Quelle: Archiv MG - BRD OPPOSITION BEWEGUNG - Von Robin Wood und Hausbesetzern


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       Ostermarsch '88
       

FRIEDE - ARBEIT - OSTEREIER

An Ostern wird für den Frieden marschiert. Das ist gute alte Tra- dition. Und traditionellerweise muß ab und zu unbedingt auf die Sache mit den fehlenden Arbeitsplätzen hingewiesen werden. Dieses Jahr wurde beides zusammen erledigt. Nach dem Motto: "Je mehr Arbeitslose, um so nötiger der Friede!" bzw. "Je mehr Bomben und Feindschaft, um so dringender muß gearbeitet werden!" durfte Ostern '88 vor allem im Ruhrgebiet heftig in diesem Zusammenhang herummarschiert werden. Damit jeder den tiefen "Zusammenhang von Frieden und Arbeit" kapieren konnte, wurde Duisburg-Rheinhausen zum Ausgangspunkt des Ostermarsches durchs Ruhrgebiet gewählt. Sicher, in Rheinhausen ist die Krupp AG gerade damit beschäftigt, ein paar tausend Stahlarbeiter aufs Entlassungsgleis zu schieben. Aber wo bleibt da der Zusammenhang mit dem Frieden? Vor kurzem haben die Kruppianer von Rheinhausen in öffentlichen Protesten den guten alten Konzern-Zeiten unter dem guten alten Alfried Krupp nachgejammert. War dieser alte Knabe seinerzeit nicht unter dem Namen "Kanonenbaron" bekannt? Aber sei's drum - die Gewerkschaft bietet auch für solche heiklen Fragen Argumentationshilfe. "Die Rüstungsindustrie schafft zwar Arbeitsplätze - aber die sind besonders unsicher", ließ der DGB vermeiden. Da schau her - die Arbeitsplätze in den "zivilen" In- dustriezweigen unserer Marktwirtschaft sind wohl besonders si- cher? Dann sind die Millionen Arbeitslosen hierzulande wohl alle von den heimlichen Rüstungsschmieden der Nation auf die Straße gesetzt worden? Völlig übersehen hat die Gewerkschaft dabei die bombensicheren Arbeitsplätze, die mit Hilfe einer ordentlichen Rüstung geschaf- fen werden. Die Bundeswehr hat wie jedes Jahr zum 1. April neue Rekruten eingezogen. Das Verteidigungsministerium in Bonn hat dazu eine schöne Presseerklärung abgegeben: Angesichts der Ju- gendarbeitslosigkeit sei darauf geachtet worden, arbeitslose Ju- gendliche bevorzugt einzuziehen. Eine ausgesprochen nette Geste von der Hardthöhe, nicht wahr? Bloß, was soll man jetzt als Ar- beits- und Friedensfreund davon halten? Wo doch schon die Bundes- wehr für friedensschaffende Arbeitssicherung und arbeitsschaf- fende Friedenssicherung ist?! Das Verteidigungsministerium tut sich leicht mit seiner idioti- schen Propaganda, wenn Ostermarschierer vor lauter Begeisterung für Frieden und Arbeit lieber zehnmal alles verwechseln, als einen richtigen Gedanken gegen die Aufrüstungsbeschlüsse der NATO-Politiker in Bonn u n d gegen die marktwirtschaftlichen Kalkulatoren bundesdeutscher Arbeitgeber zu fassen. zurück