklärung eines ah-
nungslosen Publikums: Man ahnt ja gar nicht, wieviel Boshaftig-
keit in den unscheinbarsten Begriffen der Umgangssprache liegt.
Die Frauenbewegten scheinen umgekehrt nicht zu ahnen, wie sehr
diese Behauptung ihrem Beweisziel widerspricht: Die böse
A b s i c h t der Frauendiskriminierung mittels Sprache wird
wohl kaum am Werk sein können, wenn besagte Bösewichter von der
angeblichen Gemeinheit solcher Schimpfwörter wie "der Student"
keinen blassen Schimmer haben, also erst darüber aufgeklärt wer-
den müssen. Mal abgesehen davon, daß eine solche, quasi rethori-
sche Diskriminierung den Studentinnen scheiß egal sein könnte -
es hindert sie ja praktisch keine maßgebliche Instanz daran, ein
Studium zu beginnen, so sie das Abi gebaut haben. Das ficht die
Frauenbewegten nicht an. Lieber steigern sie ihr Beweisverfahren
noch bis zum Mißbrauch der Etymologie. Sie tun einfach so, als
sei die etymologische Vergangenheit eines Wortes, sein Wortstamm,
der eigentliche, gleichsam unbewußte aktuelle Bedeutungsinhalt
des Wortes. Wenn das so wäre, müßten diese Damen das Wörtchen
"Frau" aus ihrem Sprachschatz streichen, statt es an den unmögli-
chen Stellen einzusetzen. Der Wortstamm von Frau ist nämlich
"fron". Und das bedeutet soviel wie Herr, etymologisch natürlich!
Zum anderen kommt dieser Verfolgungswahn zu den drolligsten Er-
findungen, die durch jedes Sprachlexikon widerlegt sind:
"Dämlich" kommt nicht von Dame, auch wenn studierte Frauen solche
Entlarvungen der "Männersprache" hinreißend finden. Wie dem auch
sei:
StudentInnen
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lautet jetzt an der Uni die neue Standesbezeichnung. Die Frage
nach dem praktischen Nutzen dieser "Sprachreform" ist schnell be-
antwortet. Das BAFöG-Amt schickt seine Mitteilungen über Darle-
henskürzungen ab jetzt an die lieben "StudentInnnen". Ab sofort
werden Klausurbedingungen und -ergebnisse den "StudentInnen" vom
Professor mitgeteilt - vorausgesetzt, er hatte zu Hause so viel
Zeit, den neuen Zungenbrecher ordentlich zu üben.
Gebracht hat der ganze Sprachzirkus eines: Ab jetzt ist das weib-
liche Geschlecht auch in Standesbezeichnungen präsent, wo es rein
grammatikalisch wirklich nichts verloren hat. Dann wird es darum
wohl bei der Sprachreform auch einzig und allein gegangen sein.
Eingeklagt wird, daß d e n Frauen unisono R e s p e k t ge-
bühre, immer und überall, auch in der Sprache. Als fehle den
Frauen in dieser Republik nichts so sehr wie die i d e e l l e
Anerkennung dafür, daß sie für jedwedes maßgebliche Interesse von
Staat und Geschäft genauso tauglich sind wie die Männer.
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