Quelle: Archiv MG - BRD MEDIEN TV - Was das Volk aufregt
zurück
Marxistische Schulzeitung Bremen, 08.02.1982
"LET POLAND BE POLAND",
die von Ronald Reagan höchstpersönlich inspirierte Fernsehproduk-
tion aus den USA wurde am Sonntag doch noch in voller Länge auch
in der BRD ausgestrahlt - zumindest im 3. Programm Bayerns. Be-
fürchtungen, die Hollywood-Machart würde durch Showeinlagen den
"politischen Charakter" der Polen-Solidarität verwässern, erwie-
sen sich als grundlos. Die Show lag ausschließlich in den Händen
von Politikern und die auftretenden Künstler stellten klar, daß
ihr Geklimpere und Geträller hochpolitisch ist. Frank Sinatra:
"If I were a politician, I'd speak to you. But I'm a singer. So
I'm going to sing for you a Polish song." Die Staatsmänner taten
sich schwerer: Wo zwei Hände voll Staatschefs haarklein genau die
gleiche Botschaft verkünden, ist es nicht leicht, in zwei Minuten
nationales Profil zu zeigen. Die Differenzierungen erfolgten so
entlang des Zeitpunkts, wann die erste Verurteilung erfolgt war
(Sieger: Herr Balsemao aus Portugal), wer am meisten geholfen
habe (umstritten zwischen Mitterrand und Schmidt) und wessen Volk
immer schon die freundschaftlichsten Gefühle für Polen gehegt
habe (unwiderlegbar ein Ministerpräsident aus Island). Überra-
schen konnten da nur, wenn auch nicht inhaltlich, so doch durch
ihre bloße Präsenz, der türkische Ministerpräsident und sein spa-
nischer Kollege, beides Experten in Sachen Kriegsrecht, die der
moderierende Charlton Heston mit einer Selbstverständlichkeit an-
kündigte, als habe er unter anderen auch noch den General Pino-
chet am anderen Ende des Satelliten hängen. Bei den Einblendungen
von den "worldwide demonstrations" mußte allerdings geschickte
Kameraführung herhalten, was dennoch gewisse Diskrepanzen zwi-
schen Kommentar und Bild nicht vermeiden helfen konnte, so den
Trauerzug von 50 Demonstranten vor dem Parlamentsgebäude in
Ottawa als Bebilderung der Mitteilung, daß man in Kanada "trotz
Kälte und Schnee" wie ein Mann mit Polen solidarisch sei. Macht
aber nichts, denn auch die zu Hause gebliebenen Bürger der Freien
Welt würden den Brief unterschreiben, mit dem vorher irgendein
Kanzler Jaruzelski den "Wunsch seines Volkes" (Polenfreunde seit
eh und je) mitgeteilt hatte, er möge seinen Staat nach dem Vor-
bild von Freedeom and Democracy herrichten, damit Polen in die
"Community of free men" zurückkehre. Auch ohne noch extra den
NATO-Eintritt Warschaus zu fordern, entsprach das ganz dem Titel
der Sendung: "Let Poland be Poland" - zu deutsch: Polen ist un-
ser.
zurück