Quelle: Archiv MG - BRD OPPOSITION BEWEGUNG - Von Robin Wood und Hausbesetzern


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       Robin Wood und der Kanzler
       

EINE EINLAGE ZUR ERÖFFNUNG DER HANNOVER-MESSE

Zur Eröffnung der Hannover-Messe "spazierten Leute von Robin-Wood schnurstracks an den Sicher- heitsposten der Polizei im Stadtpark vorbei, kletterten mit ihrer Bergsteigerausrüstung an der Rückseite der Stadthalle auf das Dach und ließen die verdutzt dreinschauenden Polizeibeamten unter sich. Dann liefen sie zur Vorderseite und entfalteten ihr Anti- Atom-Transparent: 'Umschalten Herr Kohl!'" "Bundeskanzler Kohl ließ am Mittwoch mitteilen, er habe sich durch die Aktion der Umweltschutzgruppe nicht gefährdet gefühlt." So sieht das der gute Mann. Er beurteilt das Entrollen eines Transparents, von dem überhaupt keine "Gefährdung" irgendeiner Art ausgehen k a n n, als m ö g l i c h e Gefahr - und ent- scheidet dann selbstherrlich, daß keine gegeben war. Der Maßstab seiner Beurteilung ist sein eigener Geschmack. Ob er ihm offen- sichtlich zu nahe geht, ob er deswegen verboten und polizeilich geahndet gehört oder ob man ihn als harmlosen Bubenstreich abtun kann. Der Inhalt ist ihm wurscht, da denkt er im Traum nicht daran, daß er sich auf ihn beziehen müsse. Protest beurteilt er danach, ob e r garantiert sieht, daß dabei der Wille der Prote- stierenden genügend zum Ausdruck kommt, ihm und seinesgleichen nicht ins Handwerk zu pfuschen. Das wäre Gewalt. Wenn Kohl befin- det, daß das nicht gegeben ist, dürfen die Protestierer polizei- lich abgelichtet wieder abziehen. "Die Polizei, die für den 'Sicherheitsriegel' bei der Messe-Er- öffnung verantwortlich war", wollte aus der Protestaktion lernen. Es seien "durch die Besetzung des Stadthallendaches gewissermaßen als Nebeneffekt Schwachstellen im Sicherheitsbereich bloßgelegt. Bei künftigen Veranstaltungen werden die Sicherheitsmaßnahmen so geplant, daß solche Dinge nicht mehr vorkommen können. Das Mini- sterium wird dafür sorgen, daß der Gipfel der EG-Regierungschefs polizeilich ausreichend abgesichert werde." Wenn Politiker in keiner Weise, nicht einmal durch den Anblick von Protest, behelligt werden, dann ist für sie die Welt in Ord- nung. zurück