Quelle: Archiv MG - BRD OPPOSITION BEWEGUNG - Von Robin Wood und Hausbesetzern


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       Münchner Hochschulzeitung Nr. 15, 13.06.1984
       
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FEMINISMUS KAPUTT

1 Der Feminismus ist eine Theorie, die in soziologischen Instituten erfunden wurde. Die Rede von den "Strukturen" und den "Rollen", in die man "als Frau" gedrängt werde; die Hinweise auf "geschlechtsspezifische Sozialisation" und all die Reflexionen über "Identität und Selbstbestimmung der Frau" b e d i e n e n sich ja nicht einfach nur einer soziologischen Terminologie. Wenn sich im Feminismus alles um derart fiktive Wesen wie "d e r Mann" und "d i e Frau" dreht, also von allen lebensbestimmenden U n t e r s c h i e d e n in der gesellschaftlichen Stellung (Frau Unternehmerin und Herr Bandarbeiter und umgekehrt) abgese- hen wird, wenn die Idee der "Unterdrückung der Frau" offensiv ge- gen die Kenntnisnahme eines gesellschaftlichen Zwecks, um des- sentwillen Frauen zu bornierten (Hausfrauen-)Diensten verpflich- tet werden, propagiert wird - dann liegt eine viel weitergehende Vermutung nahe. Der Feminismus ist eine soziologische Weltan- schauung - mit allen Fehlern dieser Disziplin. 2 Daß aus dieser soziologischen Deutung dessen, wie bestimmten Frauen hierzulande mitgespielt wird, eine öffentlich beachtete bis anerkannte Bewegung wurde, liegt sicher nicht an der Raf- finesse dieser Theorie. Wenn sich - wie vor 10 Jahren geschehen - die öffentlichen Propagandisten der "traditionellen" Hausfrauen- und Mutterfunktion zu einer Kampagne gegen die "Vorurteile über die Frau" entschließen, dann nur, um weitergehende Dienste dieses Menschenschlags als Erfüllung seiner Natur zu empfehlen. Und es ist sicher kein Kompliment an die Frauenbewegung, daß sie in der von oben empfohlenen und vom Familienhaushaltsplan sowieso gebo- tenen "Berufstätigkeit der Frau" die Erfüllung ihrer Emanzipati- onswünsche sah. 3 Heute ist der Feminismus als oppositionelle - B e w e g u n g am Ende. Man sieht es sogar noch daran, daß ein Professor wie HELLE in seinen Vorlesungen wieder über die "biologische Ausstat- tung des Weibchens" schwadronnieren kann, ohne von den versammel- ten Studentinnen Verachtung, Hohn oder Schlimmeres befürchten zu müssen. Als "kritische Frau" beschäftigt man sich heute zusammen mit BOLTE und HELLE in Seminaren mit der Frage, "ob es nicht doch einen Geschlechtscharakter gibt", und beklagt gemeinsam, daß "die Verhältnisse" "die Mutter-Rolle" nicht so recht zum Zug und zur Anerkennung kommen lassen. Ansonsten versucht man sich "als Frau" in sich hineinzufühlen, hält es für eine persönliche Ehre, ja für den Inhalt und Ausweis des eigenen besonderen Charakters, wenn man ein Kind im Bauche trägt, und empfindet diese U m k e h- r u n g alter rassistischer Urteile über "die Frau" auch noch als "kritische Position". Aus den F o r d e r u n g e n, die man "als Frau" einmal an ein besseres Leben stellte und mit feministischen Ideologien begründete, ist die F i k t i o n v o n A n s p r ü c h e n geworden. "Gleichberechtigung" ver- langt heute, in Firmen "sexuelle Zonen zu markieren innerhalb derer an die Frau nicht als Sexualobjekt gedacht werden darf." Auch wenn diese Fortschritte ohne die von oben eröffnete Wende gegen das "Anspruchsdenken" undenkbar wären - all dies ist der konsequente Abgesang einer soziologischen Idee als Bewegung. zurück